Apobank-Studie zu Familie und Heilberuf

Gute Vereinbarkeit für Angestellte in Gemeinschaftspraxen und Apotheken

München - 17.05.2019, 15:30 Uhr

Laut ApoBank ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Offizinapotheken gegeben. ( r / Foto: imago images / Westend61)

Laut ApoBank ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Offizinapotheken gegeben. ( r / Foto: imago images / Westend61)


Heilberuf und Familie – wie lässt sich das vereinbaren? Dieser Frage ist die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) in der Studie „Kind und Kittel“ nachgegangen, der ersten umfassenden Bestandsaufnahme zu diesem Thema. Das Ergebnis: Vor allem in „kooperativen Praxisformen“ wie in der Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) oder in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) ist die berufliche Tätigkeit am besten mit dem Familienleben zu vereinbaren. Bei Apothekern soll der Bank zufolge vor allem die Anstellung in einer öffentlichen Apotheke dem Familienleben gut tun.

Im Kern der Untersuchung standen nach Angaben der Apobank Fragen wie: Wie steht es um die Familienplanung der Heilberufler? Müssen sie sich zwischen Kind und Karriere entscheiden? Gibt es den richtigen Zeitpunkt für den Nachwuchs? Oder wie kann ein Arbeitsumfeld aussehen, in dem junge Heilberufler gerne arbeiten und das sie mit ihrem Familienleben gut vereinbaren können? Das Ergebnis der Analyse, die auf einer Befragung von Heilberuflern basiert: Am besten schneidet die Anstellung in einer BAG oder einem MVZ ab - diese Variante wird von der Mehrheit der Befragten als die familienfreundlichste Option eingestuft. Bei Ärzten und Zahnärzten erhält diese Beschäftigungsform Zustimmungsraten von 84 beziehungsweise 77 Prozent. Bei Apothekern stellt hingegen die Anstellung in einer öffentlichen Apotheke das beste Modell zugunsten der Familie dar – dafür votieren 78 Prozent. Generell spielt bei Allgemeinmedizinern und Apothekern die Familienfreundlichkeit eine größere Rolle als bei Zahnärzten und Fachärzten. Immerhin 48 Prozent der befragten Apotheker bezeichneten diesen Aspekt als „sehr relevant“. 

Deutlich schlechter steht es offenbar um die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit im Krankenhaus. Diese Variante sehen Heilberufler nach Informationen der Bank sehr kritisch, vor allem während der Assistenzarztzeit. Die Zustimmungsrate liegt hier gerade mal bei 18 Prozent. Die Anstellung als Facharzt wird immerhin noch von 32 Prozent als familienfreundlich wahrgenommen, während Oberarzt- und Chefarztstellen lediglich 24 beziehungsweise 27 Prozent der Befragten als solche einstufen. Einen ähnlichen Wert (26 Prozent) erhielt auch die Kategorie Inhaber einer Einzelpraxis.

Grafik: ApoBank

Anstellung, gefolgt von Inhaberschaft

Für wesentlich familienfreundlicher halten die Heilberufler wiederum die Inhaberschaft von kooperativen Praxisformen wie der BAG oder dem MVZ. Diese berufliche Option steht auf Rang zwei, gleich nach der Anstellung in ambulanten Praxisformen, und wird von 63 Prozent der befragten Ärzte und von 59 Prozent der befragten Zahnärzte als familienfreundlich eingestuft.

Die Tatsache, dass immer mehr Frauen den Heilberuf ergreifen, führt nach den Worten der Apobank dazu, dass das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer wichtiger wird. Die Ergebnisse der Umfrage machten deutlich, dass Frauen viel häufiger das Gefühl haben, sich im Laufe ihres Lebens zwischen Kind und Kittel entscheiden zu müssen. So bestätigten 42 Prozent der befragten Heilberuflerinnen diese Aussage. Besonders ausgeprägt ist dieser Aspekt offenbar unter Apothekerinnen. Aufgrund von fehlenden Betreuungsmöglichkeiten haben diese laut der Studie vergleichsweise häufig das Gefühl, eine Entscheidung zwischen Kind oder Karriere treffen zu müssen.

Elternzeit in Apotheken: 14 Monate

Letztlich ist die Kindererziehung in den ersten Jahren noch immer eine Angelegenheit der Frauen: 87 Prozent von ihnen nehmen den Angaben zufolge Elternzeit, im Schnitt 14 Monate - bei Männern sind es lediglich 38 Prozent, mit durchschnittlich nur drei Monaten. Die Dauer der Elternzeit bei Apothekern liegt den Angaben zufolge im Schnitt bei 14 Monaten.

Die Studie greift auch die Frage auf, inwieweit Heilberuflerinnen ohne Kinder gegenüber denen mit Kindern in Sachen Karriere bevorzugt werden. Demnach nehmen fast zwei Drittel aller Befragten eine Bevorzugung von Frauen ohne Kinder wahr. Gerade im Bereich der Humanmedizin, insbesondere unter den Hausärzten, stoße diese Aussage auf eine hohe Zustimmung. Auch die befragten Apotheker stimmen dieser Aussage zu 60 Prozent mehrheitlich entweder „voll und ganz zu“ beziehungsweise „eher zu“.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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Dividende abgenickt

1 Kommentar

Schöne Welt

von Karl Friedrich Müller am 17.05.2019 um 17:18 Uhr

Wie lange noch? Genau diese tollen Arbeitsplätze, nah, familienfreundlich, weitgehend weiblich
werden verschwinden.
Dank SPD, CDU CSU Grüne FDP
Spahn, Lauterbach, Gabriel, Seeheimer Kreis, Merkel, Zypies, Ulla Schmidt, ABDA, DAV, BAK
Und vielen vielen weiteren Mitwirkenden

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