EU-Parlamentarier Ehler besucht Apotheke

„Man kann in der Gesundheitsversorgung nicht alles über den Markt regeln“

Berlin - 16.05.2019, 12:45 Uhr

Brandenburgs Kammerpräsident Jens Dobbert, Apothekerin Beate Mika und der EU-Parlamentarier Dr. Christian Ehler sprachen unter anderem über die Importquote und den Versandhandelskonflikt. (c / Foto: bro)

Brandenburgs Kammerpräsident Jens Dobbert, Apothekerin Beate Mika und der EU-Parlamentarier Dr. Christian Ehler sprachen unter anderem über die Importquote und den Versandhandelskonflikt. (c / Foto: bro)


Der EU-Parlamentarier Dr. Christian Ehler (CDU) hat am gestrigen Mittwoch eine Apotheke in Frankfurt (Oder) besucht. Knapp zwei Stunden lang ließ sich der Abgeordnete durch die Oderland-Apotheke von Beate Mika führen. Ehler sprach auch mit Brandenburgs Kammerpräsident Jens Dobbert über die Importquote, individuell hergestellte Arzneimittel und den Versandhandelskonflikt. Was das EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung betrifft, hat der CDU-Politiker eine klare Meinung: „Man kann nicht alle Bereiche ökonomisieren.“

Die Europawahl steht vor der Tür. Knapp 100 der 751 Parlamentarier kommen aus Deutschland. Einer von ihnen ist Dr. Christian Ehler. Ehler ist gebürtiger Bayer und seit 2004 Abgeordneter der EVP-Fraktion im EU-Parlament. Vor seiner Tätigkeit als Politiker war Ehler jahrelang als Unternehmer tätig. Unter anderem war er Geschäftsführer zweier Technologiezentren in Berlin und Brandenburg. In Brandenburg engagierte sich Ehler dann auch politisch in der CDU und wurde 1999 erstmals in den Landtag gewählt, wo er wirtschafts- und technologiepolitischer Sprecher der CDU war. Im EU-Parlament ist er Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie.

In der Frankfurter Oderland-Apotheke interessierte sich der Politiker zunächst für individuell hergestellte Arzneimittel. In der Rezeptur der Apotheke ließ er sich von Apothekerin Beate Mika beispielsweise erklären, wie Apotheken Heime versorgen und für Kinder Arzneimittel herstellen, etwa Schmerzmittel oder Kapseln. Apothekerin Mika und Kammerpräsident Dobbert lag aber auch das Thema Importförderklausel auf dem Herzen.

Apotheker beschweren sich über Importquote

Die Pharmazeutin erklärte, dass die Quote einen großen Mehraufwand in der täglichen Praxis erzeuge. „Wir müssen praktisch ein doppeltes Warenlager führen“, so Mika. „Außerdem ist es gerade älteren oder dementen Patienten nur schwer erklärbar, dass ihr Arzneimittel auf einmal anders aussieht und eventuell sogar fremdsprachliche Buchstaben auf der Packung zu sehen sind.“ Dobbert beschwerte sich darüber, dass die Förderklausel „eigentlich nur aufgrund von Partikulärinteressen einer Firma aus dem Saarland“ noch am Leben sei. Die Pharmazeuten wiesen den CDU-Politiker auch auf Fälle hin, in denen Importe pharmazeutische Probleme erzeugen könnten und berichteten von Import-Aufklebern, die auf Blister von schnell wirksamen Schmelztabletten aufgeklebt wurden, sodass Schmerzpatienten in Notsituationen nicht schnell genug an ihre Medikamente kamen.

Die Apotheker sprachen den EU-Parlamentarier auch auf den Versandhandelskonflikt an und erläuterten ihm den aktuellen Stand beim geplanten Apotheken-Stärkungsgesetz. Ehler hörte aufmerksam zu, wirkte aber gut vorbereitet auf das Thema. Er erklärte, dass er schon 2016 „ratlos“ auf das EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung geschaut habe und es „problematisch“ sehe. Denn: „Man kann nicht alle Bereiche, insbesondere nicht solche in der öffentlichen Daseinsvorsorge, ökonomisieren. Sie sind auch Unternehmer, haben aber gewissermaßen hoheitliche Aufgaben in der Gesundheitsversorgung. Da kann man nicht alles in der Versorgung über den Markt regeln.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Übliches Politiker-Gesülze

von Alfons Neumann am 17.05.2019 um 1:30 Uhr

Jaja, die Apotheke vor Ort ist wichtig. Jaja, man kennt die Problematik - aber gleichzeitig setzen die selben Parteien sowie Lauterbach, Spahn und Co. die EU-Versand-Konzerne ins gemachte Nest ...

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Schon die Idee

von Karl Friedrich Müller am 16.05.2019 um 17:32 Uhr

Ist pervers.
Auf der einen Seite, Patienten, deren Versorgung, vorsichtig formuliert, unzureichend ist,
Angestellte, Mitarbeiter schlecht bezahlt und ausgebeutet werden,
Betriebe verschwinden, die Infrastruktur ausgedünnt wird,
Dafür Investoren und Konzerne sich dumm und dämlich verdienen.

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