Modellvorhaben zu Impfungen

Bayerische Hausärzte: Keine Parallelstrukturen mit Apothekern aufbauen

München - 13.05.2019, 12:45 Uhr

Dr. Reis-Berkowicz, zweite stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, hat sich gegen Impfungen in der Apotheke ausgesprochen. (Foto: BHÄV)

Dr. Reis-Berkowicz, zweite stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, hat sich gegen Impfungen in der Apotheke ausgesprochen. (Foto: BHÄV)


Nach umfangreicher Schelte an den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Apothekern das Impfen zu erlauben, reiht sich nun auch der Bayerische Hausärzteverband in die Reihe der Kritiker ein. Auf einer Pressekonferenz in München am vergangenen Mittwoch sagte Petra Reis-Berkowicz, zweite stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, dass Apotheker die Wirkung einer Impfung beim Patienten gar nicht einschätzen könnten.

Mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz, das derzeit noch innerhalb der Bundesregierung beraten wird, will das Bundesgesundheitsministerium auch dafür sorgen, dass es im Rahmen von Modellvorhaben erstmals Grippeschutzimpfungen in Apotheken gibt. Im Entwurf heißt es, zur Verbesserung der Impfquote können Krankenkassen oder ihre Landesverbände mit Apothekern Verträge über Modellprojekte zur Durchführung von Grippeschutzimpfungen vereinbaren. In den Verträgen sollen die Voraussetzungen für die Durchführung von Grippeschutzimpfungen in Apotheken sowie deren Durchführung, Vergütung, Abrechnung und Dokumentation geregelt werden. Diese Modellprojekte sollen auf fünf Jahre begrenzt sein, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden.

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Der Ärzteschaft ist das Thema Impfungen in Apotheken ein Dorn im Auge. Insbesondere die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte in ihrer Stellungnahme zum Apotheken-Stärkungsgesetz heftig dagegen protestiert. Und auch bei den Hausärzten ist die Stimmung nicht gut. Petra Reis-Berkowicz, zweite stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, erklärte am vergangenen Mittwoch: Apotheker seien Pharmakologen und hätten keine ärztliche Ausbildung. Zudem würden Apotheker in der Regel nicht die komplette Krankengeschichte eines Patienten kennen. 

Sollten Apotheker künftig impfen dürfen, würde in ihren Augen damit eine Parallelstruktur zur bestehenden Impfpraxis durch die Ärzte aufgebaut. Sie bezeichnete die Pläne als Aktionismus. Wörtlich sagte sie: „Es ist mir schleierhaft, warum man das machen will.“


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Apotheker seien Pharmakologen

von J.Hupfer am 14.05.2019 um 15:12 Uhr

"Apotheker seien Pharmakologen" - genau das ist der Kernsatz dieses Artikels von Frau Reis-Berkowicz.
Ich als Apothekerin sehe es nicht unbedingt als pharmazeutische Aufgabe an, eine Impfung durchzuführen. Vielmehr sehe ich meinen Berufsstand in der Kompetenz und auch der Verantwortung, die Medikation eines Patienten vollumfänglich zu betreuen, u.a. durch Medikationsanalyse und -management - sowohl im klinischen Umfeld als auch in der Offizin.
Daher kann ich es nicht nachvollziehen, warum sich die aktuelle Debatte zur Stärkung der Apotheken um das Impfen dreht, während unsere Kernkompetenz (das umfassende Verständnis für Arzneimittel) außer Acht gelassen wird.

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