44. ADKA-Kongress in Berlin

Zyto-Herstellung: „Klinikapotheken sind nicht das Problem, sondern die Lösung“

Berlin - 13.05.2019, 15:20 Uhr

Dass nur Klinikapotheken für die Zytoherstellung in Frage kommen, sieht BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer nicht so. (m / Foto: cel)

Dass nur Klinikapotheken für die Zytoherstellung in Frage kommen, sieht BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer nicht so. (m / Foto: cel)


So unsäglich Skandale wie Valsartan, Lunapharm oder Bottrop sind – sie sind Lehre und Triebfeder, die Arzneimittelversorgung künftig sicherer zu machen. Wie gelingt das bei der Herstellung von Zytostatika? Der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen (CDU) sagte beim ADKA-Kongress vergangene Woche in Berlin die Krankenhausapotheken seien „am besten geeignet, diese Leistung zu erbringen“. BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer zeigte sich in diesem Punkt flexibler.

Meist führen Skandale dazu, dass etablierte Systeme hinterfragt werden und Maßnahmen überlegt, die künftigen Missbrauch verhindern sollen, erklärte Professor Dr. Frank Dörje beim vergangene Woche in Berlin stattfindenden 44. Wissenschaftlichen Kongress der ADKA. Die Novellierung des niedersächsischen Krankenhausgesetzes mit der verpflichtenden Einführung von Stationsapothekern ist letztlich eine Folge der Mordserie durch den Pfleger Niels H..

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Dass Niedersachsen künftig Apotheker auf Station vorsieht, und zwar nicht fakultativ, sondern obligatorisch, „ist ein großer Meilenstein und ein wirksamer Schritt, die Patientensicherheit in Krankenhäusern zu fördern“, so der ADKA-Präsident. Dass dies gesetzlich verankert wurde, ist unter anderem dem Engagement von Niedersachsens Kammerpräsidentin Magdalene Linz zu verdanken – die ADKA ehrte Linz bereits mit der diesjährigen ADKA-Ehrennadel.

Patientennahe Zytoherstellung nur in Klinikapotheke?

Auch das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) ist politische Antwort auf Arzneimittelskandale wie Valsartan, Lunapharm und den singulären Zytoskandal in Bottrop. Lothar Riebsamen, CDU-Abgeordneter im Bundestag und Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, erntete mit seinen begrüßenden Worten an die fortbildungsinteressierten Krankenhausapotheker tosenden Applaus: So sehr die Herstellung von Zytostatika bedingt durch den unsäglichen Skandal in Bottrop in der Kritik stehe, „die Klinikhausapotheken sind hier nicht das Problem – sondern die Lösung“, sagte Riebsamen.

Es gelte Zytostatika patientennah herzustellen: „Ich halte die Krankenhausapotheken hierfür am besten geeignet, diese Leistung zu erbringen“, so Riebsamen.

ADKA setzt mit Closed Loop richtigen Fokus

Diese Meinung teilt der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Dr. Andreas Kiefer, nicht uneingeschränkt. Kiefer bezeichnete Riebsamens Einschätzung als „teilrichtig“, nach Ansicht des BAK-Präsidenten gibt es neben der Krankenhausherstellung von Zytostatika aber auch „andere Möglichkeiten, die ebenfalls alle erforderlichen Qualitätsanforderungen einer Zytostatikaherstellung erfüllen“, so Kiefer.

Kiefer freute sich über das Motto „Der Medikationsprozess im Krankenhaus – eine runde Sache“ des diesjährigen ADKA-Kongresses, und darüber, dass die Krankenhausapotheker den Medikationsprozess in den Mittelpunkt stellten. Dieser sei nicht nur eine runde Sache, sondern vor allem komplex. Den Weg hin zu einem sichereren Arzneimittelprozess im Krankenhaus über Stationsapotheker befürwortet der BAK-Präsident: Mit Abstand der überwiegende Teil der ärztlichen Therapie sei eine Pharmakotherapie, es würden nirgendwo mehr Fehler gemacht als im Umgang mit Arzneimitteln. Doch: „Wir haben mit dem Zielepapier der ADKA von 2018 und Closed Loop Medication Management eine positive Entwicklung", zeigte sich Kiefer überzeugt.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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