Apotheken-Stärkungsgesetz

BVDVA-Chef Buse: „Arzneimitteltransporte müssen wirtschaftlich bleiben“

Berlin - 09.05.2019, 17:50 Uhr

Das Apotheken-Stärkungsgesetz sieht Temperaturkontrollen für Arzneimitteltransporte auch im Versandhandel vor. Der Phagro will sogar die Anforderungen an den Großhandel und an Versandapotheken angleichen. BVDVA-Chef Christian Buse findet das nicht verhältnismäßig.  ( r / Foto: Külker - hier auf dem BVDVA-Kongress 2016)

Das Apotheken-Stärkungsgesetz sieht Temperaturkontrollen für Arzneimitteltransporte auch im Versandhandel vor. Der Phagro will sogar die Anforderungen an den Großhandel und an Versandapotheken angleichen. BVDVA-Chef Christian Buse findet das nicht verhältnismäßig.  ( r / Foto: Külker - hier auf dem BVDVA-Kongress 2016)


Der Referentenentwurf des Apotheken-Stärkungsgesetzes sieht eine verpflichtende Temperaturkontrolle für den Arzneimitteltransport, von der auch der Versandhandel betroffen wäre. Der Großhandelsverband Phagro geht noch einen Schritt weiter und fordert in seiner Stellungnahme, dass die für den Großhandel vorgeschriebenen Transportbedingungen auch für Versandapotheken gelten sollen, was offenbar nicht auf Gegenliebe stößt: So ließ der BVDVA-Vorsitzende Christian Buse auf dem „Fachforum Gesundheit“ am gestrigen Mittwoch durchblicken, mit den Phagro-Forderungen nicht einverstanden zu sein.

Wie wichtig eine sichere Arzneimittel-Lieferkette ist, ist spätestens seit dem sogenannten Lunapharm-Skandal in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Mit welchen Maßnahmen die Sicherheit von Arzneimitteltransporten künftig verbessert werden kann, darum ging es unter bei der Tagesspiegel-Veranstaltung „Fachforum Gesundheit“ am vergangenen Mittwoch in Berlin. Unter den Referenten befanden sich Christian Buse, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA) sowie Dr. Peter Schreiner, Vorsitzender der Geschäftsführung des Pharmagroßhändlers GEHE.

In den Diskussionen, in denen die Wirksamkeit des Fälschungsschutzsystems Securpharm sowie die neuen Regelungen im GSAV im Vordergrund standen, wurde indirekt auch die Regelungen für den Arzneimitteltransport im Apotheken-Stärkungsgesetz gestreift. Der aktuelle Referentenentwurf sieht nämlich vor, dass auch der Apotheken-Botendienst und der Versandhandel beim für eine Temperaturkontrolle beim Arzneimitteltransport sorgen müssen.

Großhandel fordert Angleichung der Transportanforderungen

Schreiner betonte in der Podiumsdiskussion die Notwendigkeit der Temperaturkontrollen. Aus seiner Sicht sollten sich alle Vertriebsstufen im Arzneimitteltransport an den Good-Distribution Practices (GDP) orientieren. Damit spielt der GEHE-Chef auf die aktuelle Stellungnahme des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) zum Apotheken-Stärkungsgesetz an. Darin fordert der Phagro, dass an pharmazeutische Unternehmer, pharmazeutische Großhändler und Versandapotheken die gleichen regulatorischen als auch vollzugsrechtlichen Maßstäbe beim Arzneimitteltransport gelegt werden sollten. Und zwar auch, wenn Versandapotheken über Logistikdienstleister wie etwa DHL verschicken. Dies würde unter anderem bedeuten, dass Versandapotheken neben der Temperaturkontrolle weitere Dokumentationspflichten hätten sowie eine Risikobewertung für ihre Transporte vorlegen müssten.

Buse: Apotheken-Rezepturen müssen auch nicht GMP-konform sein

Buse scheint mit den Phagro-Forderungen nicht konform zu gehen. „Arzneimitteltransporte müssen wirtschaftlich bleiben“, entgegnete der BVDVA-Chef. Aus seiner Sicht sei die Ausweitung des GDP-Gültigkeitsbereichs nicht verhältnismäßig. So müssten sich Apotheken bei ihren Rezepturen ja auch nicht an die Good-Manufacturing-Practices (GMP) halten, die für pharmazeutische Unternehmen gelten. Bislang hatte sich der BVDVA noch nicht offiziell zu den Transportregelungen im  Apotheken-Stärkungsgesetz geäußert. Auf Nachfrage von DAZ.online wollte der Versender-Verband seine Stellungnahme zum geplanten Gesetz nicht zur Verfügung stellen.


Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


8 Kommentare

Was bei Kostenoptimierung im Gesundheitswesen heraus kommt...

von Armin Heller am 12.05.2019 um 22:32 Uhr

...das kann man sehr gut hier besichtigen: https://www.focus.de/gesundheit/news/hamburg-40-000-tote-pro-jahr-der-kampf-gegen-die-killer-keime_id_9794114.html

Reicht doch wenn nach dem Pareto-Prinzip 80% der Krankenhauspatienten überleben. Da hat man das Kosten-Nutzen-Optimum. Alles was höher liegt wird einfach unverhältnismäßig teuer... #gesundheitzerspahnen

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Transport

von Roland Mückschel am 10.05.2019 um 10:46 Uhr

Ja, ähm, hüstel.....

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Am-Transporte müssen wirtschaftlich sein....

von Pille 62 am 10.05.2019 um 9:17 Uhr

Ja nee ist klar, als was unwirtschaftlich ist, bitte adressieren an die Apotheke Vorort, dafür gibt es dann doch kostenpflichtige Dienstleistungen zu Niedrigstpreisen, vor denen dann Herr Spahn in der Tageschau als Abzocke warnt.
Führt dann dazu, das wir dann Vorort auch noch als Abzocker dastehen.
Das ist dann nur natürlich ein System , das es im Sinne vor allem ausländischer Versender zu reformieren gilt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Am-Transporte müssen wirtschaftlich sein....

von Pille 62 am 10.05.2019 um 9:17 Uhr

Ja nee ist klar, als was unwirtschaftlich ist, bitte adressieren an die Apotheke Vorort, dafür gibt es dann doch kostenpflichtige Dienstleistungen zu Niedrigstpreisen, vor denen dann Herr Spahn in der Tageschau als Abzocke warnt.
Führt dann dazu, das wir dann Vorort auch noch als Abzocker dastehen.
Das ist dann nur natürlich ein System , das es im Sinne vor allem ausländischer Versender zu reformieren gilt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Die Achillessehne des Versandhandels ...

von Christian Timme am 10.05.2019 um 5:37 Uhr

ein kleiner Schnitt ... und dieser „Spuk“ ist vorbei und diese RxVV-Debatte inclusive EuGH ... Puff ... weg ... vorbei.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Und die Patientensicherheit?

von Pharmi am 09.05.2019 um 20:58 Uhr

Patientensicherheit schein bei Herrn Buse und seinen Mitgliedern nur eine untergeordnete Rollen zu spielen. Hauptsache die Finanzen passen!

Danke #Spahn für den Verkauf der Gesundheitsversorgung ans Großkapital!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

!

von Anita Peter am 09.05.2019 um 19:59 Uhr

„Arzneimitteltransporte müssen wirtschaftlich bleiben“

Arzneimitteltransporte haben als aller erstes sicher zu sein und müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
Wenn es für Sie dann wirtschaftlich nicht mehr interessant ist, dann stellen Sie ihr Geschäftsmodell ein.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Zumindest bei Hrn. ...

von Rolf Lachenmaier am 09.05.2019 um 18:07 Uhr

... Buse hätte ich gedacht, dass er auch Rezepturen herstellt. Aber wenn man zwischen seinen Zeilen liest, scheint ihm das nicht "wirtschaftlich genug" zu sein. Trauriges Statement. Wirtschaftlichkeit beim Transport geht also über individuelle, geprüfte und kompetente Versorgung u.a. von (Klein-)Kindern... zwar sollten Rezepturen den Krankenkassen und der Politik mehr Wert sein, aber das ist ein anderes Thema...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.