Landespharmazierätin Spading

Opioid-Beratung: Weshalb das Selbstverständliche nicht banal ist

Berlin - 08.05.2019, 10:15 Uhr

„Mögen Sie Ihr Medikament?“, Apothekerin und Landespharmazierätin Grit Spading kommt bei Beratungsthemen direkt auf den Punkt. (m / Foto: LAK Brandenburg)

„Mögen Sie Ihr Medikament?“, Apothekerin und Landespharmazierätin Grit Spading kommt bei Beratungsthemen direkt auf den Punkt. (m / Foto: LAK Brandenburg)


Beim Schmerzpflasterwechsel muss das alte runter – logisch, oder? Offenbar nicht für alle Schmerzpatienten. Auf der Fortbildung der Landesapothekerkammer Brandenburg am vergangenen Samstag ermunterte Apothekerin Grit Spading ihre Berufskollegen, die Patientenperspektive einzunehmen. Beispielsweise drehte sich eine der praktischen Übungen um die Handhabung kindersicher verpackter Betäubungsmittel. Denn das potenteste Analgetikum ist nutzlos, wenn es im Packmittel verbleibt.

„Wenden Sie Ihr Arzneimittel richtig an?“ – die wahrscheinliche, da sozial erwünschte Antwort lautet, „ja“. Wirkungsvoller sei es jedoch, sich vom Patienten zeigen zu lassen, wie er sein Medikament konkret anwende, betonte Apothekerin Grit Spading am vergangenen Samstag in Potsdam. Auf der Fortbildung „Schmerzfrei durch Opioide? – Nur wenn die Beratung stimmt“ der Landesapothekerkammer Brandenburg führte die Landespharmazierätin von Schleswig-Holstein durch die typischen Fallstricke der Opioid-Langezeitbehandlung.

Pflaster richtig kleben

Bei der Beratung sollten sich Pharmazeuten nicht scheuen, auch bei Folgerezepten vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu thematisieren. So sei es vereinzelt vorgekommen, dass Patienten mehrere Schmerzpflaster auf der Haut trugen, weil sie beim Pflasterwechsel das vorherige nicht entfernt hatten. Auch lohne es sich zu erklären, dass die Transdermalen Therapeutischen Systeme zwar auf die unbehaarte Haut geklebt werden sollten, diese aber zuvor nicht rasiert werden sollte. Denn beim Rasieren entstünden Mikrorisse, durch die größere Wirkstoffmengen ins Blut gelangten als vorgesehen, erklärte Spading.

BtM-Arzneiformen: Erst üben, dann vorführen

Außerdem empfahl die Apothekerin, den Patienten am HV-Tisch konkret zu zeigen, wie die Pflaster oder andere Arzneiformen der Opioide anzuwenden seien. Demonstrationen seien oft effektiver als lange mündliche Erklärungen. „Menschen sind Nachahmer“, betonte Spading. Viele Schmerzmittel-Firmen liefern für diese Zwecke wirkstofffreie Demonstrationsmuster. Optimalerweise übt man zuvor selbst, denn die Kindersicherung der Betäubungsmittel stellt nicht nur ältere Menschen mit Arthritis vor motorische Herausforderungen.

Erklärungsbedürftig sei auch die vermeintlich banale Tablettenentnahme aus Blistern – so seien die meisten festen Opioid-Arzneiformen in sogenannte Joghurtdeckel-Blister verpackt, die sich nur durch Abziehen der Folie, nicht aber durch das gewohnte Herausdrücken der Tabletten knacken lassen. Bei motorisch beeinträchtigten Personen sollten Apotheker auch an Blisteröffnungshilfen denken. Aber auch andere Arzneiformen seien nicht trivial: So lasse sich beispielsweise das Fentanyl-Nasenspray PecFent® nur dann aus dem Plastiketui nehmen, wenn man genau wisse wie.

LAK Brandenburg
Nur wenn der Patient weiß, wie er die Plastikschale zu entsichern hat, kann das Fentanyl-Nasenspray gegen akute Durchbruchschmerzen helfen.


Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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