VdPP zum Entwurf der Apotheken-Reform

Vor-Ort-Apotheke als kompetente Lotsin im Gesundheitssystem

Berlin - 26.04.2019, 09:00 Uhr

Die Apotheke der Zukunft muss nach Auffassung des VdPP vernetzt arbeiten und als Lotsin aktiv werden. ( r / Foto: Schelbert)

Die Apotheke der Zukunft muss nach Auffassung des VdPP vernetzt arbeiten und als Lotsin aktiv werden. ( r / Foto: Schelbert)


Der Referentenentwurf zum Apotheken-Stärkungsgesetz sorgt für lebhafte Diskussionen – das findet der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) grundsätzlich gut. Allerdings fürchtet er, dass für eine patientengerechte Versorgung wirklich entscheidende Fragen untergehen könnten. Zudem fordert der Verein erneut „ein Verbot des Rx-Versandhandels ohne Hintertürchen“.

Der erste Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken sorgt für hitzige Diskussionen. Mehr als die Hälfte der ABDA-Mitgliedsorganisationen hat er so erzürnt, dass sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt haben, die am 2. Mai auch stattfinden wird.

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Nun hat sich auch ein kleinerer Verband mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. Der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) begrüßt zwar die „lebhafte Diskussion“. Zugleich befürchtet er aber, „dass die entscheidenden Herausforderungen einer patientengerechteren Arzneimittelversorgung im Vorschlagsgestrüpp eines ‚Wünsch-Dir-was‘ untergehen“.

Aus Sicht des VdPP sind drei Aspekte von besonderer Bedeutung. Im Hinblick auf die eigentlich verfolgte Gleichpreisigkeit fordert der Verband erneut das Rx-Versandhandelsverbot – und zwar „ohne Hintertürchen“. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist dafür bekanntlich nicht zu haben. Er will stattdessen die Einhaltung des Preisrechts zum Gegenstand des Rahmenvertrags machen. Wer dagegen verstößt, wird sanktioniert. Der VdPP meint: Mit diesem Ansatz werde „wahrscheinlich“ ein weiterer Zugriff durch den Europäischen Gerichtshof erschwert. Aber dann seien auch entsprechende Maßnahmen für Privatversicherte und Selbstzahler zwingend erforderlich. Der Verband mahnt: „Stellen wir uns sonst schwerkranke Privatversicherte oder z.B. Frauen als Selbstzahlerinnen ihrer Antibabypille vor, die einem Preiskampf um die besten Boni-Angebote ausgesetzt sind!“

Was die geplanten neuen pharmazeutischen Dienstleistungen betrifft, müssen sich diese aus VdPP-Sicht „unmittelbar und nachvollziehbar“ aus dem gesetzlichen Versorgungsauftrag der Apotheken herleiten lassen. Dabei sollte die fortlaufende Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) eine zentrale Rolle spielen. Und: Die spezifisch pharmazeutischen Handlungsoptionen müssten mit ärztlichen und pflegerischen Kompetenzen zusammengeführt werden, um ein abgestimmtes Medikationsmanagement umsetzen zu können. Daran seien auch Patientenorganisationen zu beteiligen. Für alle neuen Dienstleistungen aus der Apotheke müsse ihr patientenorientierter Nutzen belegt sein, fordert der Verband. Sie müssten zudem im Einvernehmen mit den anderen Versorgungspartnern implementiert und wissenschaftlich evaluiert werden.

Nicht zuletzt ist der VdPP überzeugt, dass die „Apotheke der Zukunft“ nur als „Netzwerkerin in regionalen gesundheitlichen Verbünden“ eine Perspektive haben kann. Nur kooperative multiprofessionelle Arbeitsstrukturen ermöglichten eine ganzheitliche Versorgungs- und Beratungsqualität. Die „Vor-Ort-Apotheke“ müsse dabei mit ihrer Kompetenz als Lotsin und Zubringerin ins Gesundheitssystem aktiv werden und ihre niedrigschwellige Erreichbarkeit nutzen, die den Menschen vertraut ist. Als integraler Bestandteil wohnortnaher gesundheitlicher Versorgungs- und Betreuungszentren könne sie helfen, Hürden und Brüche in der Versorgungskette zu überwinden.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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