Kooperation mit lokalen Händlern

Australien: Google-Tochter Wing startet Drohnenlieferdienst – auch mit einer Apotheke

Stuttgart - 16.04.2019, 07:00 Uhr

Der Drohnenlieferdienst Wing liefert auch Arzneimittel. (m / Foto: Screenshot wing.com)

Der Drohnenlieferdienst Wing liefert auch Arzneimittel. (m / Foto: Screenshot wing.com)


Berichten australischer Medien zufolge sollen Einwohner von manchen Vororten der australischen Hauptstadt Canberra seit Ende vergangener Woche Googles Drohnenlieferdienst Wing nutzen können. Im Angebot sind zum Beispiel Backwaren, Schokolade, Golf-Equipment und OTC-Arzneimittel. Denn unter den lokalen Händlern, mit denen Wing kooperiert, ist auch eine Apotheke.

Etwa 100 Haushalte in drei Vororten von Australiens Hauptstadt Canberra können sich seit Ende der vergangenen Woche bestimmte Artikel per Drohne liefern lassen, zwei weitere sollen in den nächsten Monaten dazukommen. Dahinter steckt australischen Medien zufolge die Google-Tochter Wing, die kürzlich von der zuständigen Luftfahrtbehörde die Genehmigung für den Dienst erhalten hat – die erste reguläre Erlaubnis. Bereits seit Jahren wurde getestet, in den letzten eineinhalb Jahren sollen in diesem Rahmen über 3.000 Produkte ausgeliefert worden sein. Google arbeitet dabei mit lokalen Unternehmen zusammen: Dabei sind zum Beispiel ein Bäcker, eine Eisdiele, ein Schokoladen-Laden, ein Geschäft, das Golf-Equipment vertreibt, und eine Apothekenkette – nämlich Capital Chemist. Wings Australien-Chef Terrance Bouldin-Johnson preist den Service folgendermaßen an: „Ob Sie Eltern sind, die ein krankes Kind zuhause haben, und das Paracetamol ausgegangen ist, berufsbedingt vielbeschäftigt sind und beim Wocheneinkauf das Brot vergessen haben oder einfach nur den morgendlichen Kaffee bestellen möchten, ohne den Stress, zum Café fahren zu müssen – Wing hat sich mit lokalen Händlern zusammengetan, um Kunden die Möglichkeit zu bieten, eine Reihe von Waren innerhalb kürzester Zeit geliefert zu bekommen.“

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Bedenken wegen Lärm und Privatsphäre

Vorbehaltlose Zustimmung gibt es allerdings nicht. So hatte im Vorfeld ein sechsmonatiger Feldversuch im südlich von Canberra gelegenen Ort Bonython für heftige Diskussionen gesorgt. Bedenken hinsichtlich Lärmschutz, Privatsphäre und fehlender Regulierung führten zu einer Untersuchung durch den Legislativrat des Bundesstaates. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass es mit den Drohnen keine größeren Zwischenfälle gegeben habe, allerdings wurde klar, dass es große Unsicherheiten bezüglich des Lärmschutzes gibt. 

Die lokale Regierung sowie die Luftfahrtbehörden erklärten sich für die Überwachung von Drohnenlärm nicht zuständig. Wing hat nun ein leiseres Modell vorgestellt, mit dem es hofft, die Bedenken der Gemeinde besänftigen zu können. Außerdem dürfen die Drohnen den Berichten zufolge nicht über Menschenmengen fliegen und keine Artikel vor 7 Uhr morgens ausliefern, am Wochenende nicht vor 8 Uhr. Die Genehmigung der Luftfahrtbehörde sieht außerdem vor, dass die Drohnen nicht länger als zwölf Stunden täglich fliegen. Außerdem wird wohl weiterhin ein Mensch die Drohne steuern.

Drohnen für die Arzneimittellieferung in Deutschland

Im Frühjahr 2019 will Wing laut der Website seinen Service auch in Finnland anbieten, erstmalig in Europa. Und auch in Deutschland wird an Drohnen für die Arzneimittellieferung geforscht. In den nächsten Monaten soll im Studiengang Logistik und Luftverkehrsmanagement an der Hochschule Anhalt in Bernburg ein Konzept für Arzneimittellieferungen an Patienten per Drohne entwickelt werden. Das Bundesinnenministerium trägt die Schirmherrschaft des Projektes.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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