Als Schmelztablette

„Einnahme ohne Wasser“: Neue Darreichungsform für Hoggar Night

Stuttgart - 15.04.2019, 15:00 Uhr

Hoggar Night gibt es nun als Schmelztabletten. (m / Foto: Stada)

Hoggar Night gibt es nun als Schmelztabletten. (m / Foto: Stada)


Ab dem heutigen Montag soll die neue Variante von Hoggar Night in den Apotheken erhältlich sein – eine Schmelztablette. Stada bewirbt die neue Darreichungsform damit, dass nun eine Anwendung ohne Wasser möglich sei und sie sich bei Schluckbeschwerden eigne.

Einnahme ohne Wasser möglich, Erdbeer-Rhabarber-Geschmack und lactosefrei – das sind die Hauptunterschiede zwischen Stadas neuer Hoggar® Night Schmelztablette und den klassischen Hoggar® Night Tabletten. Die neue Darreichungsform soll ab 15. April in den Apotheken zu haben sein. In der Lauer-Taxe sind sie seit diesem Datum gelistet. Die Schmelztabletten sind wie die bisherige Version in Packungen à 10 und 20 Stück zu haben, der Listenpreis liegt leicht über dem der klassischen Tabletten: für 10 Stück 7,97 Euro (Tabletten: 7,49 Euro) und 20 Stück für 13,99 Euro (Tabletten: 12,97 Euro). Stada will damit laut eigener Aussage Menschen mit akuten Schlafstörungen erreichen, „die eine Vereinfachung bei der Einnahme suchen“. Die Firma bewirbt das Präparat als „eine kurzfristige Alternative in unterschiedlichen Lebenslagen.“ 

Vielflieger, Geschäftsreisende oder Berufstätige müssten ab sofort kein Wasserglas mehr zur Hand haben, heißt es. Stada verspricht: Ein Wirkeintritt sei innerhalb von 30 Minuten schon ab der ersten Anwendung möglich. Außerdem zielt man in der Kommunikation auf Personen mit Schluckbeschwerden ab. Neben 25 mg Doxylaminsuccinat enthält eine Tablette Mannitol, Maisstärke, mikrokristalline Cellulose, Betadex, Na-stearylfumarat, Crospovidon (Typ B), hochdisperses Siliciumdioxid, Sucralose, Erdbeer-Aroma und Rhabarber-Vanille-Aroma.

Maximal zwei Wochen

Den Beratungsbedarf in der Apotheke dürfte die neue Darreichungsform eher erhöhen – schließlich sind Schmelztabletten, die man auf der Zunge zergehen lässt, erklärungsbedürftiger als herkömmliche Tabletten, zum Beispiel was die Entnahme aus dem Blister angeht. Dazu kommen die anderen Hinweise, die in der Apotheke bei der Abgabe doxylaminhaltiger Arzneimittel nicht fehlen dürfen, zum Beispiel: „Nur zur kurzzeitigen Anwendung!“ Kurzzeitig bedeutet in diesem Fall maximal zwei Wochen. So schrieb auch Stiftung Warentest im vergangenen Jahr, dass Antihistaminika – wie Doxylamin – maximal zwei Wochen angewendet werden sollten. Der Körper könne sich an die Substanzen gewöhnen, sodass sie nicht mehr ausreichend wirkten, hieß es. Grundsätzlich war das Magazin aber der Meinung, dass „günstige Effekte“ auf das Schlafen belegt und Nutzen und Risiken einer Selbstbehandlung ohne ärztlichen Rat ausreichend geklärt seien. 

Wie wirkt Doxylamin?

Doxylamin ist ein Antihistaminikum der 1.Generation. Der ursprünglich als Antiallergikum entwickelte Wirkstoff passiert die Blut-Hirn-Schranke und bindet im zentralen Nervensystem an H1-Rezeptoren. Dadurch blockiert er die Wirkung von Histamin, ruft also einen zentral dämpfenden Effekt hervor und wirkt so schlaffördernd.

Um einen möglichen Hangover-Effekt und damit verbundene Beeinträchtigungen des Reaktionsvermögens am nächsten Morgen zu vermeiden, ist eine ausreichende Schlafdauer – mindestens acht Stunden – zu empfehlen. Aufgrund des ausgeprägten anticholinergen Effektes wird Doxylamin für geriatrische Patienten nicht empfohlen. Für Kinder wurde Doxylamin kürzlich der Verschreibungspflicht unterstellt. 

Neben dem Einsatz als Schlafmittel wird Doxylamin als Antiemetikum zusammen mit Pyridoxin (Vitamin B6) gegen Schwangerschaftsübelkeit eingenommen, in Deutschland ist es hierfür allerdings nicht zugelassen. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt circa zehn Stunden, die Wirkdauer liegt zwischen drei und sechs Stunden. 

Auch Stada weist in der Mitteilung zum Launch auf die kurzfristige Anwendung hin. Dort heißt es: „Grundsätzlich gilt: Schlafmittel sollten immer nur kurzfristig (maximal zwei Wochen) eingenommen werden. Denn sie lindern nur die Symptome, wirken aber nicht auf die Ursache ein.“


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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