Regierungspräsidium Tübingen warnt

Nahrungsergänzung „Rammbock“ enthält Sildenafil

Tübingen / Stuttgart - 12.04.2019, 10:45 Uhr

Die Webseite ist im Wartungsmodus, doch Googles Bildersuche fördert zwischen den Warnungen noch einiges zutage. (m / Foto: Screenshot google.com)

Die Webseite ist im Wartungsmodus, doch Googles Bildersuche fördert zwischen den Warnungen noch einiges zutage. (m / Foto: Screenshot google.com)


Das Regierungspräsidium Tübingen warnt vor „Rammbock“ – einem als „rein natürlich“ deklarierten Potenzmittel. Die Hersteller von Rammbock haben bei ihrem Nahrungsergänzungsmittel bei der „Natürlichkeit“ allerdings etwas nachgeholfen: mit dem Viagra-Wirkstoff Sildenafil.

Wer „Rammbock“ zu Hause hat, soll das Nahrungsergänzungsmittel (NEM) über den Hausmüll entsorgen. Das rät das Regierungspräsidium (RP) Tübingen. Denn das als „rein natürlich“ beworbene NEM „Rammbock" ist nach Angaben des RPs nicht ganz so natürlich, wie der Hersteller seine Kunden glauben macht. „Das Produkt enthält entgegen den angegebenen Inhaltsstoffen den Wirkstoff ,Sildenafil', der zur Behandlung von Erektionsstörungen des Mannes eingesetzt wird und der nur nach vorheriger ärztlicher Verordnung eingenommen werden darf", erklärt das Regierungspräsidium in einer Mitteilung.

Mehr zum Thema

Darüber hinaus sei Sildenafil „in einer erhöhten Dosierung" festgestellt worden, was zu erheblichen „gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen und schlimmstenfalls tödliche Wirkung haben“ könne. Im Gespräch mit DAZ.online erklärte ein Sprecher des Präsidiums, dass ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren läuft, und der Gesamtüberblick über die jeweils enthaltenen Menge an Sildenafil derzeit noch nicht gesichert ist. In einzelne Produkten seien jedoch bis zu 105 mg Sildenafil nachgewiesen worden.

Die Maximaldosis für Sildenafil liegt bei 100 mg. Die Fachinformationen warnen:  „Die empfohlene Maximaldosis beträgt 100 mg. Die Einnahme darf nicht häufiger als einmal täglich erfolgen.“

Über Internet und Wettbüros vertrieben

Nach Angaben des Regierungspräsidiums wurde „Rammbock" über das Internet und über Wettbüros vertrieben. Bei Nahrungsergänzungsmitteln zur Potenzsteigerung gibt es immer wieder schwarze Schafe, die der potenzfördernden Wirkung mit Phosphodiesterase-Inhibitoren wie Sildenafil oder Tadalafil auf die Sprünge helfen. Beliebt für Manipulationen im NEM-Markt sind auch Abnehmpräparate, die mit undeklariertem Sibutramin die Pfunde schneller purzeln lassen sollen. Erst jüngst hatte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA angekündigt, Nahrungesergänzungsmittel in den Vereinigten Staaten nun rigoroser regulieren zu wollen.

Die Homepage von „Rammbock" ist mittlerweile nicht mehr erreichbar: „Der Wartungsmodus ist eingeschaltet“, wird hier erklärt. Bleibt zu hoffen, dass die Wartungsarbeiten sich auch auf ihr Produkt beziehen.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Nicht deklarierte Inhaltsstoffe in einem Nahrungsergänzungmittel

Der Fall Dorovit®

Hinweise auf positive Effekte bei Arthrose und entzündlichen Darmerkrankungen

Gelbwurz und Weihrauch – was steckt dahinter?

BfR-Höchstmengenempfehlungen (Teil 1)

Nahrungsergänzungsmittel: Welche, wann und für wen? 

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.