Krebstherapie

Methadon entzaubert!?

Stuttgart - 11.04.2019, 09:00 Uhr

Wirkt Methadon bei  Krebs oder nicht? (Foto: M.Rode-Foto
                                        
                                                    / stock.adobe.com)

Wirkt Methadon bei  Krebs oder nicht? (Foto: M.Rode-Foto / stock.adobe.com)


Anfang April sorgte eine Pressemitteilung der Universität Leipzig mit dem Titel „Methadon bei Therapie von Hirntumoren unwirksam“ für ein besonderes mediales Echo. Haben sich unzählige Patienten und ihre Angehörigen falschen Hoffnungen hingegeben? Ein Blick hinter die Kulissen verrät, dass diese Frage einfach immer noch nicht zu beantworten ist.

Wer aufgrund der Schlagzeile der Leipziger Pressemeldung gehofft hat, dass nun endlich klinische Studien Licht in den undurchsichtigen Streit um das wirkungsverstärkende Potenzial von Methadon gebracht haben, wurde enttäuscht. Anlass für die Meldung war ein weiterer Zellkulturversuch auf Basis von Glioblastomzellen von sechs Patienten. Den Tumorzellkulturen waren Zellkulturen gesunder Fibroblastenzellen der gleichen Patienten als Kontrolle gegenübergestellt worden. Die Zellen waren mit Bestrahlung (4 Gy) und/oder Temozolomid (200 μM) und mit verschiedenen Methadon-Konzentrationen (1 μM, 5 μM, 10 μM und 30 μM) behandelt worden. Die Überlebensfähigkeit wurde mithilfe einer ATP-Messung in Zelllysaten und der Dehydrogenase-Aktivität in lebenden Zellen ermittelt. Als 100 Prozent Lebendzellanteil wurde die Zahl der unbehandelten Zellen bestimmt. Temozolomid und Bestrahlung gelten als Standardtherapie von Glioblastomen. Mit der aufsteigenden Methadon-Konzentration sollte geprüft werden, ob Methadon die Wirkung dieser Standardtherapie verstärken kann. 

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„Standardbehandlung wirkt, durch Methadon wird kein Zugewinn erzielt “

Das Ergebnis fasst Prof. Dr. Frank Gaunitz, Studienleiter und Professor für Biochemie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig wie folgt zusammen: „Unsere Resultate zeigen, dass die Standardbehandlung wirksam ist, aber durch Methadon kein Zugewinn erzielt wird. Es dürfte auch nichts nützen, wenn ein Patient nur Methadon nimmt. Das würde erst in Konzentrationen wirken, die für den Körper tödlich sind“. Und weiter: „Zudem konnten wir die Arbeiten von anderen Forschergruppen bestätigen, dass manche Tumorzellen bei niedrigen Methadon-Konzentrationen sogar schneller wachsen.“ Darüber hinaus wird in der Pressemeldung darauf verwiesen, dass auch die gesunden Zellen, also die als Kontrolle herangezogenen Fibroblasten, im Experiment unter Methadon-Dosierungen zerstört würden, bei denen auch Krebszellen absterben. Gaunitz rät Patienten daher von einer „Selbstmedikation“ durch Methadon ab. Und er warnt: „Sollten Vorerkrankungen vorliegen, etwa eine geschädigte Leber, könne es schnell tödlich enden.“



Dr. Doris Uhl (du), Apothekerin
Chefredaktion DAZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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1 Kommentar

Inhaltliche Auseinandersetzung

von Katrin am 15.04.2019 um 9:39 Uhr

Ich weiß ja nicht, welche Wege Herr Gaunitz kennt, aber eine Selbstmedikation mit Methadon ist in Deutschland nicht möglich. Zumindest auf legalem Wege. Daher ist eine Warnung davor absolut unnötig. Methadon wird von einem Arzt per Betäubungsmittelrezept verschrieben. Diese werden von der Bundesopiumstelle kontrolliert ausgegeben. Zum Rezept des Arztes gehört auch eine Angabe zur Einnahme. Die Apotheke bereitet das Schmerzmittel/Opiod dann zu und gibt es gegen Vorlage des BTM-Rezeptes aus. Dies wird penibel in der Apotheke dokumentiert. Es besteht also absolut keine Möglichkeit auf legalem Wege an Methadon zur Selbstmedikation zu gelangen. Selbst wenn ein Patient Methadon über den beschriebenen Weg erhält und sich nicht an die Dosierung hält, sondern diese bspw. verdoppelt, so fällt dies dem Arzt spätestens bei der Folgeverschreibung auf, wenn er schon nach zwei anstatt nach vier Wochen nach einem neuen Rezept fragt.

Unabhängig davon wäre eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Studie interessant für den Leser gewesen. Ich habe deutliche Kritik an Studiendesign und Durchführung gelesen, was darauf schließen lassen könnte, dass die Ergebnisse nutzlos, nicht verwertbar sind. Da geht es zum Beispiel um den zeitlichen Versatz der Gabe von Methadon und Bestrahlung von mehreren Tagen. Oder es wird angeführt, dass eine unüblich geringe Dosierung von Temozolomid gewählt wurde und auch nur diese eine. Keine weiteren Dosierungen oder Messzeitpunkt, was auch unüblich ist.

Das wären wesentlich interessante Punkte zur Klärung gewesen als eine absolut unsinnige Warnung vor einer Selbstmedikation.

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