Interview Dietrich Monstadt (CDU)

„Viele Apotheker haben kein Verständnis für das Agieren der Standesspitze“

Berlin - 05.04.2019, 17:50 Uhr

Der CDU-Politiker Dietrich Monstadt wundert sich, dass die ABDA das Rx-Versandverbot fallen lässt. (Foto: imago)

Der CDU-Politiker Dietrich Monstadt wundert sich, dass die ABDA das Rx-Versandverbot fallen lässt. (Foto: imago)


Das Rx-Versandverbot lebt nicht mehr – weder in der Politik noch in der Apothekerschaft. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) klarstellte, dass es ein Verbot mit ihm nicht gebe, ist auch die ABDA per einstimmigen Beschluss davon abgerückt. In der Unionsfraktion gab es aber bis zuletzt Unterstützer für das Rx-Versandverbot, einer von ihnen ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt. Im Interview mit DAZ.online lässt er erkennen, dass er sich über die Entscheidung der Apotheker sehr wundert.

Bis zuletzt hatten viele Politiker aus CDU und CSU für das Rx-Versandverbot gekämpft. Nachdem es den Unionsparteien gelungen war, das Verbot in den Koalitionsvertrag schreiben zu lassen, fühlten sich viele schon auf der sicheren Seite. Doch dann kam Jens Spahn. Der neue Bundesgesundheitsminister stellte schnell klar, dass er das Verbot aus juristischen und politischen Gründen nicht wolle. In einem Kompromiss mit seiner eigenen Fraktion entstand schließlich die jetzt vorliegende Lösung: Der Rx-Versand bleibt erhalten, dafür soll im SGB V aber ein striktes Rx-Boni-Verbot für alle Marktteilnehmer festgehalten werden.

Auch die ABDA sah diesen Politikwechsel und setzte neue Prioritäten: Am 17. Januar beschloss die Mitgliederversammlung, dass man das Rx-Versandverbot hinten anstellen würde, wenn es der Koalition gelingt, die Gleichpreisigkeit wiederherzustellen. Auch der Gesamtvorstand beschloss zuletzt einstimmig, dass man mit der Koalition weiter gemeinsam an dem neuen Reform-Paket arbeiten wolle – ohne das Rx-Versandverbot zu fordern.

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Monstadt kämpfte vehement für das Verbot

Einer der Politiker, die das Verbot am vehementesten einforderten, ist Dietrich Monstadt. Der CDU-Politiker kommt aus einer der Gegenden Deutschlands, über die man spricht, wenn es um Themen wie Ärztemangel, Abstände zur nächsten Apotheke oder Internet-Anbindung geht. Flächenmäßig ist sein Wahlkreis Schwerin-Ludwigslust-Parchim-Nordwestmecklenburg einer der größten in Deutschland. Im Interview mit DAZ.online lässt Monstadt nun erkennen, dass er mit dem Politikwechsel bei der ABDA nicht nur zufrieden ist.

DAZ.online: Herr Monstadt, Sie kommen aus einer sehr ländlichen Gegend in Mecklenburg-Vorpommern. Sie haben sich in den vergangenen Monaten für den Erhalt der Apotheke vor Ort stark gemacht und forderten das Rx-Versandverbot. Nun ist nicht nur die Politik, sondern auch die ABDA, von diesem Vorschlag abgerückt. Fühlen Sie sich allein gelassen von den Apothekern?

Monstadt: Von allein gelassen kann man nicht sprechen. Auch in meiner Partei und in der CSU sehe ich viele Kollegen, die weiterhin davon überzeugt sind, dass man die Apotheke vor Ort am besten mit dem Rx-Versandverbot schützen kann. Aber ich sehe auch, dass es sich bei der ABDA um einen einstimmigen Beschluss handelte, vom Rx-Versandverbot abzurücken. Deswegen werde ich nicht weiter darum kämpfen. Die Betroffenen werden schon am besten wissen, was sie brauchen und was nicht.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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11 Kommentare

Totgesagte leben länger

von Sargnagel am 08.04.2019 um 9:40 Uhr

Gestorben ist in der Apothekerschaft gar nichts, aber auch rein gar nichts!! Wir kämpfen für das RxVV und dies im Sinne aller Patienten und des gesamten Berufsstandes für eine Vor-Ort-Versorgung und zum Erhalt zigtausender Arbeitsplätze. Es gibt nur einen Weg und der steht schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag !

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AW: Totgesagte leben länger

von Heiko Barz am 08.04.2019 um 18:16 Uhr

Es ist alles richtig, was Sie sagen. Warum aber Spahn den Koalitionsvertrag missachtet und damit wie schon geschrieben alle CDU Wähler ( zumindest die apothekenbezogenen ) hintergangen hat, ist leider bei seiner Vita zu vordergründig. Dass aber seine Parteigenossen, beim Wissen dieser Umstände, diesen unbremsbaren Karrierewilden nicht in dessen Schranken weisen können, zeigt deren aller politische Unfähigkeit.
Ich habe da aber einen anderen Verdacht. Vielleicht wollen sich, hauptsächlich die „Junge Garde“, nicht mit einem - möglichen Kanzler - verderben hinsichtlich eventueller zukünftiger Pöstchenvergabe. Bei aller demokratischen Illusion so wurde leider schon immer politisch korrumpiert.
Was ist nur damit los, was wir als Demokratie verstehen. Nur weil wir nicht schreiend, mit Schildern bewaffnet, Trillerpfeifen nutzend und Gelbwesten behangenen in Massen vor irgendwelchen Ämtern unseren Unmut bekunden, sind wir noch lange keine unmündigen und zu vernachlässigenden Bürger dritter Wahl!
Wahl, ach ja, hat sich eigentlich der CDU Europa Kandidat Manni Weber schon mal zu der Versandhandelproblematik geäußert? Muß er dabei nicht auch die holländischen konservativen Kräfte berücksichtigen?
Die Seite hake ich also schon mal ab!
Vielleicht sollte man einmal die Meinung von Herrn Mc Allister in Erfahrung bringen.

"Die Betroffenen?"

von Dirk Krüger am 08.04.2019 um 9:15 Uhr

Lieber Herr Rohrer,
Sie schreiben: "Das Rx-Versandverbot lebt nicht mehr – weder in der Politik noch in der Apothekerschaft."
Wer ist "die Apothekerschaft"? Die ABDA ist nicht "die Apothekerschaft", sondern ihre Berufsvertretung, über deren Legitimation und Agieren hier an dieser Stelle schon viele Kolleg*innen geschrieben haben.
Herr Monstadt sagt: "Die Betroffenen werden schon am besten wissen, was sie brauchen und was nicht."
Dass er die Meinung der ABDA als diejenige der gesamten Apothekerschaft versteht, ist aus seiner Sicht logisch. Nur: sie ist falsch. Die ABDA "Mitglieder"versammlung hat mit ihrer 180-Grad-Wende m.E. den größten Fehler in der jüngeren Vergangenheit begangen. Zu Recht löst dies Unverständnis und Kopfschütteln bei den Politikern aus, die sich, so wie "meine" MdB auf Grund intensiver Gespräche für ein Rx-VV eingesetzt haben.

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Apotheker verstehen Politiker - inzwischen zu gut

von Dr. Dr. Georg Engel am 07.04.2019 um 20:32 Uhr

Leider ist das RxVV mit der augenblicklichen Regierung nicht umzusetzen. Sie hätte seit 2016 Zeit genug dazu gehabt. Im Bundestag gab in den vergangenen zwei Jahren es zwei Abstimmungen für ein RxVV, einmal von "Der Linken" und einmal von der "Alternative für Deutschland" initiiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass Herr Monstadt für diese Anträge votiert hat, sondern wohl nicht seinem Gewissen (?) sondern der Fraktionsdisziplin gefolgt ist. Obwohl der Abgeordnete an Weisung ja nicht gebunden sein soll. Die CDU war wohl mal für ein RxVV, aber sie lässt sich auch hier von der SPD am Nasenring durch die Manege führen.

Zur ABDA: Wie lange kann man ein Ziel verfolgen, dass offensichtlich unrealistisch ist? Spahn hat auf der ABDA MV gesagt, dass er, falls er das RxVV umsetzen sollte, für gar nichts anderes mehr Kraft habe. Für Dienstleistungen in Apotheken schon gar nicht. 20.000 Tote jährlich durch Arzneimittelzwischenfälle sind also nicht wichtig. Die Politik verhandelt nicht mit uns.

Herr Monstadt schiebt uns in seinem Interview den schwarzen Peter zu. Das sollten wir uns nicht gefallen lassen und uns nicht auseinanderdividieren lassen. Es liegt nicht an der ABDA, dass es bislang kein RxVV gibt, sondern am Unwillen oder der Unfähigkeit der Regierungskoalition ein RxVV umzusetzen. Herr Monstadt hat Recht: Wir haben die Wahl, demnächst am 26. Mai und dann im Herbst. Sie haben am Tag mehr Kontakte zu Wählern als ein Politiker in seinem ganzen Leben. Nutzen Sie sie.

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Was interessiert mich mein Geschwätz..

von Thomas Kerlag am 07.04.2019 um 18:53 Uhr

Jetzt sind also die Apotheker Mitschuld!
Der macht's sich einfach.
Wie kann Spahn im Alleingang den Koalitionsvertrag missachten.
Ist seine Partei im Sinne von Verträgen wählbar, oder ein Karnevalsverein

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Wen warum wählen

von ratatosk am 07.04.2019 um 9:53 Uhr

Man muß nicht mit der Standesvertretung zufrieden sein, bin es auch nicht, aber eigentlich bräuchten wir Parteien, Abgeordnete und Minister die vertrauenswürdig sind, Da Herr Spahn den eigenen Koalitionsvertrag zum RX Versand gebrochen hat, wurden alle Wähler betrogen ! die in Hinsicht auf dieses Versprechen die CDU gewählt haben, Punkt. Spahn ist auch nicht an der SPD oder der Juristerei gescheitert, was was anderes wäre, er hat einfach mit dem Bruch der Vertrages und Erpressung gearbeitet. CDU als Partei für Recht und Gesetz, Vertrauen, das war einmal. Daß danach Alternativen auftraten war klar und von ihm gewollt, denn dann konnte er ja auch noch sagen, daß die ABDA eh nicht einig sei. Geschickt, aber schäbig, einer seriösen Regierung nicht nötig. Die Niederländer können die deutsche Dummheit und ihr Glück immer noch nicht fassen, Der saudisches Staatsfond hat sich ebenfalls, oh Wunder , durchgesetzt.

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ABDA

von Anita Peter am 05.04.2019 um 18:44 Uhr

Die ABDA ist genauso demokratisch legitimiert wie der EU Kommission.
Und er hat völlig Recht, der größte Sargnagel ist unsere Standesvertratung selbst.

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AW: Zitate ?

von Dr. Ralf Schabik am 05.04.2019 um 23:42 Uhr

Ich glaube, Sie verbiegen die Äußerungen von Herrn Monstadt ganz gewaltig: Weder verwendet er im vorliegenden Text das Wort "Sargnagel", noch ist es sachlich zutreffend, dass die ABDA der größte selbige ist. Bei aller noch so berechtigten Verärgerung über bestimmte Punkte innerhalb der ABDA ist es vollkommen kontraproduktiv, in Foren derartigen Unsinn zu schreiben. Zumal Herr Monstadt ja ganz anders zitiert wird: "Ich kann Ihnen nur den Rat geben, sich selbst standespolitisch zu engagieren und bei Ihren Standesvertretern gegebenenfalls das nächste Mal eine andere Wahl zu treffen.". Schade, dass so viele KollegInnen ihr Engagement mehr an der Tastatur als in den Gremien zum Ausdruck bringen !
Schade übrigens auch, dass es der Apothekerschaft nicht gelingt, ein einheitliches "Wording" zu gebrauchen. Die Leier von "weil genau die als erstes unter den Umsatzrückgängen leiden" ist nämlich in mehrerlei Hinsicht zu kurz gesprungen und sollte eben NICHT in Gesprächen mit Politikern gebraucht werden.
Ich bin sehr froh, dass es Politiker wie Herrn Monstadt und etliche MdB speziell innerhalb der CSU gibt. Aber in Gesprächen räumen auch diese MdB unumwunden ein, dass die Durchsetzung eines RxVV kein Selbstläufer wird und das Risiko der Apothekerschaft, hinterher mit leeren Händen dazustehen, sehr gross ist. Vielleicht viel zu gross ?
Sehr schön beschreibt er "das Ergebnis eines demokratischen Prozesses innerhalb der regierungstragenden Fraktionen". Das Ergebnis kann durchaus deutlich schlechter sein als das, was aktuell auf dem Tisch liegt.

AW: Wer die eigenen „Sargnägel“ hegt und pflegt ...

von Christian Timme am 06.04.2019 um 0:18 Uhr

bekommt auch eine „Dauer-Beerdigung“ dafür ...

AW: Wahl?

von Reinhard Rodiger am 06.04.2019 um 12:23 Uhr

@ Dr Rolf Schabik

Ich kann die ABDA nicht wählen.Sie wird mir vorgesetzt.Das Zustandekommen ist so demokratisch, dass niemand eine echte Chance bekommt.Wie in der Politik.Die Plätze sind gesetzt.Gerade deshalb kann ich dem Treiben nicht umkommentiert zusehen.Es ist schon eigenartig genug, solche Foren benutzen zu müssen, ums überhaupt ( vielleicht) gehört zu werden.Antworten habe ich bei direkter Frage nie bekommen.Es ist doch durchsichtig genug, dass die ABDA eine Politik für die 20-30% der Apotheken macht, die nach ihrer Meinung überlebenswürdig sind.Das Rx-.VV ist eine andere Ausdrucksform für die Sicherung einer breit gefächerten Versorgung, die durch konzernstützende Massnahmen torpediert wird.So ist doch auch die Politik der BAK (Kiefer) überdeutlich, die Apotheken in absehbar defizitäre Tätigkeiten zu treiben.Wie auch in den "Stuttgarter Gesprächen" geäussert wurde, sollen ruhig die verschwinden, die "nicht genug" leisten.Nach den wirtschaftlichen Daten, die meisten.
All das sind Sargnägel- bewusst geschmiedet.Schon vor mehr als 10 Jahren wurde gesagt: 50% sind zuviel.

Also ist dies kein Unsinn, sondern die Beschreibung bitterer Tatsachen.Kontraproduktiv ist das Wegsehen, wie ein Beruf systematisch demontiert wird.Unter demontieren verstehe ich auch das Fehlen sachlicher Unterfütterung des Umfelds und nicht erfolgende Konkretisierung des Nutzens wie das Quantifizieren heutiger Leistungen ( Minderung der Arztkosten,
Fehlervermeidung etc ).

Es ist traurig genug, darauf hingewiesen zu werden, dass die Unterstützung der Führung gänzlich fehlt.Es ist gut, dass das Thema angesprochen wird.
Auch, wenn das RxVV nur ein Symbol für fehlende Unterstützung geworden ist.

Selbstgewähltes Schicksal?

von Rolf Lachenmaier am 05.04.2019 um 18:21 Uhr

zur Info für Hrn. Monstadt: die ABDA ist ein Verband der Verbände. Dieses Konstrukt kann kein Apothekerlein direkt "wählen", obwohl dieses Konstrukt von sich selbst behauptet, es sei die demokratischste Vereinigung aller Vereinigungen. Aber bald ist ja auch das neue ABDA-Häuschen fertig, dann kann Herr Monstadt "vor Ort" nachfragen, wie das denn so mit der Demokratie bei der ABDA bestellt ist.

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