Entwickelt von Fraunhofer-Forschern

Douglas verkauft eigens hergestellte, personalisierte Kosmetika

Remagen / Berlin - 03.04.2019, 13:45 Uhr

Fraunhofer-Forscher haben eine Maschine entwickelt, die in kurzer Zeit personalisierte Kosmetika herstellen kann. Diese werden jetzt in Douglas-Filialen vertrieben. (c / Foto: Fraunhofer IPA/Rainer Bez)

Fraunhofer-Forscher haben eine Maschine entwickelt, die in kurzer Zeit personalisierte Kosmetika herstellen kann. Diese werden jetzt in Douglas-Filialen vertrieben. (c / Foto: Fraunhofer IPA/Rainer Bez)


Frauen, die hochwertige, hautfreundliche Kosmetika bevorzugen, gehen dafür gerne in die Apotheke und lassen sich dort beraten, um die richtige Creme für ihren Hauttyp zu finden. Nun droht diesem Segment neue Konkurrenz. Fraunhofer-Forscher haben eine Maschine entwickelt, mit der personalisierte Gesichtscremes wirtschaftlich und schnell produziert werden können, ganz auf den aktuellen Hautzustand abgestimmt. Diese Kosmetika werden nun in Filialen der Parfümeriekette Douglas vertrieben.

Die passende Gesichtscreme zu finden, ist gar nicht so leicht. Faktoren wie Jahreszeit, Stress, Hormonhaushalt und Alter beeinflussen den Zustand der Haut und machen die Entscheidung in dem riesigen Angebot nicht unbedingt einfacher. Wie aber die richtige Creme für die persönlichen Bedürfnisse finden? Hier ist die Apotheke für Frauen und Männer eine bevorzugte Anlaufstelle, vor allem, wenn diese eine empfindliche Haut oder andere Hautprobleme haben. Nun haben Viktor Balzer und sein Kollege Lars Rüther mit ihrem Unternehmen Skinmade eine personalisierte Tagespflege auf den Markt gebracht. Skinmade ist eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Nach einer Pressemitteilung sollen die Hautcremes im Moment schon in drei Douglas-Filialen in Frankfurt, Hamburg und Sindelfingen erhältlich sein. Bis Ende 2019 soll es die Skinmade Personal Skin Care in allen Großstädten zu kaufen geben.

Sonderanfertigung zum erschwinglichen Preis

Fünf Jahre Forschung steckten in der Entwicklung, heißt es in der Mitteilung, inklusive zahlreicher Tests mit Probanden, ebenso wie das Know-how eines multidisziplinären Teams aus IT-Spezialisten, Ingenieuren, Maschinenbauern, Dermatologen, Pharmazeuten und Biologen. Mit dem neuartigen „Cyberphysischen Produktionssystem“ soll die personalisierte Hautcreme in Massen und zugleich wirtschaftlich hergestellt werden können. „Aus produktionstechnischer Sicht geht es im Prinzip um die Massenfertigung in Losgröße 1, also darum, individuelle Produkte profitabel herzustellen“, erläutert Balzer, Wirtschaftsingenieur am Fraunhofer IPA, die patentierte Idee des Forscherteams. Selbstverständlich verrät er nicht, wie das Patent genau funktioniert, nur so viel, als dass die Abläufe Dosieren, Homogenisieren und Reinigen in einem Prozessschritt zusammengefasst sind. „Daher können wir sehr schnell fertigen“, fasst Balzer zusammen. Ein Tiegel mit 30 ml Skinmade Personal Skincare kostet 40 Euro.

Wie funktioniert die Erhebung des Hauttyps?

Die „Beauty-Minifabrik“, die in den drei Douglas-Filialen steht, ist so groß wie ein Kleiderschrank und beinhaltet eine komplette Produktionsstraße. Dazu gehören Messgeräte, um den Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut zu analysieren, Rohstoffe, Tiegel und Deckel sowie die notwendige Maschinensteuerung. Die Kunden bedienen das Gerät ganz einfach über ein Touchdisplay. Zunächst wird der Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut ermittelt, und zwar an Stirn, Wange und unterhalb des Mundwinkels. Bei dieser Hautanalyse werden Biomarker gemessen, die den aktuellen Hautzustand anzeigen, eine wichtige Säule der Erfindung. Die Hautfeuchtigkeit wird mithilfe der Corneometrie bestimmt und der Gehalt an Oberflächenlipiden mittels Sebumetrie quantifiziert.

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Eine weitere Messung ermittelt die Elastizität der Haut. Selbstlernende Algorithmen und speziell programmierte neuronale Netze werten das Messergebnis aus und berechnen, welche Inhaltsstoffe die personalisierte Creme in welcher Konzentration enthalten soll. Selbst geringste Konzentrationen sollen damit präzise, das heißt, bis zu drei Mikroliter genau, dosiert werden können. Die Trainingsdaten für die dabei genutzte künstliche Intelligenz (KI) haben Balzer und seine Kollegen ebenfalls aufbereitet. Das komplette Cyberphysische Produktionssystem wird durch eine Cloudlösung gesteuert. Soweit zur Technik. Was erlebt die Kundin?



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Das gab es schon mal...

von Christiane Pflug am 03.04.2019 um 18:33 Uhr

in Apotheken - vielleicht gibt es das ja auch noch - jedenfalls war es damals ein Problem, da es ja sowas wie eine Rezeptur ist (was ja in Apotheken eigentlich kein Problem sein sollte, mal von der Prüfung der Ausgangsstoffe abgesehen) - oder eben als Kosmetikum eine Risikobewertung vorgenommen werden sollte - bei jeder "individuellen" Creme. Da es in dem Artikel heißt, das alles der Kosmetikverordnung entspricht, gehe ich mal davon aus, dass die hochindividuelle Creme eine von X-Standardrezepturen sein wird.....

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Salbenpoduktion

von Roland Mückschel am 03.04.2019 um 14:33 Uhr

Respekt, was würde so ein Teil für die Apotheke kosten?
Wäre interessant. Mehr oder weniger als 100000 Euro.
Muss rechnen, das würde sich sicher in weniger als
100 Jahren amortisieren.

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