Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin Wenker

„Apotheker haben das Impfen nicht gelernt“

Berlin - 01.04.2019, 07:00 Uhr

Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker hält nichts von der Idee, dass Apotheker impfen. (Foto: dpa)

Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker hält nichts von der Idee, dass Apotheker impfen. (Foto: dpa)


Der Widerstand der Ärzte gegen Bestrebungen in der Politik, Impfungen in Apotheken durchführen zu lassen, wächst zunehmend. Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker hält nichts davon, Impfungen auch in Apotheken zu ermöglichen. „Apotheker haben Impfen nicht gelernt, Ärzte schon“, sagte die Medizinerin, die für das Amt der Präsidentin der Bundesärztekammer kandidiert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte auf dem westfälisch-lippischen Apothekertag in Münster kürzlich erneut gesagt, dass er sich impfende Apotheker gut vorstellen könnte. Konkret geht es Spahn um Grippeimpfungen. Kurz darauf meldeten sich mehrere Ärztefunktionäre zu Wort und protestierten. Auch Frank-Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, legte Einspruch ein. Der Tenor in der Ärzteschaft: Apotheker verfügen überhaupt nicht über das nötige Wissen, um Impfungen adäquat durchführen zu können.

Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin pflichtet ihren Kollegen bei: Zwar könne man schnell lernen, eine Spritze zu setzen, allerdings könnten nur Ärzte die Impfverantwortung übernehmen. Dies beinhalte unter anderem, aktuelle Erkrankungen festzustellen und Impfreaktionen zu behandeln. „Ich habe auch mit Apothekern darüber gesprochen: Die wollen diese Aufgabe gar nicht übernehmen“, sagte Wenker. Ärztliche Tätigkeiten sollten ausschließlich von Ärzten erbracht werden. „Auch Tattoos dürfen nur von Ärzten entfernt werden.“

Angesichts der gestiegenen Zahl von Masernfällen ist derzeit auch eine Debatte über eine Impfpflicht entbrannt. Eine generelle Impfpflicht hält die Ärztekammer Niedersachsen laut ihrem Sprecher für „nicht realistisch“. Minister Spahn ist für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in Kitas und Schulen. „Aus meiner Sicht macht es bei Gemeinschaftseinrichtungen Sinn“, sagte er kürzlich.


bro / dpa
brohrer@daz.online


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9 Kommentare

Impfen muss nicht nur gelernt sein!

von Andreas Grünebaum am 08.04.2019 um 21:49 Uhr

Impfen zu lernen sollte auch für Arzthelferinnen wie auch Apothekenpersonal kein großes Problem darstellen. Problematisch ist eher, wenn es - wie auch in der ärztlichen Praxis - zu absehbaren Komplikationen kommt. Da ist als erstes ein möglicher Spritzenabszess zu nennen. Während das in der Arztpraxis durchgehen mag - "passiert halt mal, da kann man nichts machen!" - wäre der Aufschrei nach Impfung in der Apotheke verheerend. Die Häufigkeit dieser Komplikation bei i.m. Injektionen wird mit 1:1.000 bis 1:100.000 angegeben. Es ist leicht abzusehen, dass bei Massenimpfungen in der Apotheke solche Zwischenfälle zwingend erwartet werden können.
P.S.: habe selbst im Sanitätsdienst des Heeres geimpft - war bereits vor dem Studium Bestandteil des San II Lehrganges und bei Leibe kein Hexenwerk.

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Mit Befähigung geboren

von Stefan Haydn am 02.04.2019 um 13:35 Uhr

Mir war jetzt neu, dass Ärzte und Helferinnen mit der Fähigkeit zu Impfen geboren werden. Bisher ging ich da von einem Lernprozess aus.
Und lernen können Apothekers allemal.

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AW: Mit Befähigung geboren

von Andreas Grünebaum am 08.04.2019 um 21:54 Uhr

So ist es, aber ich befürchte dass auch in der ärztlichen Praxis vorkommende Komplikationen (z.b. Spritzenabszess), in der Apotheke medial sehr schnell zu einem großen Problem aufgespielt werden könnten. Davon abgesehen ist auch ein angestellter approbierter Apotheker zu gut bezahlt, um Massenimpfungen durchzuführen. Dies ist eher etwas für geschultes Hilfspersonal, welches in der Regel auch die Impfungen in der Arztpraxis oder im Gesundheitsamt "unter Aufsicht des Arztes" durchführt.

Impfen

von Alexander Zeitler am 02.04.2019 um 2:52 Uhr

Sorry: korrektur.
Ist ja die Ärzte-Kammer-Präsidentin.
Die Frage bleibt die gleiche....

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Impfen

von Alexander Zeitler am 02.04.2019 um 2:50 Uhr

Ich selbst muss das nicht auf Teufel komm raus haben/machen.
Und wenn wir das angeblich nicht können, könnten wir es lernen, oder?
Oder was will uns die Ministerin sagen?

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Aprilscherz

von Dr. Schweikert-Wehner am 01.04.2019 um 11:42 Uhr

Freunde: Blutdruck senken. Das war der obligatorische Aprilscherz.
Es sollte natürlich heißen: Apotheker sind unsere kompetenten und kollegialen Partner im Gesundheitswesen.

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Schimpfende Ärzte vs. Impfende Apotheker

von German Herbsman am 01.04.2019 um 10:38 Uhr

Ja, genau! Ich finde, sogar das Tättowieren sollte nur noch von Ärzten durchgeführt werden. Piercen auch. Wie ist es eigentlich mit Haare färben? Nur zu.

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Impfen

von Angela Seegers am 01.04.2019 um 10:19 Uhr

Jetzt plustert sich wieder die Ärztekammer auf. Es sind Funktionäre, die in der täglichen Praxis gar nicht mehr Bescheid wissen. Ärzte impfen selten bis gar nicht. Das macht die MFA und es ist kinderleicht. Egal, was Herr Spahn sagt, erst mal dagegen.

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Entschuldigung?

von Karl Friedrich Müller am 01.04.2019 um 9:59 Uhr

„Apotheker haben das Impfen nicht gelernt“

Das ist ein ausgesprochen blödes Argument.
Die Helferinnen in den Praxen haben es mit der Muttermilch aufgesogen?
Wer ist machen will, wenn es denn erlaubt werden sollte, "lernt" es eben.

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