Gesamtvorstand

ABDA-Konflikt zum Rx-Boni-Verbot spitzt sich zu

Berlin - 28.03.2019, 13:30 Uhr

Der Präsident der Bayerischen Apothekerkammmer, Thomas
Benkert, und der Vorsitzende des Apothekerverbands Westfalen-Lippe, Dr.
Klaus Michels, wollen den neuen Spahn-Plan so nicht umgesetzt wissen. (m / Foto: BLAK | AVWL)

Der Präsident der Bayerischen Apothekerkammmer, Thomas Benkert, und der Vorsitzende des Apothekerverbands Westfalen-Lippe, Dr. Klaus Michels, wollen den neuen Spahn-Plan so nicht umgesetzt wissen. (m / Foto: BLAK | AVWL)


Die 34 Spitzen der Apothekerkammern und –verbände kommen am heutigen Donnerstag bei der ABDA zusammen, um über die neuen Eckpunkte zur Apotheken-Reformierung zu diskutieren. Dabei spitzt sich der Konflikt zwischen den Landesvertretungen und der ABDA weiter zu: Bayerns Kammerpräsident Thomas Benkert kritisierte die ABDA-Spitze vor der Sitzung für ihren Umgang mit dem Spahn-Paket. Und: Ein weiterer großer Apothekerverband ist gegen die neuen Eckpunkte.

In der ABDA-Geschäftsstelle Unter den Linden in Berlin tagt zur Stunde der sogenannte Gesamtvorstand, dem die 34 Spitzen der Landesapothekerkammern und –verbände angehören. Es stehen wichtige Entscheidungen an: Zunächst wollen die Funktionäre über die erneuerten Reform-Eckpunkte aus dem Bundesgesundheitsministerium abstimmen.

Zur Erinnerung: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte in seinem letzten Vorschlag auf den Rx-Boni-Deckel verzichtet und ein komplettes Boni-Verbot aufgenommen, das im SGB V verankert werden soll. Gleichzeitig soll – um dem EU-Vertragsverletzungsverfahren gerecht zu werden – die Preisbindung für EU-Versandapotheken aus dem Arzneimittelgesetz gestrichen werden. Hinzu kommen diverse Honorar-Anpassungen und -verbesserungen für Apotheker, unter anderem sollen erstmals pharmazeutische Dienstleistungen angeboten und vergütet werden.

Widerstand gegen neuen Spahn-Plan wächst

In den Reihen der Apotheker mehrt sich jetzt aber der Widerstand gegen diese Pläne. Die Pharmazeuten wollen das bisherige Rx-Boni-Verbot nicht aus dem AMG streichen lassen. Hinzu kommt die Kritik, dass die von Spahn vorgeschlagene Regelung PKV-Versicherte ganz auslässt: Für sie müsste es dann rein theoretisch Rx-Boni geben können. Mehrere Kammern und Verbände haben die ABDA bereits aufgefordert, in ihren Gesprächen mit der Politik wieder zum Rx-Versandverbot zurückzukehren. Schließlich hatte die ABDA-Mitgliederversammlung im Januar beschlossen, dass man das Verbot automatisch wieder einfordern müsse, wenn die Politik keine Maßnahmen ergreife, die aus Sicht der Apotheker ausreichen, um die Gleichpreisigkeit zu erhalten.

Thomas Benkert, der Präsident der größten Apothekerkammer Deutschlands (Bayern), beschwert sich nun in einem Brief an seine Mitglieder über den Umgang der ABDA-Spitze mit dem neuen Spahn-Plan. Die Bayerische Kammer gehört zu einer der Standesvertretungen, die sich vehement gegen das neue Rx-Boni-Verbot gestellt haben und eine Rückkehr zum Rx-Versandverbot einfordern. Benkert passt es nicht, dass ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und DAV-Chef Fritz Becker kurz nach Bekanntwerden des neuen Eckpunkte-Papiers durchaus positive Worte für den Plan übrig hatten – ohne sich vorher mit dem Rest der ABDA-Mitglieder abzustimmen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

Was für ein . . .

von Uwe Hansmann am 29.03.2019 um 19:06 Uhr

Lieber Klaus Michels, lieber Thomas Benckert,

danke für Euren Einsatz. Ich kann nur hoffen, dass die Berliner Riege doch noch zur Vernunft kommt - sehe aber bei der jetzigen Konstellation wenig Licht am Horizont. Es ist ein Trauerspiel, wie hier der Berufsstand verheizt wird

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Herrn Michels

von Dr.Diefenbach am 29.03.2019 um 12:22 Uhr

...danke ich für seine Worte ,wie immer gelungen!!!!Ich frage mich allerdings bei den wachsenden Widerständen.WANN endlich eine Ablösungsstruktur "oben" in Gang kommt.Die Entfremdung ist ZU weit fortgeschritten.Auch wenn ich dies zT nicht mehr aus der täglichen Praxis betrachte;SO VIEL Diskrepanz war nie.Und dies zehrt so viel Power auf dass für die Logik des Tages weniger Zeit bleibt.Der Bau in Berlin,teilweise aufgebaute Grossmannssucht,die Buckelei und das Artigsein,,es rächt sich.Permanent

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Keine Polizei ... weit und breit ...

von Christian Timme am 29.03.2019 um 0:50 Uhr

Klaus Michels ist es mit wenigen Sätzen gelungen Schmidt und Becker zu „fixieren“. Die beiden vorgenannten Herren wurden nicht nur „erinnert“ sondern auch noch „erlöst“ ... jetzt fehlt nur noch der Entzug der Fahrerlaubnis ...

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