Gleichpreisigkeit, Botendienste, Honorar

ABDA: Keine Rückkehr zum Rx-Versandverbot und Änderungen am Spahn-Plan

Berlin - 28.03.2019, 17:15 Uhr

Der ABDA-Gesamtvorstand hat sich dafür ausgesprochen, sich einige Änderungen am Spahn-Plan zu wünschen, aber nicht zum Rx-Versandverbot zurückzukehren. (Foto: bro/DAZ.online)

Der ABDA-Gesamtvorstand hat sich dafür ausgesprochen, sich einige Änderungen am Spahn-Plan zu wünschen, aber nicht zum Rx-Versandverbot zurückzukehren. (Foto: bro/DAZ.online)


Die ABDA ist mit den von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgelegten Reform-Punkten für den Apothekenmarkt nur bedingt zufrieden. In einer Pressemitteilung stimmt man zwar versöhnliche Töne an. Der ABDA-Gesamtvorstand hat nach Informationen von DAZ.online aber an mehreren Stellen Gesprächsbedarf angemeldet. Konkret soll es um dort vorgesehene Regelungen zum Rx-Boni-Verbot, zu Botendiensten und zum Apothekenhonorar gehen. Eine Rückkehr zum Rx-Versandverbot scheint aber ausgeschlossen.

Die 34 Spitzen der Apothekerkammern und -verbände haben sich am heutigen Donnerstag bei einer Sitzung des Gesamtvorstandes getroffen. Die Obersten der Standesvertretung haben sich unter anderem mit den erneuerten Reform-Eckpunkten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschäftigt. Laut einer ABDA-Mitteilung begrüßt man das Versorgungskonzept offiziell. „Zugleich äußern die Pharmazeuten Kritik und fordern Änderungen“, heißt es in der Mitteilung aber.

In den vergangenen Tagen hatten sich immer mehr Apothekerkammern und -verbände zu Wort gemeldet, um gegen die neuen Pläne des Ministers zu protestieren. Darum geht es: Spahn hatte kürzlich ein neues Papier vorgelegt, in dem nun statt eines Boni-Deckels ein komplettes Rx-Boni-Verbot vorgesehen ist – der einheitliche Apothekenabgabepreis soll ausdrücklich erhalten bleiben. Die Einhaltung der Arzneimittelpreisverordnung soll Gegenstand des Rahmenvertrags werden. Zusätzlich soll es den Kassen verboten werden, Verträge mit EU-Versendern abzuschließen und Patienten zu den Versendern zu „lotsen“. Außerdem sind einige Honorar-Verbesserungen für die Apotheker vorgesehen und eine ganz neue Honorar-Komponente für die Erbringung pharmazeutischer Dienstleistungen.

ABDA: Boni-Verbot muss für PKV gelten

Die Kritik der Apotheker bezog sich auf die vorgesehenen Regelungen zur Gleichpreisigkeit. Denn die Festschreibung des Boni-Verbots im SGB V klammert Privatversicherte komplett aus. Und auch mit der Streichung der Rx-Preisbindung für EU-Versender aus dem Arzneimittelgesetz wollen sich die Kammern und Verbände nicht zufrieden geben. Im Januar hatte die ABDA-Mitgliederversammlung beschlossen, dass man zurückkehre zur Forderung nach dem Rx-Versandverbot, sollte die Politik keine Maßnahmen einleiten, die aus Sicht der Pharmazeuten zur Gleichpreisigkeit führen.

Doch auf diesen Schachzug verzichtet die ABDA nun ganz offensichtlich. „Wir sind froh über das klare Bekenntnis der Bundesregierung zur flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Auch die Stärkung der Patientenrechte durch die Beibehaltung der freien Apothekenwahl bei der Einführung des elektronischen Rezepts ist begrüßenswert. „Es gibt aber auch Punkte, die noch nachgebessert werden müssen. Die Gleichpreisigkeit muss auch für Privatpatienten gelten, die ihre rezeptpflichtigen Medikamente bei ausländischen Versandhändlern bestellen“, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt in einer ABDA-Mitteilung nach der Sitzung.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Schluss mit dem ABDA-Petting ...

von Christian Timme am 29.03.2019 um 1:27 Uhr

Die LAKs sollten sich jetzt mal langsam der Verantwortung für den gesamten Berufsstand bewusst werden und endlich loslegen ... es ist 5 Minuten vor Zwölf.

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AW: Schluss mit dem ABDA-Petting

von Dirk Krüger am 29.03.2019 um 11:57 Uhr

Liebe Kolleginnen und Kollegen, seid realistisch: es ist fünf nach zwölf. Das Rx.VV ist von der ABDA grob fahrlässig aufgegeben worden. Mit der Lauterbach-SPD ist das nicht mehr hinzukriegen. Und mit der am Horizont auftauchenden schwarz-grünen Koalition auch nicht. In der CDU hatte es große Unterstützung für das Verbot gegeben. Weil selbst die ABDA es nicht mehr gefordert hat, sahen die CDU-Politiker auch keine Notwendigkeit mehr, dies zu unterstützen. So sieht unsere Standespoltik aus: "Friendly Fire" hat uns erledigt.

Druck auf ABDA erhöhen

von Frustrierter Apotheker am 28.03.2019 um 22:12 Uhr

Ich denke wir als Apotheker sollten viel mehr Druck bei der ABDA machen. Das geht schon mit kleinen Mitteln und wenig Aufwand. Wenn zum Beispiel jede Apotheke jeden Tag ein Fax an die ABDA schickt, einfach nur Apothekenbriefpapier und mit Großbuchstaben "Wir fordern das RX-Versandverbot", dann wären die 20.000 Faxe pro Tag vielleicht mal ein Zeichen, dass die Apotheker überhaupt nicht mit der Haltung der ABDA einverstanden sind.
Wenn wir nämlich immer schön still halten und unsere Meinung nicht äußern, dann ändert sich auch nichts. Ich war am Sonntag mit meinen Mitarbeitern zur Demo in Berlin. Leider waren halt viel zu wenige dabei und das ist schade. Wenn wir was erreichen wollen dann müssen wir aufstehen und für unsere Anliegen kämpfen. Wir müssen aus unserer passiven Rolle heraus treten und was tun. Das gilt für jeden Einzelnen.

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Unfassbar

von Karl Friedrich Müller am 28.03.2019 um 19:12 Uhr

Dass andauernd unsere Standeszertretung Politik gegen uns macht.
Ab da! Mit Euch!
Müssen wir extra noch gegen die ABDA demonstrieren, bis mal einer aufwacht?
Aber nein, da pennt niemand. Die Politik gegen uns ist volle Absicht!
Wie bringt man diese Leute aus ihren Ämtern?

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Spanns Dauerkampf gegen RXVV

von Heiko Barz am 28.03.2019 um 18:48 Uhr

Wann endlich äußert sich der Herr Spahn zum 15 Jahre andauernden Mißstand der unterlassenen Ausgleichszahlungen für den Lebenshaltungsindex? Die kompletten 8.35 € als Beratungsgebühr sind doch heute nur noch unter 6 € wert. Dagegen aber ist alles betriebswirtschaftlich Relevantes im bekannten Maß gestiegen. Das muß doch auch der Herr Spahn wissen und kann diesen Fakt nicht so einfach unter den Teppich kehren!
ABDA und Verbände, wo bleibt ihr? Wofür bekommt ihr eigentlich euren Lohn??

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AW: Spielgeld der ABDA

von gabriela aures am 28.03.2019 um 20:26 Uhr

Hat die ABDA nicht für alle überraschend satte 300.000 € für ein Daten-Panel einkassiert ?
Dumm nur, daß sogar FS zugeben mußte, er wäre am Ausfüllen gescheitert.

Für „try and error“ ist eigentlich kein Geld mehr da, aber für solche moralischen Spitzfindigkeiten ist man in Berlin eher weniger zugänglich.

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