Professor Ulrich Jaehde beim WLAT

„Medikationsanalyse soll die Kernkompetenz zukünftiger Apotheker sein“

Münster - 25.03.2019, 11:30 Uhr

Professor Ulrich Jaehde (hier beim Zukunftskongress 2018) traut den Apothekern zu, Schrittmacher für AMTS zu sein. (m / Foto: Alois Müller)

Professor Ulrich Jaehde (hier beim Zukunftskongress 2018) traut den Apothekern zu, Schrittmacher für AMTS zu sein. (m / Foto: Alois Müller)


Medikationsanalyse wirkt! Das zeigen eindrucksvoll die Daten einer Studie, die von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Kooperation mit der AOK Nordwest und der Uni Bonn durchgeführt wird. Professor Ulrich Jaehde stellte die neuesten Ergebnisse am vergangenen Wochenende auf dem Westfälisch-lippischen Apothekertag (WLAT) in Münster vor. Zuvor präsentierte die Kammer einen kurzen Erklärfilm zur Medikationsanalyse.

„Die Medikationsanalyse soll die Kernkompetenz zukünftiger Apotheker sein, dafür muss sie aber auch an den Universitäten gelehrt und auch geübt werden“, das war eine der Thesen, die Professor Ulrich Jaehde aus Bonn nach seinem Vortrag beim Westfälisch-lippischen Apothekertag in Münster zur Diskussion stellte. Denn Medikationsanalysen in der Apotheke erhöhten die AMTS und verbesserten die Arzneimittelversorgung, schließlich seien Apotheker und Apothekerinnen die letzte Instanz, bevor das Arzneimittel den Patienten erreicht, so Jahede. Dass Medikationsanalysen die AMTS erwiesenermaßen erhöhen, hatte der Pharmazeut zuvor eindrucksvoll dargelegt. 

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Er hatte Daten aus der 3A-Studie präsentiert, die von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Kooperation mit der AOK Nordwest und der Uni Bonn durchgeführt wird. In der Studie führten AMTS-geschulte Apotheker eine Medikationsanalyse Typ 2A durch, nach drei Monaten gab es noch einmal ein Follow-up.

Pro Patient 6,6 arzneimittelbezogene Probleme

Die Apotheker identifizierten pro Patient im Schnitt 6,6 arzneimittelbezogene Probleme, 0,6 pro eingenommenem Arzneimittel, berichtete Jaehde. Um Verbesserungen durch die Analyse zu quantifizieren, hat man den „Medication Appropriateness Index“ (MAI) erhoben. Bei diesem Score werden verschiedene Fragestellungen unterschiedlich gewichtet, erklärte der Pharmazeut, zum Beispiel ob für das Mittel überhaupt eine Indikation existiert oder ob es in der korrekten Dosierung verordnet ist. Je niedriger der Score, desto besser. Die vorläufige Auswertung umfasste 75 Patienten. Der MAI vor der Analyse habe im Median bei 7 gelegen, direkt danach haben man ihn auf 2 reduzieren können und drei Monate danach sei er sogar auf 1 gesunken, berichtete Jaehde.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Wirklich toll, aber...

von Benjamin Schäfer am 25.03.2019 um 15:45 Uhr

Immer wieder schön anzusehen, wie toll der Beruf sein könnte.
Ich würde gern den ganzen Tag so arbeiten, hätte auch Lust mich dementsprechend regelmäßig weiterzuqualifizieren. Aber immer wenn es bei uns nur ansatzweise in diese Richtung geht, hab ich gleich im Hinterkopf, dass ich für den Patienten im Grunde was ganz tolles mache, aber von betriebswirtschaftlicher Seite für die Apotheke ein schwarzes Loch und ein Kapazitätsproblem bin. Wir dürfen nicht den Fehler machen und bei dieser Sache in Vorleistung gehen! Im Grunde waren die Studien die Vorleistung. Jetzt müssen GKV meinetwegen mit IQWIG und Ärzten zusammen entscheiden ob sie das bezahlen wollen (Die Ärzte bezahlen unter Umständen mit Patientenvertrauen - Ich stell mir grade vor, wie ich unserem Hausarzt pro Patient 6 Fehler oder meinetwegen halt Probleme unter die Nase halte) und erst dann dürfen wir überhaupt darüber nachdenken loszulegen.
Und sorry wenn jetzt der Angsthase durchkommt, aber es ist ja nicht nur ein kompletter Wandel der Tätigkeit von empathischen Kommissionierer zum Strategen, vom Therapieerklärbär zum Therapeuten, vom Umschau Maskottchen zu einer u.U. über Leben und Tod entscheidenden Instanz. Wenn wir einen solchen Einfluss haben, darf für uns auch das Heilkundeverbot, welches wenn ich noch zeitgemäß informiert bin in allen 16 Berufsordnungen irgenwie drinsteht, nicht mehr gelten. Da uns bei solchen Analysen und Eingriffen natürlich auch Kunstfehler passieren können, welche das Leben des Patienten gefährden, müsste sowieso eine völlige juristische Neubewertung des Berufs her. Darf zum Bespiel ein Apotheker Therapien überwachen von Ärzten die das 3-5 fache dessen verdienen? Die Gehaltsklasse muss auch immer irgendwie dem juristischen Schadenspotential entsprechen. Wobei ich eher vermute, dass uns die GKV nach einer Vorleistung unsererseits eher damit vertröstet, dass wir uns an der großen Verantwortung des Gestaltungsspielraums erfreuen dürfen.
Macht man das so? Höchstes Risikopotential, mal so eben nebenbei als Gratisleistung, am besten noch von der PTA, die ja sicherlich wenn sie blind Rezepturen anmischen kann, noch ein paar Augen für Medikationsanalysen frei hat? Und wer glaubt, das segnet ja am Ende alles nochmal der Arzt ab und wir haben keineswegs mehr Verantwortung, dem rate ich auch zur Vorsicht.
Als Grusel-Präzedenzfall kommt mir die tote Patientin aus der Schweiz in den Sinn, wo die Apothekerin verurteilt wurde, weil sie die Penicillinallergie des Patienten nicht erkannt hatte. Ist wirklich jedem bewusst, was eine solche Berufsumgestaltung in der Breite und sämtlichen Facetten für Folgen haben kann und wird?

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