Skandinavische Registerstudie

Verursacht pränatale Analgetika-Exposition wirklich Asthma? 

Berlin - 25.03.2019, 16:30 Uhr

Schmerzmittel in der Schwangerschaft: Vorsicht, ja – falsche Tapferkeit, nein! (m / Foto: imago)

Schmerzmittel in der Schwangerschaft: Vorsicht, ja – falsche Tapferkeit, nein! (m / Foto: imago)


Frühere Studien legten nahe, dass Paracetamol in der Schwangerschaft Asthma beim Kind begünstigt. Ein britisch-schwedisches Wissenschaftlerteam hat diesen Zusammenhang neu beleuchtet: Den Ergebnissen ihrer Forschungsarbeit zufolge besteht offenbar eine Assoziation, aber nicht zwangsläufig eine Kausalität.

In der Schwangerschaft sollten Mütter besonders vorsichtig mit Schmerzmitteln sein. So legen epidemiologische Studien nahe, dass Analgetika wie beispielsweise Paracetamol unter anderem das Asthmarisiko beim Kind erhöhen. Sollten Apotheker Schwangeren raten, im Zweifelsfall ihre Schmerzen zum Schutz des Ungeborenen stumm zu ertragen? 

Einer aktuellen Registerstudie zufolge ist das möglicherweise keine gute Idee. Denn das britisch-schwedische Forscherteam konnte zwar die Assoziation zwischen der pränatalen Analgetika-Exposition und dem erhöhtem Asthmarisiko im Kleinkindalter bestätigen. Weitere statistische Berechnungen sprachen jedoch nicht für eine Kausalität.

Paracetamol, Triptane und Opioide

Die Wissenschaftler hatten dazu die Daten von mehreren schwedischen Registern von rund 500.000 Müttern und ihren Familien nach unterschiedlichen Gesichtspunkten ausgewertet. Etwa 3,1 Prozent der Mütter wurde in der Schwangerschaft Paracetamol verschrieben, 4,4 Prozent erhielten Opioide. Ebenfalls untersucht wurde der Einfluss von Migräne-Medikamenten (0,8 Prozent). Die anderen Mütter, denen keine Schmerzmittel verschrieben wurden, dienten als Kontrollgruppe.

Asthmarisiko als Familienangelegenheit

Zum einen untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen Schmerzmittel-Verschreibungen in der Schwangerschaft und dem Auftreten von Asthma oder Giemen beim Kind im Alter zwischen zwei und sechs Jahren.
Zusätzlich untersuchten die Forscher ob sich eine Analgetika-Einnahme des Vaters auf das Asthmarisiko des Kindes auswirkt. Außerdem verglichen die Wissenschaftler das Asthmarisiko des untersuchten Kindes mit dem seiner Geschwister (Geschwister-Kontroll-Analyse).

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Mit einer Geschwister-Kontroll-Analyse lässt sich ein möglicher kausaler Zusammenhang grundsätzlich überprüfen, sofern die Daten verfügbar sind. Denn die Gene zwischen Vollgeschwistern ähneln sich zur Hälfte und sie wachsen normalerweise in der gleichen Umgebung auf. Je ähnlicher das Asthmarisiko zwischen Geschwistern ist, desto wahrscheinlicher kommen andere Faktoren außerhalb der pränatalen Analgetika-Exposition infrage.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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