Protestmarsch

Rund 500 Apotheker protestieren in Berlin gegen den Versandhandel

Berlin - 24.03.2019, 19:40 Uhr


„Wir sind hier, wir sind laut, weil man euch die Apo klaut!“, „Spahn muss weg!“ oder „Wir sind da, in der Nacht, wenn die Post noch Pause macht!“ Mit diesen und anderen Sprechchören zogen heute mehrere hundert Apotheker und Apothekenmitarbeiter durch die Berliner Innenstadt. Am Bundesgesundheitsministerium stoppte der Protestmarsch und startete ein lautes Pfeifkonzert. Auf der Abschlusskundgebung sprach unter anderem der Adexa-Vorsitzende Andreas May.

Am heutigen Sonntagnachmittag sind mehrere hundert Apotheker und Apothekenmitarbeiter durch Berlin-Mitte gezogen, unter anderem um gegen einen zu großen Einfluss großer Wirtschaftskonzerne auf die Arzneimittelversorgung zu protestieren. Die drei Nachwuchsapotheker Maria Zoschke, Dr. Joachim Schrot und Maximilian Wilke hatten den Protestmarsch unter dem Namen #rettedeineapotheke in den vergangenen Wochen alleine auf die Beine gestellt.

Um 15.00 Uhr trafen sich die Protestmarsch-Teilnehmer hinter dem S-Bahnhof Friedrichstraße. Mit dabei waren Pharmazeuten, PTA, PKA und andere Apothekenmitarbeiter, teilweise angereist aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Die Marsch-Teilnehmer hielten Plakate in die Luft, auf denen zumeist gegen große Versandhändler protestiert wurde. Am Kopf des Demonstrationszuges präsentierten die Organisatoren ein Banner mit dem Namen ihrer Initiative. Gegen 15.30 Uhr setzte sich die Gruppe in Bewegung Richtung Bundesgesundheitsministerium. Dort angekommen kam es zum ersten Highlight des Nachmittags: Mitinitiator Wilke sprach via Megafon zu den Teilnehmern und forderte die Apotheker und Apothekenmitarbeiter zu einem gellenden Pfeifkonzert auf.

Lautes Pfeifkonzert vor dem BMG

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) oder andere BMG-Mitarbeiter zeigten sich zwar nicht. Die Pharmazeuten teilten ihm trotzdem mit, was sie von seiner Politik halten: „Die Politik muss endlich aufhören, die Apotheken und ihre 160.000 Arbeitsplätze kaputtzusparen“, rief Wilke. Die Gruppe skandierte: „Spahn muss weg!“ Der Protestmarsch setzte sich nach dem Auftritt vor dem BMG weiter in Richtung Charité – begleitet von zahlreichen Polizisten, die den Anfang und das Ende des Demonstrationszuges sicherten. Die Beamten hatten auch dafür gesorgt, dass der Verkehr rund um die Friedrichstraße, im Berliner Regierungsviertel und vorm Brandenburger Tor während der Aktion stillstand.

Einer der Beamten erklärte gegenüber DAZ.online, dass zwischen 400 und 500 Teilnehmer vor Ort waren. Gegen 16.30 Uhr erreichte der Protestmarsch dann das Brandenburger Tor. Die Organisatoren hatten einen kleinen Lieferwagen gemietet, stellten sich gemeinsam auf die Pritsche des Wagens und begannen ihre Abschlusskundgebung. Wilke sprach als erster und erinnerte daran, dass die EU-Kommission zuletzt ein Vertragsverletzungsverfahren intensiviert hatte, um die Rx-Preisbindung für EU-Versender zu kippen. „Als wir vor rund zwei Wochen die Nachricht erhielten, dass die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente für DocMorris und Co. gekippt werden soll, stand für uns fest: Jetzt reicht’s!“, sagte der Apotheker.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

ABDA im OFF ...

von Christian Timme am 25.03.2019 um 1:00 Uhr

Die erste Gegenstimme zum Berliner BlaBla-Monopol ... da geht hoffentlich noch mehr ... die Apotheken haben es verdient gehört zu werden ... denn die Leistung am Kunden wird täglich Vorort erbracht ... und nicht in „Videoschnipseln“ aus Berlin.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: ABDA im OFF

von Christiane Patzelt am 25.03.2019 um 9:52 Uhr

:-D

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