Botanicals und „sonstige Stoffe“

Nahrungsergänzungsmittel für Männer – nur Hokuspokus?

Stuttgart - 20.03.2019, 09:00 Uhr

Prof. Dr. Martin Smollich kennt sich mit Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln gut aus. Unter anderem ist er Herausgeber des Fachblogs Ernaehrungsmedizin.blog. (b/Foto: Matthias Balk)

Prof. Dr. Martin Smollich kennt sich mit Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln gut aus. Unter anderem ist er Herausgeber des Fachblogs Ernaehrungsmedizin.blog. (b/Foto: Matthias Balk)


Nahrungsergänzungsmittel gehören nicht zu den Lieblingen der Apotheker. Wenn sie dann noch mit Namen wie „Penisso forte“ daherkommen, wird man sie kaum im Sortiment einer Apotheke wiederfinden. Über das Internet kommen Patienten dennoch damit in Kontakt und immer wieder mit ihren Fragen dazu in die Apotheke. Wie kann man überzeugend be- oder abraten, wenn es keine entsprechende Literatur gibt? Auf der Interpharm hat Professor Dr. Martin Smollich die Ursachen der Trends im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel für Männer beleuchtet: Nicht alles ist „Hokuspokus“.

„Penisso Dragees Forte“ für Männer – mit einem Bild dieses Nahrungsergänzungsmittels (NEM) stieg Prof. Dr. Martin Smollich vergangenen Samstag auf der Interpharm in Stuttgart in seinen Vortrag ein: „Was Mann braucht und was Nahrungsergänzungsmittel leisten können.“ Gleich zu Beginn machte er auf die rechtlichen Zusammenhänge aufmerksam, die gerade Patienten häufig nicht so klar sein dürften: So handelt es sich bei NEM nämlich um Lebensmittel, für die gesundheitsbezogene Aussagen getätigt werden dürfen („Health Claims“), aber keine krankheitsbezogenen! Liegt beispielsweise tatsächlich ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel vor, können NEM sinnvoll sein – häufig sind sie jedoch unwirksam oder sogar gefährlich.

Die „sonstigen Stoffe“: Das Problem mit den „Botanicals“

Während Apotheken zu Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen recht gut beraten können, sind es vor allem die „sonstigen Stoffe“, auf die Smollich in seinem Vortrag aufmerksam machte. Denn NEM sind laut NemV (Nahrungsergänzungsmittelverordnung) nicht nur ein „Konzentrat von Nährstoffen“ sondern auch von „sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung“. Diese „sonstigen Stoffe“ sind vor allem Stoffe aus Pflanzen, Algen, Pilzen oder Flechten – sogenannte Botanicals.

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Seit dem 1. Juli 2007 regelt die europäische Health-Claims-Verordnung, wie nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln zu handhaben sind. Gesundheitsbezogene Angaben sind bei NEM also gestattet, müssen aber zuvor wissenschaftlich bewertet und von der EU-Kommission zugelassen worden sein. Nur solche Health Claims dürfen verwendet werden, die in einer entsprechenden Positivliste aufgeführt sind. Eine solche Liste gibt es allerdings nur für die klassischen NEM, nicht aber für Botanicals. Die Überprüfung der gesundheitsbezogenen Aussagen zu solchen „sonstigen Stoffen“ wurde im Jahr 2010 zurückgestellt. Seitdem ging es offenbar nicht voran. 

Wenn es keine zugelassenen Health Claims für die Botanicals gibt, woher kommen dann die Theorien, dass sich mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln vermeintlich die Potenz steigern lasse?



Diana Moll, Apothekerin und Volontärin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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