Arzneimittelversorgung

Benelux-Länder und Frankreich leiden unter erheblichen Lieferengpässen

Remagen - 19.03.2019, 14:15 Uhr

Mangelware Arzneimittelmittel: In allen westlichen Nachbarläsndern Deutschlands müssen Patienten und Apotheker derzeit erhebliche Arzneimittel-Lieferengpässe hinnehmen. In belgischen Apotheken (wie hier im Bild) hat sich die Lage zuletzt weiter verschärft. (Foto: Imago)

Mangelware Arzneimittelmittel: In allen westlichen Nachbarläsndern Deutschlands müssen Patienten und Apotheker derzeit erhebliche Arzneimittel-Lieferengpässe hinnehmen. In belgischen Apotheken (wie hier im Bild) hat sich die Lage zuletzt weiter verschärft. (Foto: Imago)


Die Meldungen über Arzneimittel-Lieferengpässe in unseren westlichen Nachbarländern ziehen immer größere Kreise. Neben den Niederlanden und Frankreich klagen auch Belgien und Luxemburg über zunehmende Verknappungen und Ausfälle.

Nach einem Beitrag im „Grenzecho“ gibt es in Belgien momentan für jedes 20. Medikament einen Lieferengpass. In der vergangenen Woche sollen insgesamt 428 Präparate auf der Liste der Arzneimittelagentur AFMPS gestanden haben, nach Einschätzung der Zeitung „Le Soir“ so viele wie nie zuvor. Das Thema ist nicht zum ersten Mal auf dem Tapet. Im vergangenen November berichteten belgische Medien von 413 fehlenden Präparaten.

Eine aktuelle DAZ.online-Recherche (Stand 13. März 2019) hat 452 nicht lieferbare Präparate ermittelt. Damit hat sich die Zahl gegenüber der letzten Woche schon wieder um mehr als zwanzig erhöht.

Folgen der Ausfälle sind unterschiedlich

Aktuell ist von dutzendweisen Ausfällen bei Blutdrucksenkern, Antibiotika, Schmerzmitteln die Rede, und zwar über Monate. „Die Knappheit solcher Medikamente ist aus Sicht der Volksgesundheit nicht gravierend, aber sie zeigt das Ausmaß und die Unvorhersehbarkeit des Problems und trägt zum Unverständnis der Patienten bei“, wird Alain Chaspierre, Sprecher des belgischen Apothekerverbandes zitiert. Wie schon im November betonen die Experten der Arzneimittelagentur auch jetzt, dass einige Lieferengpässe nur bestimmte Präsentationen beträfen. So könne eine Schachtel mit 30 Tabletten nicht verfügbar sein, wohl aber die zehn Tabletten. Bei Aids-Patienten soll die Lage jedoch anders aussehen. „Es kommt häufig vor, dass Moleküle, darunter die auf die Behandlung von HIV-Patienten spezialisierten, nicht in Apotheken verfügbar sind “, erklärt die stellvertretende Direktorin der Plattform für Aidsprävention in „Le Soir“. 

Testphase für Aktionsplan angelaufen

In Belgien sind die Pharmaunternehmen gesetzlich verpflichtet, die Arzneimittelagentur über akute und zu erwartende Engpässe zu informieren. Von außergewöhnlichen Umständen abgesehen, soll dies spätestens zwei Monate vor dem voraussichtlichen Lieferstopp geschehen.

Im Januar 2018 wurde eine Testphase für einen Aktionsplan gestartet, mit dem die Optionen für alternative medikamentöse Ansätze oder alternative Behandlungen im Falle einer vorübergehenden Nichtverfügbarkeit ausgelotet werden sollen. Eine Arbeitsgruppe der AFMPS in Zusammenarbeit mit dem Krankenversicherungsinstitut INAMI und Vertretern der Apotheker, Krankenhäuer, Ärzte, Versicherungen, Pharmaunternehmen und Distributoren soll helfen, strukturelle Lösungen für das Problem zu finden.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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