Landversorgung

AOK fordert Lockerung des Mehrbesitzverbotes

Stuttgart - 16.03.2019, 16:45 Uhr

Laut einer Studie der AOK Baden-Württemberg ist die Versorgungsdichte im Bundesland sehr heterogen (hier Tübingen). (Foto: Imago)

Laut einer Studie der AOK Baden-Württemberg ist die Versorgungsdichte im Bundesland sehr heterogen (hier Tübingen). (Foto: Imago)


Die AOK Baden-Württemberg hat in einer Studie die Apothekendichte im Bundesland untersucht. Demzufolge bestehen große Unterschiede in der Versorgungsdichte. Bei der politischen Diskussion auf der Interpharm hat AOK-Chef Dr. Christopher Hermann daraus die Forderung abgeleitet, dass die Vergütung für Apotheker unterschiedlich ausfallen müsse. In einer Pressemitteilung legt die AOK nun nach und fordert auch die Lockerung des Mehrbesitzverbotes und der Apothekenbetriebsordnung.

Bei der politischen Diskussion auf der Interpharm ging es am heutigen Samstag unter anderem um die Apothekendichte in Baden-Württemberg. Hier ist die Apothekenzahl um etwa 11 Prozent zurückgegangen seit 2007, fast jede dritte Gemeinde im Land ist ohne Apotheke. Dass viele Apotheken auch in ländlichen Regionen schließen, zeigte sich zuletzt exemplarisch am Beispiel Hüffenhardt, wo der EU-Versender DocMorris einen Arzneimittel-Automaten errichtete.

Auch Dr. Christopher Hermann, Vorsitzender der AOK Baden-Württemberg, diskutierte mit und brachte seine Vorstellungen zur Arzneimittelversorgung ins Gespräch ein. Schon bei der Diskussion wurde klar: Hermann will den Markt flexibilisieren und deregulieren. Er sprach davon, dass nicht alle Apotheken die gleiche Vergütung bekommen sollten. Landapotheken könnten höhere Honorare bekommen, um Niederlassungen auf dem Land attraktiver zu machen. Der Kassenchef stellte aber auch in Frage, ob nicht Ansprüche und Voraussetzungen an Filialapotheken gelockert werden könnten.

AOK legt Pressemitteilung zur Interpharm vor

In einer begleitenden Pressemitteilung legt die AOK nun nach. Die Ortskrankenkasse präsentiert Zahlen zur Versorgungsdichte im Bundesland, die auf eine sehr heterogene Versorgungsstruktur hinweisen. Demnach versorgt eine Apotheke in Freiburg beispielsweise 548 AOK-Versicherte, in der Stadt Heidelberg sind es 619. Im ländlichen Alb-Donau-Kreis hingegen ist die Versorgungsdichte deutlich niedriger: Dort kommen 2.085 AOK-Versicherte auf eine Apotheke. Am niedrigsten ist die Versorgungsdichte laut AOK im Landkreis Biberach, dort kommen 2021 AOK-Versicherte auf eine Apotheke.

(Foto: AOK BW)


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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9 Kommentare

aok-Hermann und seine Sprüche

von Heiko Barz am 18.03.2019 um 17:48 Uhr

Wofür spricht sich der AOK Hermann aus?
„ die Aufhebung der RX- Preisbindung würde zur Sicherung der Arzneimittelversorgung und zur Verbesserung der Apothekensituation auf dem Lande führen“. ???
——Unterschiedliche RX-Preise sind die Lösung der AM-Versorgung——-was ist das denn für eine gequirlte Sch........?? Sind bei der aok jetzt alle Dämme gebrochen?
Da es bei der aok ausschließlich um Gewinnmaximierung geht -in Analogie saudischer Ölsandprinzen und deren Appendizes- sollten sich Hermann und seine Grabenkämpfer einmal ihre Werbemillionen zur deutlichen Reduktion vornehmen! Die letzte HandballWM war nun freilich ein einziges aok-Krankenkassenwerbefestival

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Realitätsverlust?

von Peter am 18.03.2019 um 16:41 Uhr

Das kommt wohl davon wenn man sich der Realität strikt verweigert. Mal rechnen, Pupsapo auf dem Land mit Betriebsergebnis von 30-60k als Filiale? Mhhh....nö. Kann ja sein dass die Menschen die sowas überlegen beim umsatztechnisch ebenso bei 500-1Mio liegenden Lieblingsitaliener sehen dass ebendieser einen Ferrari fährt, naja, sollen sie ruhig weiterglauben...

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Apothekenfilialisierung ausweiten?

von Pharmixx am 18.03.2019 um 10:14 Uhr

Es ist bemerkenswert wie sich seit Jahren der vormals real existierende Sozialismus a la DDR durch die Hintertür bei uns hineinschlängelt. Alle Länder, die über die Filialisierungserweiterung Kettenapotheken ermöglich haben, wünschen sich nach der Oligopolisierung die alten Zustände zurück. Der Blick in die historisch experimentierfreudigen Nachbarländer zeigt deutlich was passiert: Stadtflucht, Versorgungswüsten auf dem Lande, strukturvertriebsähnliches Marketing. Es bleibt nicht nur der Kunde/Patient auf der Strecke auch die sinnstiftenden Apothekenberufe geraten zunehmend unter die Räder. Den Sargnagel schlagen dann noch die Universitäten, Städte und die Standesvertretungen ein! Die Universitäten sorgen mit Klausurdurchfallquoten noch im Hauptstudium von bis zu 80 % für einen eklatanten Mangel, sind dem aberwitzigen, unerfindlichen und irrigen Gedanken aufgesessen Pharmazeuten und keine Apotheker auszubilden und lenken den Nachwuchs systematisch weg von der Apotheke. Die Städte drehen die PTA Schulen -deren Absolventen eine Beschäftigungsgarantie haben - die Finanzierung ab. Die Standesvertretung erklärt unseren Hochschullehrern nicht, dass die Allgemeinheit diese finanziert und schmust mit den Blockparteien. Und nun kommt die "Überraschung": Die Babyboomer gehen in die Frühpension und die Generation Y und noch mehr die Generation Z findet die reale Berufspraxis auch nicht mehr "sexy"- mit Recht! Mehrheitlich wird mehr denn je ein serviles Verhalten dem Apothekenkunden gegenüber gefordert, alles muss schnell, schnell gehen der bürokratische Aufwand der kasseninduzierten Dauersubstitution zum Vertragspräparat führt dazu, dass das ethische und erklärungsbedürftige Produkt "Arzneimittel" verramscht wird. Mal ehrlich ein Bachelor in Chemie/Biologie und in BWL führt bei Einstieg im Pharma-Produktmanagement zwar auch zu einer sinnentleerten Beschäftigung in die wir hineinlaufen, aber da sind die Spielregeln wenigstens klar Marktverdrängung, Effizienzmaximierung und "abcashen" in der kurzen Zeit die bleibt. Wer kann es den Teenies verdenken?

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Förderung der AOK

von Kuenen Michael am 18.03.2019 um 8:21 Uhr

Dreist , wie und was die AOK öffentlich von uns fordert . Unsere Standesvertretung braucht einen Montgomery, der auch mal laut fordert.

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Die Alles OK und die Thünenschen Kreise ...

von Christian Timme am 17.03.2019 um 15:23 Uhr

Apotheken- gegen AOK-Versichertendichte ... und jetzt bitte noch mit Altersklassen einschließlich Nutzerverhalten etc. ... bis zur INTERPHARM 2020 ...

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AOK

von Anita Peter am 16.03.2019 um 18:10 Uhr

Landapotheken die keinen Nachfolger finden, werden erst recht nicht als Filiale weitergeführt. Auch eine Filiale muss einen ordentlichen Ertrag abwerfen. Wenn sich eine Landapotheke schon nicht rechnet wenn der Inhaber >50 Stunden drin steht, dann erst recht nicht als Filiale mit zusätzlichen Kosten für 1-2 Approbierte.

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Landversorgung

von Benjamin Schäfer am 16.03.2019 um 17:58 Uhr

Mich triggert dieser Beitrag einfach, weil ich das Verhalten der Krankenkassen für ein falsches Spiel halte. Bis vor ein paar Monaten konnte man zum Beispiel mit der AOK Sachsen Anhalt noch telefonisch schnell und halbwegs formlos Genehmigungen für Trinknahrung, Hilfsmittel und Ähnliches bekommen um Patienten in Notlagen schnell zu versorgen. Ende 2018 kippte die Lage und die AOK zog den Spießrutenlauf knallhart durch. Patienten mit durch Krebs ernidrigten BMI und kaputten Blutzuckermessgeräten konnten wir mitunter nur noch vorab ohne Zusage einer Kostenerstattung versorgen, weil der Medizinische Dienst die Diagnose und Verschreibung des Arztes plötzlich ganz genau und sorgsam und demzufolge langwierig prüfen musste. Die Ausdrucksweise am Telefon der betreffenden Akteure ließ auch durchleuchten, dass gegenüber den Leistungserbringern null Respekt vorherrscht. Obwohl es mir bei diesen nervtötenden Fällen als Angestellter egal sein kann, ob die Versorgung angemessen honoriert und respektiert wird, wirkt sich das doch auf meine Bereitschaft aus, in die Fußstapfen eines Inhabers zu treten. Abgesehen von den teils noch guten Zahlen und dem tollen Beruf an sich, ist man doch auf die Wertschätzung von außen angewiesen, wenn man so ein Mamutprojekt wie die Selbstständigkeit in der Apotheke für die nächsten 30+x Jahre in Angriff nehmen möchte. Und da ist die AOK mittlerweile die letzte, die mir da irgendwas verkaufen kann. Mir kommt es eher so vor, als bekommen die Leute da klar gesagt, wie knallhart sie sich gegenüber den Leistungserbringern geben müssen, wie schwer sie uns den Versorgungsalltag mittels Zermürbungstaktik machen müssen, damit die bisherigen Strukturen zerbrechen und immer mehr um ihre Leistung geprellte Inhaber aufgeben. Und da kommt es mir dann nicht mehr ganz so komisch vor, wenn dann selbige AOK plötzlich aufgrund einer Versorgungsnotlage nach Liberalisierung schreit. Und selbstkritisch muss hier einfach noch anfügen. Wir sind so blöd und machen uns zu diesen Lemmingen. Wir in unseren Verbänden verhandeln eine scheiße zusammen und werden uns still sämtlichen Umstrukturierungen fügen, die die Entscheider so über uns zu treffen gedenken.

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Tanz um den heißen Brei

von Wolfgang Müller am 16.03.2019 um 17:58 Uhr

Warum eigentlich nur die Frage des Kassenchefs, "ob nicht Ansprüche und Voraussetzungen an FILIAL-Apotheken gelockert werden könnten"?

NEIN, die Frage muss lauten, und vor Allem endlich von UNS SELBER gestellt werden: "Warum sollten nicht die Ansprüche und Voraussetzungen an ALLE Apotheken gelockert werden?" Damit sie besser das bieten können, was den Patienten wirklich nützt (als Allererstes schon mal: die Flächendeckung, und mehr ZEIT für jedes einzelne Patienten-Gespräch), und damit sie besser mit "dem Versand" konkurrieren können?

Warum diese Frage von viel zu vielen interessenverflochtenen Würdenträgern und Meinungsbildnern aus unserem eigenen Lager STRENSTENS vermieden wird? Mal ne schnelle Antwort, mit einem zufällig hochaktuellen Beispiel:

Ein Anbieter von WIRKLICH extrem tollen, für die Anwendung in der Industrie von mir schon lange bevor sie unglaublicherweise in der normalen Apotheke ankamen, hoch geschätzten, faszinierenden, sauteuren NIR-Geräten will natürlich sein noch recht neues Nebengeschäft mit den doofen, "reichen" Apotheken nicht verlieren und inseriert HIER mit dem schon mal vollkommen unwahren Opener: "Die Prüfung der Ausgangsstoffe für die Rezeptur ist ein Muss – da sind sich alle einig". Also, ich selber finde das schon mal bekanntermaßen NICHT. Die EuAB.Monographie ist übrigens auch nicht "für Apotheken" verfasst worden, sondern eben: für die europäische Pharma-Industrie.

Diese Pressure-Mentalität nun einfach mal über diverse Gremien, Publikationen bis hin zu den Stakeholdern bei AVOXA und DAC/NRF zu Ende gedacht - und jeder müsste eigentlich verstehen, warum auf den Anspruch ganz normaler Apotheken an "Lockerung der Ansprüche und Voraussetzungen" einfach mal in der offiziellen Meinungsbildung ganz locker ge ... pfiffen wird.

DIESE Art der blutsaugenden Interessenverflechtung bis hin zu den eigenen "Interessenvertretern" gibt es meiner Kenntnis nach übrigens in KEINEM anderen Beruf. Und bei uns wuchert das sogar noch von Jahr zu Jahr ins gefühlt Unendliche.

Ich hoffe, dass das jetzt wegen doppeltem und dreifachen Interessenwiderspruch nicht ganz ganz schnell gelöscht wird, und dass das nicht mein gezwungenermaßen letzter Post war.

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AW: Tanz um den heißen Brei - Apothekenlabor

von Andreas Grünebaum am 17.03.2019 um 15:21 Uhr

Einen Pharmazierat in Hessen fragte ich bei der Abnahme einer neuen Filiale vor zwei Jahren, warum wir eigentlich immer noch bereits geprüfte Ausgangsstoffe mit Zertifikat auf Identität prüfen müssen. Seine Antwort war explizit: "Das fordern nicht wir als Pharmazieräte, sondern wir kontrollieren lediglich, ob die einschlägigen Bestimmungen eingehalten werden. Die Forderung nach den Identprüfungen kommt ausschließlich von der Apothekerschaft und ihrer Verbände selbst, um die Fahne des Apothekenlabors hochzuhalten!"
Wie viel Zeit könnten wir für die Anfertigung wirklich wichtiger Rezepturen - und nicht Vermeidungsrezepturen - aufwenden, wenn wir diese unsäglichen Prüfungen nicht hätten?

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