Rundschreiben der Amtsapothekerin

Arzneimitteldiebstahl in Köln: Sind mehrere Apotheken betroffen?

Berlin - 22.02.2019, 11:30 Uhr

Sildenafil, Ketamin und Testosteron – diese Wirkstoffe scheinen auf dem Kölner Schwarzmarkt unter anderem von Interesse zu sein. (c / Foto.imago)

Sildenafil, Ketamin und Testosteron – diese Wirkstoffe scheinen auf dem Kölner Schwarzmarkt unter anderem von Interesse zu sein. (c / Foto.imago)


Der Testosterondiebstahl in einer Kölner Apotheke, der im Januar bekannt wurde, war anscheinend kein Einzelfall: Einem Apotheken-Rundschreiben der Amtsapothekerin Dr. Simone Schmidt zufolge, sollen in mehreren Apotheken Kölns einzelne Mitarbeiter verschiedene Arzneimittel entwendet haben.

Arzneimittel mit den Wirkstoffen Ketamin, Testosteron und Sildenafil haben in Köln offenbar einen gewissen „Schwarzmarktwert“. So ertappte die Polizei Anfang Januar eine 23-jährige PTA dabei, Testosteronpräparate von ihrem Arbeitgeber gestohlen zu haben.

Offenbar haben sich in Köln mehrere Fälle von Apothekendiebstahl ereignet. Dies geht aus einem Schreiben der Kölner Amtsapothekerin Dr. Simone Schmidt hervor, das in der vergangenen Woche an alle Apotheken in der Stadt verschickt wurde.

Diebstahl durch Mitarbeiter?

Darin schreibt Schmidt: „Aus gegebenem Anlass möchte ich darauf hinweisen, dass es in Einzelfällen zum Diebstahl verschiedener Arzneimittel (zum Beispiel Testosteron, Ketamin, Sildenafil) durch Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter – insbesondere des kaufmännischen Personals – in Apotheken gekommen ist.“ Die Ware sei auf dem Schwarzmarkt oder im Freundeskreis verkauft worden.

Die Kölner Polizei bestätigte gegenüber DAZ.online, dass seit 2017, abgesehen von dem Testosterondiebstahl, der Anfang Januar bekannt wurde, noch drei weitere Fälle von Arzneimitteldiebstahl gemeldet wurden.

Die Stadt Köln erklärte, es seien „drei bis vier Apotheken“ betroffen. Verdächtigt werden einzelne Mitarbeiter aus diesen Apotheken. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gab oder die Tatverdächtigen sich untereinander kannten, dazu äußerte sich weder die Stadt Köln noch die Polizei.

Unregelmäßigkeiten im Bestellwesen

Wie der Diebstahl vertuscht wurde, da gibt es allerdings Parallelen zwischen den Vorfällen. So erklärt die Amtsapothekerin, dass die Diebstähle durch Manipulationen des Bestellwesens zunächst unentdeckt geblieben seien. Eine Überprüfung der Sammelrechnungen hätte die Missstände aufgedeckt.

Auch bei dem Arzneimitteldiebstahl, der im Januar bekannt wurde, sei aufgefallen, dass es immer zu Bestellungen von Testosteronpräparaten gekommen sei, die nach Versand an die Apotheke beim Großhändler wieder storniert worden seien.


Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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