Einfachere Opioidsubstitution mit Buvidal

Buprenorphin-Depot: nur einmal pro Woche oder Monat

Stuttgart - 19.02.2019, 10:15 Uhr

Buvidal: Die erste wöchentlich oder monatliche subkutane Buprenorphin-Gabe für Substitutionspatienten. (b/Foto: Camurus / DAZ.online)

Buvidal: Die erste wöchentlich oder monatliche subkutane Buprenorphin-Gabe für Substitutionspatienten. (b/Foto: Camurus / DAZ.online)


Derzeit nehmen opioidabhängige Patienten in Drogenersatzprogrammen ihr Substitutionsmittel täglich. Mit Buvidal könnte sich die Substitutionsbehandlung  für Buprenorphinpatienten künftig vereinfachen, denn das Depot-Buprenorphin erhalten die Opioidabhängigen nur einmal pro Woche oder Monat subkutan injiziert. Damit soll die selbstbestimmte Lebensführung der Substitutionspatienten verbessert werden ebenso die gesellschaftliche Wiedereingliederung.

Aktuell erhalten opioidabhängige Patienten, die an Drogenersatzprogrammen teilnehmen, ihr Substitutionsmittel täglich, sei es Methadon (39,4 Prozent), Levomethadon (35,2 Prozent), Buprenorphin (23,1 Prozent), Morphin (1 Prozent), Diamorphin (1 Prozent), Codein (0,1 Prozent) oder Dihydrocodein (0,1 Prozent). Für Patienten, die keine Take-Home-Verschreibungen erhalten, bedeutet dies, dass sie ihre tägliche Dosis beim Arzt oder der Apotheke abholen und direkt vor Ort einnehmen müssen oder verabreicht bekommen. Das erschwert einen „normalen“ Lebensrhythmus beziehungsweise eine selbstbestimmte Lebensweise und die gesellschaftliche Wiedereingliederung.

November 2018: Erstes Depot-Buprenorphin erhält EU-Zulassung

Mit Buvidal® könnte sich dies für Buprenorphinpatienten in Zukunft ändern. Denn mit dem Depot-Buprenorphin macht Camurus, ein schwedisches  pharmazeutisches Unternehmen, erstmals eine nur wöchentliche oder monatliche Gabe von Buprenorphin möglich. Die EU-Zulassung für Buvidal® erhielt Camurus bereits im November 2018, nun ist das Depot-Buprenorphin auch in Deutschland verfügbar. Buvidal® enthält Buprenorphin auf Basis einer Fluid-Crystal®-Technologie, die Verabreichung erfolgt ausschließlich ärztlich als subkutane Injektion. Eine intravenöse Gabe ist laut Fachinformation von Buvidal® streng zu vermeiden, „da Buvidal® bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten eine feste Masse bildet, was potenziell zu Verletzungen von Blutgefäßen, Verschluss oder thromboembolischen Ereignissen führen könnte.“  

Eingesetzt werden darf Buvidal® zur Behandlung von Opioidabhängigkeit im Rahmen medizinischer, sozialer und psychotherapeutischer Maßnahmen. Die Patienten müssen mindestens 16 Jahre alt sein. Bevor die Opioidabhängigen Buvidal® erhalten, muss der behandelnde Arzt bestimmte Faktoren überprüfen. So dürfen Heroinabhängige frühestens sechs Stunden nach der letzten Heroindosis Buvidal® erhalten, Methadonpatienten müssen vor Einleitung einer Behandlung mit Buvidal® auf eine maximale Methadondosis von 30 mg Methadon pro Tag eingestellt sein. Die letzte Methadongabe muss mindestens 24 Stunden zurückliegen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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