AZ-Tipp zum Versandkonflikt

Gute Argumente für die Apotheke vor Ort

Traunstein - 04.02.2019, 13:45 Uhr

Uwe May und Cosima Bauer liefern Argumente für die Apotheke vor Ort. (b / Foto: May und Bauer GbR)

Uwe May und Cosima Bauer liefern Argumente für die Apotheke vor Ort. (b / Foto: May und Bauer GbR)


Die deutschen Vor-Ort-Apotheken sind seit dem im Oktober 2016 ergangenen EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung einer ungleichen Konkurrenz mit ausländischen Versendern ausgesetzt. Welche Maßnahmen können ihnen helfen? Der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Uwe May und die Politikwissenschaftlerin Cosima Bauer befassen sich in der aktuellen AZ mit einigen Leitfragen in dieser Debatte und geben Argumente für die Apotheke vor Ort an die Hand.

Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. Oktober 2016 sind die deutschen Vor-Ort-Apotheken mit der ungleichen Konkurrenz durch ausländische Versender konfrontiert. Welche Maßnahmen hierbei Abhilfe schaffen könnten, wird derzeit intensiv diskutiert. Anhand einiger Leitfragen haben der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Uwe May und die Politikwissenschaftlerin Cosima Bauer wichtige Thesen zur Stützung der Vor-Ort-Apotheken dargelegt, die im Wesentlichen auf zwei wissenschaftlichen Gutachten zu den Themen Rx-Versandverbot sowie Honorierungs­system für Apotheken basieren. Auftraggeber dieser Gutachten waren der Deutsche Apotheker Verlag und die Noweda Apothekergenossenschaft.


Aus welchen Gründen kann der freie Wettbewerb im Apothekenmarkt keine gute Lösung herbeiführen?

Nach den Regeln der Marktwirtschaft schöpfen Anbieter die Zahlungsbereitschaft potenzieller Käufer möglichst aus. Je notwendiger die Leistung akut gebraucht wird, umso höher ist die Zahlungsbereitschaft (z. B. Schlüsseldienst). Demzufolge könnten Apotheker in Notfällen mit eiligem Medikations- oder dringendem Beratungsbedarf Monopolpreise durchsetzen. In der Versorgung von Standardfällen würde es hingegen in einem freien Wett­bewerb dazu kommen, dass für Apotheken auskömmliche Preise, mit denen das hochqualifizierte Personal und die Apothekenausstattung bereitgehalten und finanziert werden können, nicht durchsetzbar sind. Beide Situationen sind unerwünscht und sollten aus volkswirtschaftlicher Sicht durch steuernde Eingriffe in den freien Markt korrigiert werden. Auch eine gleichmäßige regionale Verteilung von Apotheken, ohne größere Lücken, würde in einem freien Markt nicht zustande kommen, da sich die Profitabilität lageabhängig stark unterscheidet. Regulierungen dienen also dazu, die wirtschaftliche Existenzfähigkeit von Apotheken als Mittel zur Sicherstellung der ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung insgesamt und bundesweit zu gewährleisten. Zugleich werden Verbraucher vor marktwirtschaftlichen Kräften bewahrt, die im Kontext der Gesundheitsversorgung gesellschaftlich unerwünscht und sozialpolitisch nicht vertretbar sind.

 Die Antworten zu den folgenden weiteren Fragen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der AZ (Nr. 6, 2019, S. 5):

  • Welche besondere Rolle spielt der Versandhandel in diesem Kontext?
  • Warum kann die Existenz von Vor-Ort-Apotheken schon bei geringen Marktanteilsverlusten an den Versandhandel gefährdet sein?
  • Welche spezielle Bedeutung hat die Gleichpreisigkeit bei Arzneimitteln im Zusammenhang mit dem Versandhandel?
  • Ist die Forderung eines Rx-Versandverbots mit marktwirtschaftlichen Prinzipien in Einklang zu bringen?
  • Gibt es politische Alternativen zu einem Rx-Versandverbot?
  • Welche sonstigen Eckpfeiler sind entscheidend, um die Apothekenversorgung zukunftsfähig zu gestalten?


Dr. Christine Ahlheim (cha), Chefredakteurin AZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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1 Kommentar

Politiker mit eigenen Meinungen?

von Heiko Barz am 05.02.2019 um 12:22 Uhr

Glauben Sie ernsthaft, dass sich Politiker „unvoreingenommen“ solchen Fragen stellen?

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