Zeitungsbericht

Schmidt: Das Verhältnis zur FDP ist „weitgehend zerstört“

Berlin - 01.02.2019, 11:15 Uhr

Das Verhältnis der Apotheker zur FDP ist laut ABDA-Präsident Friedemann Schmidt nachhaltig gestört. (Foto: Imago)

Das Verhältnis der Apotheker zur FDP ist laut ABDA-Präsident Friedemann Schmidt nachhaltig gestört. (Foto: Imago)


Die Apotheker und die FDP – inzwischen ist es eine echte Hassliebe. Es gab Zeiten, da waren die Liberalen die Heimat für Freiberufler. So kommt es auch, dass beispielsweise ABDA-Präsident Friedemann Schmidt FDP-Mitglied ist. Das hat sich aber geändert: Mit Christian Lindner als Parteichef sind die Liberalen bei den Apotheken inzwischen darauf bedacht, bloß keine zu große Nähe aufkommen zu lassen. Im Politik-Magazin „Cicero“ erklärt Schmidt nun, wie das Verhältnis gelitten hat.

Der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 hat vieles zerstört im Verhältnis zwischen der FDP und den Apothekern. Man denke nur an das FDP-Wahlprogramm, in das irgendwie der Passus hineingeriet, dass man sich für eine Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes einsetzen wolle – von der Unterstützung des Versandhandels ganz zu schweigen. Es gab aber einen weiteren Schlüsselmoment, in dem klar wurde, dass die Partei sich ganz bewusst von den Apothekern als Wählergruppe trennt.

Es geht um ein Interview, das Parteichef Christian Lindner mit der „Zeit“ führte. Ohne eine konkrete Frage des Zeit-Journalisten erklärte Lindner von sich aus: „Übrigens, kennen Sie die Position der FDP zum Versandhandel von Medikamenten?“ Sie sei die einzige Partei, „die klar für den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente ist.“ Ganz davon abgesehen, dass das schon damals grob fehlerhaft war, hat Lindner damit ein lange währendes Verhältnis ganz offen aufs Spiel gesetzt. Offenbar ist es ihm nach den Lehren aus der Causa „Mövenpick“ wichtiger die FDP von dem Vorwurf der Klientelpolitik zu lösen, als freie Heilberufler zu unterstützen.

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Dass das Vorgehen der Liberalen im Apothekerlager Spuren hinterlassen hat, zeigt ein aktuelles Interview mit ABDA-Präsident Friedemann Schmidt im „Cicero“. Dort erklärt Schmidt: „Man benutzt uns Apotheker als Nachweis dafür, angeblich keine Klientelpolitik mehr zu betreiben“. Das Verhältnis zu den Liberalen beschreibt Schmidt weiterhin als „weitgehend zerstört“. Das schmerze ihn, weil die Partei lange Zeit „der verlässliche Partner aller freien Berufe“ gewesen sei. Sollte sich das zerrüttete Verhältnis irgendwann wieder ändern, dann „sicherlich nicht in nächster Zeit“, so Schmidt im „Cicero“.

Es ist nicht die erste Frontalkritik von Schmidt gegenüber seiner eigenen Partei. Schon bei seiner Begrüßungsrede auf der Expopharm 2017 ging der ABDA-Präsident hart ins Gericht mit den Liberalen. Insbesondere hatte ihn damals der Werbeslogan „Digital first, Bedenken second“ aufgeregt. Dieser bringe zum Ausdruck, dass der Prozess um seiner selbst willen und „ohne Rücksicht auf möglicherweise übergeordnete Werte und Interessen“ gestartet werden solle. Ehrlicher wäre aus Sicht von Schmidt: „Digital first – Nachdenken second“.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Artikel im Cicero

von Conny am 01.02.2019 um 14:12 Uhr

Bei apotheken adhoc wird auch dieser Artikel kommentiert. Dort kommt Lindner auch nicht gut weg. ( mit seiner Firma ist Fakt ! ) und hier wird wegen dem Wort Schwätzer gleich gelöscht.

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Apotheker/FDP

von Dr.Diefenbach am 01.02.2019 um 11:56 Uhr

Da hat FS völlig recht,die herablassende Weise von Lindner und anderen Jungdynamikern ist unerträglich.In Hessen bekam man das auch schon zu spüren.Man darf aber nicht vergessen,dass "Grossindustrielle" unter uns Pharmazeuten eigentlich wenig Interesse an den Betrieben vor Ort haben und diese Leute pusten in das selbe Horn wie die Parteiführung .Man fühlt sich halt wichtig und als was Besseres-weil man eben dem "Grosskapital" eher zugeneigt ist als -oft-gesundem Menschenverstand und gesundem Sozialverhalten.Das drückt auch der Zahlenwert bei Wahlen aus.

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