AkdÄ Drug Safety Mail

Hepatitis-C-Therapie bei Diabetikern: Erhöhtes Hypoglykämierisiko beachten

Stuttgart - 30.01.2019, 16:30 Uhr

Häufige Kontrolle: Zu Beginn der Hepatitis-C-Behandlung bei
Diabetikern muss der Blutzucker engmaschig überwacht werden. (m / Foto: fovoto / stock.adobe.com)

Häufige Kontrolle: Zu Beginn der Hepatitis-C-Behandlung bei Diabetikern muss der Blutzucker engmaschig überwacht werden. (m / Foto: fovoto / stock.adobe.com)


Werden Diabetiker mit direkt wirkenden antiviralen Arzneimitteln wie Sofosbuvir oder Daclatasvir gegen Hepatitis C behandelt, kann das auch Einfluss auf die diabetische Stoffwechsellage haben. Sie verbessert sich in der Regel. Darauf weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hin. Bei Bedarf müsse die Diabetesmedikation angepasst werden, heißt es.

Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) sind mit einer erhöhten Prävalenz von Typ-2-Diabetes assoziiert. Das weiß man aus epidemiologischen Studien. Auch scheint eine HCV-Infektion bei Diabetespatienten die glykämische Kontrolle zu verschlechtern. Verschiedene Mechanismen spielen dabei wohl eine Rolle: Auf der einen Seite Entzündungsfaktoren, die in der Leber die Insulinwirkung beeinträchtigen und eine direkte Auswirkungen des Virus auf die Insulin-Signaltransduktion. Andererseits scheinen aber auch die Insulinresistenz bzw. der Typ-2-Diabetes den Verlauf der Hepatitis-C-Infektion negativ zu beeinflussen. So konnte gezeigt werden, dass sowohl das Risiko für Fibrose als auch das Risiko für Leberzellkarzinome steigt. Behandelt man die Infektion mit direkt wirkenden antiviralen Arzneimitteln, wirkt sich das hingegen positiv auf die diabetische Stoffwechsellage aus.

Das muss allerdings bei der Diabetestherapie berücksichtigt werden. Darauf weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in einer Drug Safety Mail hin. Werde die Diabetesmedikation unverändert fortgeführt, können potenziell symptomatische Hypoglykämien auftreten, warnt die AkdÄ. 

Therapiestart: Blutzucker engmaschig checken

Daher sollte zu Beginn der Hepatitis-C-Behandlung bei Diabetikern der Blutzucker engmaschig überwacht werden, vor allem in den ersten drei Monaten. Gegebenenfalls müsse die Diabetesmedikation angepasst werden. In jedem Fall sollte der Hausarzt oder Diabetologe, der für die Diabetesbehandlung zuständig ist, darüber informiert werden, dass eine Hepatitis-C-Therapie mit direkt wirkenden Antiviralia begonnen wird.

Betroffene Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen

Daclatasvir, Dasabuvir, Elbasvir/ Grazoprevir, Glecaprevir/Pibrentasvir, Ledipasvir/Sofosbuvir, Ombitasvir/Pariteprevir/Ritonavir, Sofosbuvir, Sofosbuvir/Velpatasvir, Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir.

Bei Diabetikern, die in der Apotheke Rezepte über entsprechende Hepatitis-C-Wirkstoffe einlösen, empfiehlt es sich in jedem Fall nachzufragen, ob die behandelnden Ärzte jeweils Bescheid wissen.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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