Arbeitsagentur für Arbeit

Trotz leichter Verbesserungen – Apotheker bleibt ein „Engpassberuf“

Berlin - 29.01.2019, 14:00 Uhr

Die Beschäftigungslage auf dem Apothekenmarkt hat sich laut Bundesagentur für Arbeit leicht entspannt. Trotzdem ist der Apothekerberuf nach wie vor ein Engpassberuf. (c / Foto: DAZ.online)

Die Beschäftigungslage auf dem Apothekenmarkt hat sich laut Bundesagentur für Arbeit leicht entspannt. Trotzdem ist der Apothekerberuf nach wie vor ein Engpassberuf. (c / Foto: DAZ.online)


Mit leichter Verspätung hat die Bundesagentur für Arbeit ihre sogenannte „Fachkräfteengpassanalyse“ veröffentlicht. Darin werden Berufsgruppen identifiziert, in denen die Arbeitsmarktlage angespannt ist. Auch in Apotheken bleiben die bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen weiterhin überdurchschnittlich lange vakant und die Relation zwischen Arbeitslosen und Stellen lag weiter im unteren Bereich – trotz leichter Verbesserungen.

Während in der Politik vornehmlich über den Rückgang der Apothekenzahl diskutiert wird, zeigt sich im Apothekenmarkt seit einigen Jahren eine weitere Entwicklung: Denn es gibt nicht nur einen Mangel an neuen Inhabern, sondern auch an angestellten Apothekern: Viele Apothekenleiter und -inhaber müssen monatelang warten, bis sie offene Stellen besetzen können. Seit Ende 2016 ist der Beruf Apotheker/-in daher in der sogenannten Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit gelistet. Die Analyse erscheint zweimal pro Jahr, jeweils im Januar und im Juni.

Und auch in der neu erschienenen Analyse, die alle offiziellen „Engpassberufe“ enthält, sind die Apotheker neben Altenpflegern, Krankenpflegern und Klempnern zum fünften Mal in Folge enthalten. Die Auswertung bezieht sich auf die Monate April bis Oktober 2018.

Was ist ein Engpassberuf?

Damit ein Beruf offiziell zum Engpassberuf erklärt wird, müssen folgende Kriterien vorliegen: Die Vakanzzeit – also die Zeit, in der Stellen im Durchschnitt unbesetzt blieben – muss 40 Prozent über dem Durchschnitt aller Berufe liegen. Zweitens muss die Relation von Arbeitslosen zu offenen Stellen, also die Zahl der Arbeitssuchenden, die sich auf eine offene Stelle bewerben, kleiner als vier sein. Drittens wird die berufsspezifische Arbeitslosenquote gemessen: Diese sagt aus, wie viele Arbeitssuchende es im Verhältnis zu Berufstätigen gibt. Die Quote muss kleiner als 3 Prozent sein, um den Beruf als „Engpassberuf“ oder auch „Mangelberuf“ zu qualifizieren.

Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2017 hat sich die Lage 2018 aber leicht verbessert: Im Schnitt mussten Apothekenleiter 140 Tage lang warten, bis sie eine Stelle besetzen konnten. In der zweiten Hälfte des Jahres 2017 waren es noch 143 Tage. Damit liegen die Apotheker auch „nur“ noch 24 Prozent über der durchschnittlichen Vakanzzeit in den anderen Berufsgruppen – und wären somit eigentlich kein „Mangelberuf“ mehr.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Arme angestellte Approbierte

von Armin Spychalski am 30.01.2019 um 13:06 Uhr

Immer wieder klingt in den verschiedensten Beiträgen an, die angestellten Apotheker seien unterbezahlt, ich kann das so nicht nachempfinden. Von der deutlich verringerten Verantwortung verglichen mit dem Selbständigen einmal abgesehen, nur allein nach dem Nominallohn: Ein Vollzeit-Apotheker mit 40 Wochenstunden verdient ab dem 11. Berufsjahr, mit 13. Gehalt und einer sehr moderaten Zulage von sagen wir mal 120 Euro monatlich bereits soviel, dass sein Einkommen dem Spitzensteuersatz unterliegt. Wenn das arm ist, dann weiß ich auch nicht, dann hat das was mit überzogenen Ansprüchen zu tun. Und wenn wir schließlich noch das Fass aufmachen wollen, dass in anderen Branchen mehr verdient wird, dann kann ich gleich Äpfel mit Birnen vergleichen. Bei der Rentabilität so mancher öffentlichen Apotheke, wäre es fahrlässig höhere Zulagen, Gratifikationen, Boni zu bezahlen. Im übrigen müssen Tariflöhne jedem Betrieb gerecht werden, ein Spagat, der kaum noch oder schon nicht mehr gelingt.

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AW: Arme angestellte Approbierte

von Helber am 02.02.2019 um 16:33 Uhr

Schön wäre es, ein Angestellter Apother würde den Spitzensteuuersatz zahlen. Mit 56 Tsd.brutto, wie der Schreiber hier meint, hat man als Akademiker ein niedriges Einkommen, viele Branchen zahlen das bereits für den Anfänger nach dem Studium. Und der Steuersatz für die 56 Tsd beträgt nur etwa 35 %!

AW: Zu versteuerndes Einkommen ungleich Bruttoeinkommen ungleich Lohnkosten AG

von Armin Spychalski am 04.02.2019 um 10:09 Uhr

Danke, für den Hinweis, Helber. Bruttoeinkommen darf keinesfalls mit dem zu versteuernden Einkommen (zvE) verwechselt werden, korrekt. Die zunehmende Diskrepanz zur Ertragskraft kleinerer Apotheken aber bleibt. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass die zu finanzierenden Gesamtkosten Arbeitgeber beträchtlich höher liegen als das Bruttoeinkommen des Angestellten. Wie lassen sich eben diese Apotheken fortführen, wenn die Lohnansprüche der AN weiter steigen?

Apothekenkiller...

von Vertretungsapotheker am 30.01.2019 um 10:21 Uhr

...das sind die Apotheker leider selbst. Meine Erfahrung aus mehreren Jahren Vertretungsarbeit ist leider tatsächlich, dass viele (Apotheker und PTA zugleich) wollen kein mehr an pharmazeutischer Verantwortung und pharmazeutischen Aufgaben. Zuvorderst sind das vor allem die nicht frisch approbierten. Jene die unsere Politik in der Vergangenheit maßgeblich beeinflusst haben.
Daher ist das Problem hausgemacht.
Dazu kommt, selbst wenn man mehr vergütete Dienstleistungen anbieten wollen würde, um den ganzen Beruf attraktiver zu machen, dann müssten alle mal aus ihrer Lethargie erwachen und dafür kämpfen. Aber so viel Engagement sieht von der ABDA-Spitze bis hin zur Basis nicht.

Pflichtjahre wie es sich die Kollegin und der Kollege vor mir wünschen halte ich für unsinnig. Schließlich haben wir zwar einen öffentlichen Versorgungsauftrag, aber die öffentliche Apotheke bleibt Teil der Privatwirtschaft. Das würde nur dazu führen, dass die jungen Approbierten direkt ins Ausland flüchten.

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Nachwuchsmangel

von Nachdenker am 30.01.2019 um 7:01 Uhr

Das Problem ist hausgemacht! Zum Einen kann es nicht sein, dass Absolventen, denen der Staat ein sehr teures Studium finanzierte, ins Ausland gehen, in die Industrie etc. wiel dort mehr Geld verdient wird. Klar, kann keine öffentliche Apotheke diese Gehälter mitziehen. Aber eine temporäre Pflicht, in die öffentliche Apotheke zu gehen, ist Gebot der Stunde. Viele Absolventen gehen zu Kammern und Verbänden - haben eine Apotheke nur während des Praktikums von innnen gesehen. Auch das ist ein no go! Nächstes Problem: wer tut sich noch täglich diesen bürokratischen Wahnsinn an, der NICHTS mit unserem Beruf zu tun hat? Wenn ich alle Temperaturkontrollen, Unterschriften auf Reinigungslisten, DSGVO Papier ausgefüllt, 8-10 Seiten Doku für eine Rezeptur ausgefüllt habe, wenn ich alle Retaxationen abgearbeitet habe, alle Vorgaben aus dem QMH umgesetzt habe, mich mit Securpharm etc. pp. befaßt habe, dann ist es mindestens 10 Uhr und meine Patienten haben mich noch nicht gesehen. Für Medikationschecks, wirklich pharmazeutsiche Probleme etc. ist da keine Zeit mehr. Wer tut sich das an? Drittens: die Generation Y möchte work - life-balance. D.h. kein Nachtdienst, keine Spätdienste, kein Samstag Dienst. Diese Generation möchte für sich Service rund um die Uhr, den sie selbst zu leisten nicht bereit ist. Viertens: Besonders im Osten wurden pharmazeutische Fakultäten geschlossen. Welche Arroganz! Der Mangel an Apothekern ist hausgemacht. Wer hat Filialisierung einst voran getrieben...???

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AW: Nachwuchsmangel

von Apothekerin auf dem Lande am 30.01.2019 um 9:17 Uhr

Lieber Kollege,
sie sprechen mir aus der Seele!
Gerade gestern haben wir alle im Team darüber gesprochen. Securpharm ist ein weiterer APOTHEKENKILLER. Noch mehr für unsere Patienten unverständliche Arbeit, noch mehr Möglichkeiten, dass der Patient sein Medikament nicht gleich bekommt. Noch mehr Arbeit für uns, die nicht befriedigt sondern nervt. Sie sagen es! Wer tut sich das noch an?
Ich suche jetzt seit 14 Monaten eine weitere approbierte Kraft. Junge Leute antworten erst gar nicht mehr. Landapotheke! Nein Danke!
Kein Wunder, dass viele von uns aufgeben müssen.
Und Ja, wir hätten auch gerne 2-5 Pflichtjahre in der öffentlichen Apotheke. Aber wie soll das gehen?

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