US-Datenbankanalyse

Opioid-Krise: Welche Rolle spielt die Pharmaindustrie?

Berlin - 28.01.2019, 13:45 Uhr

Mehr Rezepte durch Sponsoring:  Einer amerikanischen
Studie zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen finanziellen
Zuwendungen und Überdosierungen.  ( r / Foto: imago)

Mehr Rezepte durch Sponsoring:  Einer amerikanischen Studie zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen finanziellen Zuwendungen und Überdosierungen.  ( r / Foto: imago)


Fördert das Analgetika-Marketing die Zahl der Drogentoten? Einer US-amerikanischen Studie zufolge besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen finanziellen Zuwendungen an verschreibende Ärzte und tödlichen Überdosierungen. Auch wenn die Datenbankanalyse lediglich eine Assoziation, nicht aber eine Kausalität zeigen kann, empfehlen die Autoren aufgrund der Opioid-Krise, den Einfluss der Pharmaindustrie zu überprüfen.

Die Opioid-Epidemie in den USA fordert pro Jahr mehr als 70.000 Todesopfer. Bei 40 Prozent der tödlichen Überdosierungen war eine ärztliche Verschreibung im Spiel. Und häufig haben Konsumenten das Betäubungsmittel zuvor vom Arzt verschrieben bekommen, bevor sie auf illegale Bezugsquellen umgestiegen sind. Spielen finanzielle Zuwendungen seitens der Pharmaindustrie eine Rolle?

Amerikanische Forscher gingen dieser Fragestellung in einer Datenbankanalyse auf den Grund. Die Ergebnisse wurden vor einigen Tagen im Journal of the American Medical Association veröffentlicht.

Sponsoring und Zahl der Drogentoten

In den USA sind Arzneimittelhersteller gemäß des „Physician Payments Sunshine Act“ nämlich dazu verpflichtet, ihre Zahlungen an Ärzte offen zu legen. Diese Daten sind in der „Open Payment Database“ einzusehen. Scott Hadland und Kollegen werteten die Zahlungen der Opioidhersteller an Mediziner zwischen dem 1. August 2013 und dem 31. Dezember 2015 aus.

Diese Marketinginvestitionen brachten die Wissenschaftler vom Boston Medical Center mit den Fällen von Opioid-Verschreibungen sowie Überdosierungen in Zusammenhang, die zeitversetzt ein Jahr später aufgetreten waren.

40 Millionen Dollar in 29 Monaten

Insgesamt zahlten die Opioidhersteller an 67.507 Ärzte in 2208 Bezirken etwa 39,7 Millionen Euro. Diese insgesamt 434.754 Einzelzahlungen erfolgten in einem reinen marketing- und nicht forschungsbezogenem Kontext. Hadland und Kollegen konnten auf regionaler Ebene eine positive Korrelation zu den tödlichen Überdosierungen, die sich zwischen dem 1. August 2014 und dem 31. Dezember 2016 ereigneten, nachweisen. Dabei wurde das Investitionsvolumen pro 1000 Menschen, die in einem Bezirk leben, hochgerechnet.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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