ABDA-Eckpunktepapier

Schmidt: Unser Papier schafft das, was Spahns Vorschlag nicht schafft

Berlin - 18.01.2019, 17:00 Uhr

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt findet das Eckpunktepapier der ABDA besser als die Vorschläge von Jens Spahn. (Foto: Schelbert)

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt findet das Eckpunktepapier der ABDA besser als die Vorschläge von Jens Spahn. (Foto: Schelbert)


In einer Videobotschaft auf der ABDA-Internetseite wirbt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt für das von der ABDA-Mitgliederversammlung verabschiedete Eckpunktepapier. Schmidt berichtet von einer „langen und anstrengenden“ Versammlung und freut sich über das einstimmige Ergebnis. Das Papier der ABDA erreiche die Wiederherstellung der Rx-Preisbindung auch im grenzüberschreitenden Arzneimittel-Versand – und somit mehr als die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Die ABDA-Mitgliederversammlung hat nach einer rund 7-stündigen Sitzung am gestrigen Donnerstag ein politisches Eckpunktepapier zu einer Reform des Apothekenmarktes verabschiedet. Darin enthalten sind zahlreiche Verbesserungen und Umstellungen am Apothekenhonorar, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in seinem Eckpunktepapier bereits im Dezember vorgeschlagen hatte. Neu hinzugefügt haben die Apotheker allerdings ein striktes Rx-Boni-Verbot gegenüber GKV- und PKV-Versicherten. Gestrichen wurden wiederum ein von Spahn geplanter Boni-Deckel, eine Marktanteil-Grenze für EU-Versender sowie einige Klarstellungen zum Botendienst.

Am heutigen Freitag reagierten bereits zahlreiche Gesundheitspolitiker auf den Vorschlag der ABDA. Spahn selbst will das ABDA-Paket prüfen, in der Unionsfraktion sieht man ein Entgegenkommen der ABDA – auch SPD und Grüne haben reagiert. Auf der Internetseite der ABDA ist nun ein Video zu sehen, in dem ABDA-Präsident Friedemann Schmidt das Papier nochmals kurz vorstellt und dafür wirbt.

               

Schmidt berichtet davon, dass die Mitgliederversammlung lange gedauert habe, sehr anstrengend gewesen sei, aber immer „konstruktiv und detailliert“. Man habe geschafft, nach außen das Signal zu senden: „Wir wollen was erreichen.“ Zum zentralen Thema des ABDA-Papiers, also dem Rx-Boni-Verbot, sagt Schmidt: „Dazu machen wir einen Vorschlag, wie man über eine Einbindung der Arzneimittelpreisverordnung ins Sozialrecht die grenzüberschreitende Preisbindung wiederherstellen kann – also genau das, was Jens Spahn mit seinen Vorschlägen nicht erreicht, das erreichen wir mit unserem Vorschlag.“

Der zweite „wichtige Komplex“ des ABDA-Papiers seien die Vorschläge zu den pharmazeutischen Dienstleistungen. Hier hatte Schmidt nach der Versammlung am gestrigen Donnerstag angekündigt, dass die ABDA-MV erstmals solche Leistungen besprochen habe und formuliert habe, wie sie in der Apotheke angeboten werden könnten. Im Video sagt Schmidt, dass dieser Bereich für die Apotheker die stärksten Chancen mit sich bringe. Schließlich leben die Pharmazeuten in einem „sehr stark regulierten Umfeld“. Und diese Regulatorik werde von den „europäischen Institutionen“ immer stärker hinterfragt – und die pharmazeutischen Dienstleistungen böten den Apothekern die Chance, sich davon unabhängiger zu machen.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

Tausend Frau/Mannstunden - und jetzt ...?

von Gunnar Müller, Detmold am 19.01.2019 um 13:33 Uhr

Schön, dass sich die ABDA-MV entschlossen hat, sich nicht ein viertes Mal hinter die Fichte locken zu lassen und ebenso wie wir einen eigenen (Gegen-) Vorschlag zu machen.
Jetzt sind die Politiker dran, daraus etwas zu machen – und ihren frommen Schwüren nun endlich auch einmal Taten folgen zu lassen und die deutschen Apotheken zu retten…

Und zur Not gibt es dann ja auch noch den von uns BasisApothekern aus Westfalen-Lippe vorgelegten Plan C, über einen gestaffelten Apothekenabschlag endlich eine Strukurreform herbeizuführen, der den kleineren Apotheken wirklich hilft …

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Die „grenzüberschreitende Preisbindung„ wird dann von Amazon „abgeschafft“ werden ...

von Christian Timme am 19.01.2019 um 11:38 Uhr

Europa hin oder her ... solange „Brüssel lockt“ werden unsere Politiker „die Füße still halten“ ...

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Ja, mal langsam...

von Christian Redmann am 19.01.2019 um 10:30 Uhr

... trotz aller "Thump-ups", "Likes" und schulterklopferischem "Gut gemacht".

Erstmal Ball flach halten - wie Frau Dittmar schon sagte: nicht die ABDA sondern die Politik entscheidet. Jetzt ist allenthalben Überzeugungsarbeit zu leisten und - das DARF man nicht vergessen - ebenso überzeugend kommunizieren, dass das Rx-VV keineswegs aufgegeben und vom Tisch, sondern allenfalls in die zweite Reihe und als "wenn nicht, dann"-Forderung gemäß Koalitionsvertrag noch im Raum steht.

Von "wir schaffen, was der andere nicht schafft" kann keine Rede sein, weil de facto keiner aktuell irgendetwas "geschafft" hat, sondern ein Vorschlag (zugegebenermaßen vordergründig erpesserisch formuliert, laut Aussagen) mit einem Gegenvorschlag gekontert wurde.

Da ist noch viel Spielraum - leider auch zu unseren Ungunsten.

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„Schaffen“ entscheidet sich fürs Papier und nicht für den Vorschlag ...

von Christian Timme am 19.01.2019 um 0:37 Uhr

Im „selbstgemachten Oberwasser“ ... schwimmt sogar „eigenes Papier“ ...

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