Neubewertung

EMA: Omega-3-Fettsäuren nicht wirksam zur Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Stuttgart - 18.12.2018, 09:00 Uhr

Omega-3-Fettsäuren wirken in der Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt nicht, sagt die EMA. (r / Foto: Stocksnapper / stock.adobe.com)

Omega-3-Fettsäuren wirken in der Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt nicht, sagt die EMA. (r / Foto: Stocksnapper / stock.adobe.com)


Die EMA hat die Datenlage zur Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren in der Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt neu bewertet. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Arzneimittel in dieser Indikation nicht wirksam sind und nicht weiter zugelassen sein sollen. Wie die EMA betont, gebe es keine Sicherheitsbedenken. Zur Senkung der Triglyceridwerte könnten die Mittel weiter eingenommen werden heißt es.

Omega-3-Fettsäuren sind nicht nur als Nahrungsergänzungs-, sondern auch als Arzneimittel auf dem Markt. Diese sind unter anderem zugelassen zur unterstützenden Behandlung bei der Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt. Sie werden dann zusätzlich zu einer Standard-Behandlung, wie Statinen, Thrombozytenaggregationshemmern, Betablockern oder ACE-Hemmern gegeben. Die jeweiligen Präparate enthalten eine Mischung aus EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosa­hexaensäure) und zwar jeweils in Form der Ethylester. Handelsnamen sind beispielweise Omacor, Zodin Omega-3, Omega-3 Ratiopharm und mehr. Sie sind als verschreibungspflichtige Arzneimittel im Handel.

Die EMA hat die Wirksamkeit dieser Arzneimittel neu bewertet und kommt zu dem Schluss, dass entgegen früherer Einschätzungen die Mittel nicht wirksam sind, einen erneuten Herzinfarkt oder kardiovaskuläre Probleme bei Patienten, die bereits einen Infarkt hatten, zu verhindern. Zur Zeit der Zulassung hatten die damals verfügbaren Daten auf einen moderaten diesbezüglichen Effekt hingewiesen. 

Mehr zum Thema

Wegweisende Studien zu Omega-3-Supplementen mit scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen

Fischöl ist nicht gleich Fischöl

Neuere Daten bestätigten dies aber nicht, so die EMA. Obwohl keine Sicherheitsbedenken vorliegen, erachtet die EMA das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Arzneimittel zur Sekundärprävention von Herzerkrankungen und Schlaganfällen nun als negativ. Geht es nach der Aufsichtsbehörde werden die Arzneimittel künftig nicht mehr in dieser Indikation eingesetzt werden. Die endgültige Entscheidung darüber obliegt jedoch der Kommission. Nicht betroffen von dem Review war die zweite Indikation der Arzneimittel, die Hypertriglyceridämie. Zur Senkung der Triglyceridwerte könnten die Mittel weiterhin eingenommen werden, heißt es.

Omega-3-Supplemente: zwei Studien mit scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen

Die Diskussion um Wirksamkeit beziehungsweise Nichtwirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren unter anderem zur Prävention und ergänzenden Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen wird derzeit kontrovers geführt. Vor diesem Hintergrund haben zwei Studien für großes Aufsehen gesorgt, die zeitgleich im „New England Journal of Medicine“ publiziert wurden und die scheinbar komplett gegensätzliche Ergebnisse liefern. Allerdings nur auf den ersten Blick. So konnte in der VITAL-Studie mit einem handelsüblichen Fischöl-Supplement (1 g/Tag mit 460 mg Eicosapentaensäure und 380 mg Docosa­hexaensäure) kein signifikanter Effekt in der primärpräventiven Anwendung unter anderem kardiovaskulärer Ereignisse gezeigt werden. Die Ergebnisse der REDUCE-IT-Studie hingegen zeigten, dass die sekundärpräventive Anwendung eines hochdosierten Eicosapentaensäure-Ethylesters (4 g/Tag) schwere kardiovaskuläre Ereignisse einschließlich des kardiovaskulären Todes bei Risikopatienten signifikant reduzieren kann. Somit scheinen Omega-3-­Fettsäuren tatsächlich ein therapeutisches Potenzial zu haben, allerdings nicht in der bislang üblichen Anwendung von Omega-3-Fettsäure-Supplementen in der Primärprävention mit niedrig dosierten, chemisch unveränderten – „natürlichen“ – Omega-3-Fettsäuren. So könnte zum Beispiel die biochemische Modifizierung der Omega-3-Fettsäuren (wie in Form der Eicosapentaensäure-Ethylester geschehen) und die deutliche Höherdosierung zielführend sein. Außerdem gilt es weitere prädiktive Faktoren zu identifizieren.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Hersteller forderten weitere Überprüfung

EMA erteilt Omega-3-Fettsäuren erneute Absage

Wegweisende Studien zu Omega-3-Supplementen mit scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen

Fischöl ist nicht gleich Fischöl

Nahrungsergänzung & KARDIOVASKULÄRES RISIKO  

Omega-3-Fettsäuren: Ein leeres Versprechen?

Anhaltende Debatte um Sinn und Unsinn der Supplementation

Omega-3-Fettsäuren beschäftigen EMA

Hochrisikopatienten profitieren nicht

Omega-3-Fettsäuren enttäuschen

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.