Ärzteverband kritisiert Pläne zur Studienplatzvergabe

„Überbetonung der Abiturnote wird verstärkt“

Stuttgart - 11.12.2018, 12:30 Uhr

Der Marburger Bund kritisiert den Entwurf des Staatsvertrags zur Reform der Hochschulzulassung. (c / Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.com)

Der Marburger Bund kritisiert den Entwurf des Staatsvertrags zur Reform der Hochschulzulassung. (c / Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.com)


Vergangene Woche hatten die Kultusminister der Länder ihren Vorschlag für eine Reform der Hochschulzulassung für Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie vorgestellt. Der Marburger Bund hat so einiges daran auszusetzen, unter anderem die Erhöhung der Abiturbestenquote. Das verstärke die Überbetonung der Note heißt es. Insgesamt fehle den Kultusministern der Mut zu einer grundlegenden Reform.

Eine Erhöhung der Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent, der Wegfall der Wartezeitquote und eine „zusätzliche Eignungsquote“ von 10 Prozent, anhand der Bewerber nur schulnotenunabhängig ausgewählt werden und die unter anderem den Langzeitwartenden nützen soll: So lauten unter anderem die Vorschläge der Kultusministerkonferenz der Bundesländer (KMK) zur Neuregelung der Vergabe der Studienplätze im Zentralen Vergabeverfahren. Das betrifft neben Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin auch die Pharmazie. Am vergangenen Donnerstag hat das Gremium sich auf den Entwurf eines zwischen den Ländern zu schließenden Staatsvertrags verständigt. Ganz freiwillig geschah das, zumindest was die Medizin betrifft, nicht. Das Bundesverfassungsgericht hatte eine Neuregelung gefordert, nachdem es zu dem Schluss gekommen war, dass die bundes- und landesgesetzlichen Vorschriften über das Verfahren zur Vergabe von Studienplätzen an staatlichen Hochschulen im Fach Medizin zumindest teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar sind. Bis Ende 2019 wurde dem Gesetzgeber Zeit gegeben diese verfassungsrechtlichen Bedenken zu beseitigen. Dieser ist das Thema nun angegangen, und zwar nicht nur für die Medizin, sondern auch für die Zahn- und Tiermedizin sowie die Pharmazie.

Beim Marburger Bund, der die Interessen der nicht-selbständigen Ärzte vertritt, kommen die Vorschläge jedoch nicht gut an. In einer Pressemitteilung hat er seine Kritikpunkte veröffentlicht. So habe die Kultusministerkonferenz der Länder einen Formelkompromiss zustande gebracht, wo einheitliche, strukturierte und transparente Vorgaben notwendig gewesen wären, kritisiert Victor Banas, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund. Besonders enttäuschend findet es der Ärzteverband, dass er keine Bereitschaft erkennt, dass die Länder die Anzahl der Studienplätze im Fach Medizin merklich erhöhen wollen.

Außerdem stört sich der Marburger Bund daran, dass die Abiturbestenquote erhöht werden soll. Damit werde die Überbetonung der Abiturnote noch weiter verstärkt Man hab sich immer dafür ausgesprochen, den Kriterien der Berufseignung größeres Gewicht zu geben, heißt es. Wie das aussehen könnte, dazu hat Banas auch einen Vorschlag. Man hätte die bisherigen Hauptquoten zu einer neuen Hauptquote zusammenführen können. In dieser neuen Quote wären die Ergebnisse des Schulabschlusses niedriger als bisher zu gewichten und weitere Auswahlkriterien mit entsprechender Aussagekraft, wie beispielsweise Sozialkompetenz und Motivation, stärker und möglichst bundeseinheitlich zu berücksichtigen. Es wäre in den Augen des Vorsitzenden des Sprecherrates besser gewesen, wenn die Kultusminister dazu den Mut gehabt hätten.


jb / DAZ.online
redaktion@daz.online


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