Versandhandelskonflikt

Forsa-Umfrage: Knappe Mehrheit gegen das Rx-Versandverbot

Berlin - 11.12.2018, 10:15 Uhr

VZBV-Chef Klaus Müller hat sich im Versandhandelskonflikt wieder einmal zu Wort gemeldet und fordert den Erhalt des Rx-Versandes. (Foto: dpa)

VZBV-Chef Klaus Müller hat sich im Versandhandelskonflikt wieder einmal zu Wort gemeldet und fordert den Erhalt des Rx-Versandes. (Foto: dpa)


Am heutigen Dienstag will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Apothekern seine Pläne für den Apothekenmarkt vorstellen. Am gestrigen Montag platzierte die Monopolkommission in letzter Minute noch den Wunsch, die Apothekenpreise komplett freizugeben. Kurz vor Spahns Auftritt bei der ABDA meldet sich nun auch nochmals der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit einer Umfrage zu Wort und fordert den Erhalt des Rx-Versandes.

In einer Umfrage für den vzbv befürworteten 36 Prozent der Befragten ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Dagegen sprachen sich 51 Prozent aus. Das Institut Forsa befragte vom 14. bis 21. November 1005 deutschsprachige Menschen ab 18 Jahren.

Der vzbv hat mit Blick auf die Umfrage vor einem pauschalen Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten gewarnt. „Versandapotheken ersetzen die Apotheken vor Ort nicht, sondern bieten ein zusätzliches Versorgungsangebot“, sagte der Chef des vzbv, Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei eine seit Jahren etablierte und sichere Ergänzung und entspreche den Bedürfnissen vieler Verbraucher.

Ein Verbot von Online-Bestellmöglichkeiten löste nicht die grundlegenden Probleme von Apotheken in dünn besiedelten Regionen, erläuterte der vzbv. Stattdessen sollte die Honorierung überprüft werden, indem etwa Beratungsleistungen stärker berücksichtigt würden. „Die wichtigste Aufgabe des Apothekers ist nicht die reine Packungsabgabe, sondern die Vermittlung seines Fachwissens“, sagte Müller. Ein erster Schritt könne sein, Apotheker bei Medikationsplänen mehr einzubinden. 

Schon seit dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung wird der vzbv nicht müde, die Bedeutung des Rx-Versandhandels zu betonen. Im DAZ.online-Interview erklärte vzbv-Gesundheitsexperte Kai-Helge Vogel kurz nach dem Urteil, dass er sich Rx-Boni für Patienten vorstellen könne, die nicht zuzahlungsbefreit befreit sind. Erst kürzlich stellte der Verbraucherschützer-Verband seinen Jahresbericht vor, in dem dem Rx-Versand nochmals ein ganzes Kapitel gewidmet wurde.


bro / dpa
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Stillschweigen !

von Christian Giese am 11.12.2018 um 10:35 Uhr

Hauptsache, die Apotheker haben auf ihre Öffentlichkeitsarbeit, Propagandamittel verzichtet, und wundern sich, wer da jetzt urplötzlich dagegenhält.
Hauptsache Stillschweigen!
???

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