Engpass Influenzavakzine 2018/19

Grippeimpfstoffe: Der Markt ist leer

Stuttgart - 10.12.2018, 07:00 Uhr

Der Markt an Grippeimpfstoffen scheint leergefegt – in Deutschland und Europa. (m / Foto: Trsakaoe / stock.adobe.com)

Der Markt an Grippeimpfstoffen scheint leergefegt – in Deutschland und Europa. (m / Foto: Trsakaoe / stock.adobe.com)


Verteilungsproblem, Engpass, Import? Entspannung? Wie ist die Lage bei Grippeimpfstoffen? So richtig scheint niemand informiert, ob es noch Influenzavakzine gibt, wo es welche gibt und, ob diese dann auch nach Deutschland importiert werden können. Denn der Markt ist offenbar leergefegt, in Deutschland, der EU und den USA. Das erklärt zumindest ein Teilnehmer der LAGI-Sondersitzung zu den Engpässen in Bayern und die auf Importe spezialisierte Ilapo aus München. Doch: Es gibt noch Influenzavakzine – nämlich trivalente.

Die Lage um Grippeimpfstoffe war angespannt, eigentlich bereits seit Beginn der Saison. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die für Impfstoffe in Deutschland zuständige Bundesoberbehörde, untersuchte die Lage. Sowohl PEI als auch die Politik sprachen sodann von einem „Verteilungsproblem“. Dem wollte man entgegenwirken – das Bundesgesundheitsministerium (BMG) veröffentlichte am 23. November eine Bekanntmachung im Bundesanzeiger und machte somit den Weg frei, den Grippeimpfstoff unbürokratisch unter Ärzten und Apothekern auszutauschen und gleich zu „verteilen“. Jedoch ermöglicht § 79 Abs. 5 des Arzneimittelgesetzes gegebenenfalls auch zugleich den Import von Grippeimpfstoffen aus der EU und den Verkehr derselbigen in Deutschland, auch wenn sie hier keine Zulassung haben. Diese Aussichten ließen zumindest kurz aufatmen. Die Länder kamen in die Pötte, erließen Allgemeinverfügungen, machten diese bekannt und der Weg für die Großhandlungen zum Import von Grippeimpfstoffen schien frei.

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Entspannung: Hessen wollte sich kümmern, auch Sachsen verlautete, dass Apotheker direkt bei Mylan bestellen könnten, und Bayern „sicherte“ laut Dr. Hans-Peter Hubmann in der Süddeutschen Zeitung 20.000 französische Grippeimpfstoffe. Und auch Baden-Württemberg will nun importieren. Allerdings gestaltet sich dies alles nicht ganz so trivial, wie vielleicht ursprünglich gedacht, und die Euphorie ob der in Aussicht gestellten Vakzine schrumpft wie ein Luftballon mit Loch. Mittlerweile rudern die Akteure wieder zurück.

So wurde gestern bekannt, dass die 20.000 französischen Grippeimpfstoffe vielleicht zu optimistisch waren, und die Franzosen sie vielleicht doch lieber selbst verimpfen mögen – denn der zuständige Importeur Kohlpharma kann seine Zusage wohl nicht halten. Sanacorp, der Pharmagroßhandel, über den die potenziell importierten Impfstoffe hätten ausgeliefert werden sollen, erklärt: „Das Importthema gestaltet sich schwierig, verlässlich können wir nichts sagen.“ In einer Mitteilung an die Apotheken erklärt die Sanacorp: „Aufgrund der kurzfristig stark erhöhten Nachfrage auf dem französischen Markt haben sich kurzfristig Probleme bei der Verfügbarkeit ergeben. Deshalb kann die Lieferzusage für den avisierten Impfstoff nicht mehr aufrecht erhalten werden.“ Es sei nicht klar, ob und wann welche Mengen an französischen Impfdosen zur Auslieferung kämen. Gibt es also überhaupt noch Grippeimpfstoff – irgendwo in der EU? Es sieht wohl eher schlecht aus.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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