Bekanntmachung im Bundesanzeiger

Versorgungsmangel bei Grippeimpfstoffen offiziell

Stuttgart - 23.11.2018, 16:30 Uhr

Das Bundesgesundheitsministerium gibt einen Versorgungsmangel an Grippeimpfstoffen im Bundesanzeiger bekannt. (b/ Foto: imago)

Das Bundesgesundheitsministerium gibt einen Versorgungsmangel an Grippeimpfstoffen im Bundesanzeiger bekannt. (b/ Foto: imago)


Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag den Import von Grippeimpfstoffen aufgrund eines Versorgungsmangels angekündigt hat, ist dieser Mangel am heutigen Freitag offiziell: „Die saisonale Influenza ist eine, speziell für besondere Personengruppen, lebensbedrohliche Erkrankung. Es besteht in Deutschland ein Mangel der Versorgung der Bevölkerung mit in Deutschland zugelassenen saisonalen Influenzaimpfstoffen“, gibt das BMG im Bundesanzeiger bekannt - und ebnet damit den Weg für Grippeimpfstoffimporte und für ein „flexibles“ Agieren von Apothekern, Ärzten, Großhandel und Behörden.

Bereits am Montag kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Maßnahmen an, die die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Grippeimpfstoffen sichern sollen. Hintergrund hierfür sind regional mehr oder minder schwer ausgeprägte Versorgungsengpässe mit der aktuellen Influenzavakzine 2018/19. Vor einiger Zeit hatte das Paul-Ehrlich-Institut bereits die Versorgungslage mit Grippeimpfstoffen in Deutschland untersucht.

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Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) plant zwei Maßnahmen. Zum einen sollen Apotheker und Ärzte sich untereinander mit Grippeimpfstoffen versorgen dürfen. Der Bayerische Apothekerverband (BAV) war hier bereits sehr rege und koordiniert eine „Tauschbörse“ für Grippeimpfstoffe: Apotheken, die Grippeimpfstoffe im Überschuss haben, können dies melden, ebenso Apotheken, deren Grippeimpfstofflager leer ist. Zum anderen will das BMG erlauben, dass Grippeimpfstoffe aus dem EU-Ausland importiert werden dürfen. Rechtliche Grundlage liefert hierfür § 79 Abs. 5 des Arzneimittelgesetztes (AMG), der unter bestimmten Umständen ein Abweichen von den üblichen Vorgaben des AMG erlaubt, zum Beispiel was Importe oder Vertriebswege betrifft.

Dass dies möglich ist, muss jedoch ein Versorgungsmangel offiziell festgestellt und hierfür im Bundesanzeiger bekannt gemacht worden sein. Das ist am heutigen Freitagnachmittag nun geschehen. Wörtlich heißt es dort:

Was steht im Bundesanzeiger?

„Die saisonale Influenza ist eine, speziell für besondere Personengruppen, lebensbedrohliche Erkrankung.

Es besteht in Deutschland ein Mangel der Versorgung der Bevölkerung mit in Deutschland zugelassenen saisonalen Influenza-Impfstoffen. Die Impfung der betroffenen Personengruppen entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ist derzeit nicht flächendeckend sichergestellt.

Insoweit wird festgestellt, dass es sich bei Impfstoffen zum Schutz gegen die saisonale Influenza um Arzneimittel handelt, die zur Behandlung lebensbedrohlicher ­Erkrankungen benötigt werden, und dass ein Versorgungsmangel mit diesen Arzneimitteln vorliegt.

Diese Feststellung ermöglicht es den zuständigen Behörden der Länder, nach Maßgabe des § 79 Absatz 5 und 6 AMG im Einzelfall ein befristetes Abweichen von den Vorgaben des AMG zu gestatten. Damit kann flexibel auf die Umstände des jeweiligen Krankheitsausbruchs und den Bedarf an spezifischen Arzneimitteln reagiert werden.

Diese Feststellung ermöglicht es den zuständigen Behörden der Länder, nach Maßgabe des § 79 Absatz 5 und 6 AMG im Einzelfall ein befristetes Abweichen von den Vorgaben des AMG zu gestatten. Damit kann flexibel auf die Umstände des jeweiligen Krankheitsausbruchs und den Bedarf an spezifischen Arzneimitteln reagiert werden.“


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Nichtverfügbarkeit Impfstoffe

von Dr. Albrecht Emmerich am 23.11.2018 um 19:01 Uhr

Nun zeigt sich das Ergebnis jahrelanger Planwirtschaft im Gesundheitswesen.
Viele Arzneimittel sind nicht verfügbar. Das soll nun vertuscht werden indem die niedergelassenen Apotheker diese z.T. sogar aus dem Ausland besorgen sollen. Dass dies einen erhöhten Aufwand und Kosten verursacht wird nicht erwähnt!!
Wie werden wir für diese Arbeit entschädigt? Wieviel Dokumentation wird von uns verlangt? Es wird Zeit, dass wir dieses System auffliegen lassen und nicht länger zu Handlangern herabwürdigt werden.

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