Arzneimittelpreise

Pfizer geht auf Konfrontation zu Trump

München - 19.11.2018, 13:45 Uhr

Der US-Pharmakonzern Pfizer kündigte neue Preiserhöhungen an und geht damit auf Konfrontation zu US-Präsident Donald Trump. (Foto: Imago)

Der US-Pharmakonzern Pfizer kündigte neue Preiserhöhungen an und geht damit auf Konfrontation zu US-Präsident Donald Trump. (Foto: Imago)


Die Auseinandersetzung zwischen US-Präsident Donald Trump und Pharmaunternehmen über Arzneimittelpreisepreise könnte in eine neue Runde gehen. Nach einem mehrmonatigen Preismoratorium kündigte der Pfizer-Konzern für Mitte Januar nun Preisanhebungen auf dem heimischen Markt an.

Wie das Unternehmen mitteilte, seien von den Preissteigerungen 41 Arzneimittel betroffen, was rund zehn Prozent des gesamten Angebots des Konzerns entspreche. Das New Yorker Unternehmen deutete zudem an, dass der Anstieg für die meisten der betroffenen Medikamente 5 Prozent betragen werde, bei drei Produkten seien es 3Prozent und ein Arzneimittel solle um 9 Prozent teurer werden.

Im Juli hatte das Unternehmen eine Preiserhöhungsrunde nach einer Intervention von US-Präsident Donald Trump aufgeschoben. Trump erklärte damals über den Kurznachrichtendienst Twitter, Pfizer solle sich schämen, und drohte eine Reaktion der Regierung an. Daraufhin hatten auch andere Pharmaunternehmen Preiserhöhungen ausgesetzt, darunter auch deutsche Unternehmen.

Pfizer: Selbstbeteiligung der Patienten reduzieren

Wie Pfizer jetzt mitteilte, erwarte man, dass die ab Januar geltenden höheren Listenpreise durch höhere Rabatte für Krankenversicherungen ausgeglichen werden dürften. Der Nettoeffekt dieser Maßnahme auf den US-Umsatz des Unternehmens im Jahr 2019 werde damit voraussichtlich bei Null liegen.

„Wir glauben, das beste Mittel, die Bezahlbarkeit von Medikamenten zu sichern, liegt darin, die steigende Selbstbeteiligung der Patienten zu reduzieren“, sagte Pfizer-Vorstandsvorsitzender Ian Read in einer Erklärung. Es müsse sichergestellt werden, dass die Rabatte, die zwischen Pharmaunternehmen und Versicherern ausgehandelt werden, am Apothekenschalter auch an die Kunden weitergegeben werden.

Trump will Arzneimittelpreise angehen

US-Präsident Trump hat die Senkung der Arzneimittelpreise zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit gemacht. Im Mai präsentierte seine Regierung ein 44seitiges „Blueprint“, um den Wettbewerb in der Branche zu verschärfen, Vorschriften zu reduzieren und neue Anreize für die Akteure in der Arzneimittelindustrie zu schaffen. Vergangenen Monat skizzierte Trump zudem einen Plan zur Neugestaltung des Gesundheitswesens. Demnach könnte sich der Preis für teure Arzneimittel, die von dem staatlichen Gesundheitsprogramm Medicare erstattet werden, künftig an den Erstattungen in anderen Ländern orientieren.

Trump widmet sich PBM-Konzernen

Ganz besonders heftig kritisierte Trump aber auch das Geschäftsmodell der sogenannten Pharmacy Benefit Manager, kurz PBM. Die PBM sind zunmeist vertikal integriert, besitzen also gleichzeitig eine Apothekenkette, einen Versandhandel und einen Großhändler. Ihre eigentliche Aufgabe ist es aber, die Preise und Konditionen für die Arzneimittelabgabe zwischen Apotheken, Herstellern und Versicherungen auszuhandeln. Diese „Mittelsmänner“ des US-Gesundheitssystems müssten sich Sorgen machen, kündigte Trump an. Ohne konkrete Maßnahmen zu nennen erklärte Trump damals: „Wir werden diese Mittelsmänner weitgehend eliminieren. Die Mittelsmänner sind sehr reich geworden. Sie werden künftig nicht mehr so reich sein.“


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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