Als Folge von Depression

Hormonelle Kontrazeptiva erhalten Warnhinweis zu Suizid

Stuttgart - 19.11.2018, 09:00 Uhr

„Depressionen können schwerwiegend sein und sind ein allgemein bekannter Risikofaktor für suizidales Verhalten und Suizid“, lautet künftig die Fachinformation zu hormonellen Kontrazeptiva. ( r / Foto: terovesalainen / stock.adobe.com)

„Depressionen können schwerwiegend sein und sind ein allgemein bekannter Risikofaktor für suizidales Verhalten und Suizid“, lautet künftig die Fachinformation zu hormonellen Kontrazeptiva. ( r / Foto: terovesalainen / stock.adobe.com)


Einen eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen hormonellen Kontrazeptiva und Selbstmord beziehungsweise Suizidversuchen sah der Ausschuss für Risikobewertung (PRAC) bei der EMA zwar nicht. Dennoch soll die „Pille“ einen neuen Warnhinweis in Gebrauchs- und Fachinformation erhalten, da Suizid auch als Folge einer unter hormonellen Kontrazeptiva bekannten Nebenwirkung – Depression – auftreten kann.

Die Packungsbeilagen und Fachinformationen zu hormonellen Kontrazeptiva erhalten künftig einen Hinweis zur Suizidalität unter dem Arzneimittel. Jüngst hatte der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich Pharmakovigilanz (PRAC) bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) das Signalverfahren zu hormonellen Kontrazeptiva abgeschlossen. Aufgrund von Meldungen untersuchte der PRAC das Auftreten von Suizid und Suizidversuchen während der Anwendung hormoneller Kontrazeptiva. Initiiert durch Studienergebnisse, die im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler fanden einen Zusammenhang zwischen der Anwendung hormoneller Kontrazeptiva und Selbstmordversuchen beziehungsweise vollzogenem Suizid (siehe Box).

Einfluss von hormonellen Kontrazeptiva auf suizidales Verhalten

In einer Kohortenstudie untersuchten Wissenschaftler Daten von fast einer halben Million dänischer Frauen über einen durchschnittlichen Zeitraum von 8,3 Jahren (Zeitraum zwischen 1996 und 2013). Die Frauen waren im Mittel 21 Jahre alt (15 bis 33 Jahre). Während der Beobachtungszeit kam es zu 6.999 ersten Suizidversuchen und 71 Suiziden.

Die in die prospektive Kohortenstudie eingeschlossenen Frauen durften erst während der Studienlaufzeit 15 Jahre alt werden, davor keine psychiatrischen Diagnosen gestellt bekommen haben und weder Antidepressiva noch hormonelle Kontrazeptiva einnehmen.

Verglichen wurden Frauen, die aktuell oder kürzlich (bis sechs Monate nach Einnahmeende) hormonelle Kontrazeptiva einnahmen (54 Prozent) mit Frauen, die nicht hormonell verhüteten. Dabei zeigte sich unter hormoneller Kontrazeption ein 1,97-fach erhöhtes Risiko für erste Suizid-Versuche und ein 3,08-faches Risiko für vollendeten Suizid. Ein Häufigkeitsgipfel für erste Suizidversuche war nach zweimonatiger Kontrazeptiva-Einnahme zu verzeichnen.

Betrachteten die Forscher die verschiedenen Darreichungsformen getrennt, zeigte sich für die oralen Kombinationspräparate ein 1,91-faches Risiko für versuchten Suizid, für orale Gestagenpräparate ein 2,29-faches Risiko, ein 2,58-faches für Vaginal-Ringe und ein 3,28-faches Risiko zeigte sich unter Hormonpflastern für versuchten Suizid. (dm)

Kausaler Zusammenhang zwischen Pille und Suizid nicht gewiss

Nach Ansicht des PRAC gibt es auf Basis der Gesamtdaten jedoch keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme hormoneller Kontrazeptiva und Suizidversuchen beziehungsweise vollzogenen Suiziden. Allerdings können Selbstmordversuche oder Suizide Folge einer Depression sein, was eine bekannte Nebenwirkung hormoneller Kontrazeptiva ist. Aus diesem Grund sollen in Gebrauchs- und Fachinformationen künftig zusätzliche Hinweise zu suizidalem Verhalten ergänzt werden.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Hormonelle Kontrazeptiva erhalten Warnhinweis zu Suizid

von Jürgen Barth am 20.11.2018 um 8:39 Uhr

Warnhinweis obwohl die Kausalität nicht nachgewiesen ist - adhärenzerhöhende Massnahme würde ich sagen. Dann steigt eben der Umsatz der PiDaNa.....

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