Versandhandelskonflikt

Apotheker reden über Alternativen zum Rx-Versandverbot

Berlin - 07.11.2018, 18:20 Uhr

Wie geht es weiter? Die Zeit wird knapp. Anfang Dezember will die ABDA ihren Mitgliedern eine fertige Lösung im Versandhandelskonflikt vorlegen. Man ist auf der Suche nach einem Konzept. (Foto: Schelbert)

Wie geht es weiter? Die Zeit wird knapp. Anfang Dezember will die ABDA ihren Mitgliedern eine fertige Lösung im Versandhandelskonflikt vorlegen. Man ist auf der Suche nach einem Konzept. (Foto: Schelbert)


Der ABDA-Gesamtvorstand hat sich am heutigen Mittwoch in Berlin getroffen, um über den Versandhandelskonflikt zu beraten. Es ging darum, mögliche Alternativen zum Rx-Versandverbot auszuloten. Dabei sollen viele Themen angesprochen worden sein: Ein Strukturfonds, von dem insbesondere kleinere Apotheken profitieren, neue Zusatz-Honorare und eine Ausweitung des Nacht- und Notdienstfonds. Beschlüsse gab es keine. Auch ein fertiges Paket aus dem Bundesgesundheitsministerium gibt es dem Vernehmen nach noch nicht.

Die Chefs und Chefinnen der 34 ABDA-Mitgliedsorganisationen sind am heutigen Mittwoch in Berlin zusammengekommen, um über die Zukunft des Apothekenmarktes zu beraten. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Apothekern auf dem diesjährigen Deutschen Apothekertag geraten hat, sich in der Angelegenheit etwas „zu bewegen“, ist genau das heute passiert: Es ging darum, mögliche Alternativen zum Rx-Versandverbot zu prüfen. Denn eines ist klar: Politisch gibt es immer weniger Unterstützer des Verbotes – in Bayern steht es nicht im neuen Koalitionsvertrag, wichtige Unterstützer wie der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich waren schon davor abgesprungen.

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Was genau die Chefs der Apotheken-Standesvertretung am heutigen Mittwoch besprochen haben, ist im Detail nicht bekannt. Dem Vernehmen nach wurde Stillschweigen vereinbart, die ABDA-Pressestelle war für Nachfragen nicht zu erreichen. Hört man sich jedoch unter den Sitzungsteilnehmern um, wird klar, dass die ABDA Stück für Stück von ihrer Maximalforderung abweicht und versucht, das ihren Mitgliedern möglichst schonend zu verkaufen. So soll ABDA-Präsident Friedemann Schmidt am Anfang der Sitzung auf die Gespräche mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) hingewiesen haben und darauf, dass es der ABDA darum gehe, wirkungsgleiche Lösungen zum Rx-Versandverbot zu finden. Ziel sei es nach wie vor, die Gleichpreisigkeit zu erhalten.

Auch Spahn hatte zuvor mehrfach gesagt, dass er keine Rx-Rabatte in Deutschland wolle – wie er das umsetzen will, ließ er allerdings offen. Und auch Schmidt soll dem Vernehmen nach angedeutet haben, dass man versuche, die Boni-Tätigkeit der EU-Versender mit anderen Regelungen einzuschränken, aber eben nicht mit einem Verbot. Wie die ABDA und das BMG das erreichen wollen, ist unklar. Nach Informationen von DAZ.online hat Schmidt heute kein fertiges Paket dazu vorgestellt. Im Mittelpunkt dürfte die juristische Frage stehen, wie man die EU-Versender nach dem EuGH-Urteil überhaupt noch beschränken kann.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Alternativlos !

von Dominik M. am 08.11.2018 um 15:34 Uhr

ES IST ALTERNATIVLOS !!!

Warum geht das RX-Versandverbot fast in jedem europäischen Land, nur bei uns nicht ???

Kollegen es reicht - ich gehe auf die 'Barrikaden', wer geht mit?

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RX Versandverbot

von Hauck Juergen am 08.11.2018 um 10:23 Uhr

Wer nach Alternativen zum RX Verandverbot sucht, hat schon die Schaufel für sein eigenes Grab in der Hand. Keine Vergütungsform kann den jetzigen, ungleichen Zustand aufwiegen.
Wie man in diesem Geschäft vorgeht, bekommen wir ja momentan von der Zur Rose Gruppe gezeigt.
Mit dubiosen Konstrukten das Fremdbesitverbot umgehen.
Und die Politik und der EuGH schaut zu.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

typisch

von Karl Friedrich Müller am 08.11.2018 um 8:36 Uhr

normalerweise: Problem erkannt, Problem beseitigt, fertig
Politik: erkennt Problem nicht, wenn doch, wird es klein geredet, argumentativ verschnörkelt bis zum Gegenteil, Lösung verweigert bis es nicht mehr anders geht, dann eine Lösung gesucht, die das Problem noch größer und unlösbar macht.
Das sind die Wege, wenn es den Bürger betrifft.
bei Superreichen und Konzernen: Änderung von Vorschriften und Gesetzen, Schaffung von Umgehungsmöglichkeiten, Ignorieren, offensives Verteidigen in der Öffentlichkeit, auch mit Argumenten, die in der Realität das Gegenteil bedeuten.

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Die verstaatlichte Vergütungsapotheke ...

von Christian Timme am 08.11.2018 um 3:23 Uhr

wird auf BAT umgestellt und dem BMG angegliedert ... hört sich nach Plan B an ...

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AW: Die verstaatlichte Vergütungsapotheke

von Andreas Koschek am 08.11.2018 um 11:22 Uhr

- 100.000 EUR Jahresbrutto
- stur Dienst nach Vorschrift
- Lieferengpässe, Rabattverträge, Hilfsmittel, Retaxen, ...endlose Liste an Sandkörnern in Getriebe: Pfff, mir doch egal!

Hmmm... klingt für mich (und vielleicht für die 50% unserer Kollegen, die laut 2HM sowieso unter Anlegen rein marktwirtschaftlicher Masstäbe keine Existenzberechtigung mehr haben) wie Paradies auf Erden

Vielleicht mal ne Online-Petition starten zur Enteignung/Zwangsverstaatlichung der inhabergeführten Apotheke?

Wen vertritt die Politik SPAHN GABRIEL SCHÄUBLE und Co

von Karl Friedrich Müller am 07.11.2018 um 18:55 Uhr

Es gibt keine.
Weil das EuGH Urteil eine einzige Ungerechtigkeit ist und die Versender einen nicht zu kompensierenden Wettbewerbsvorteil gibt.
Die Politik will nicht, obwohl es rechtlich möglich ist.
Die Politik muss sich fragen lassen, wen sie eigentlich vertritt.
Die deutschen Bürger oder ausländische Konzerne.
Es ist unglaublich.

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