Grippesaison 2018/19

PEI: Apotheker sollen Engpässe bei Grippeimpfstoffen melden

Berlin - 01.11.2018, 15:10 Uhr

Wer seine Grippeimpfung schon erledigt hat, dürfte Glück gehabt haben. Wer jetzt noch will, kann das Nachsehen haben. (Foto: REDPIXEL/ stock.adobe.com)

Wer seine Grippeimpfung schon erledigt hat, dürfte Glück gehabt haben. Wer jetzt noch will, kann das Nachsehen haben. (Foto: REDPIXEL/ stock.adobe.com)


Wer auf die Webseite des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zu den Grippeimpfstoffen schaut, sieht, dass GlaxoSmithKline, Sanofi-Pasteur und AstraZeneca einen Abverkauf ihrer tetravalenten Vakzine gemeldet haben. Nur bei Mylan gibt es eine solche Meldung nicht. Nun ruft das PEI auf, Engpässe zu melden, um die Versorgungslage untersuchen zu können.

Mylan hat in dieser Grippe-Saison abgeräumt: Trotz gestrichener Impfstoff-Rabattverträge hat das Unternehmen durch Vereinbarungen mit den Apothekern dafür gesorgt, dass sein ganz neuer tetravalenenter Grippeimpfstoff Influvac Tetra in vielen Regionen Deutschlands vorbestellt wurde und dort breit zum Einsatz kommt.

Andere Hersteller konnten hingegen keine Vorbestellungen in dieser Menge verzeichnen – und passten ihre Produktion entsprechend an. Dass es zu Engpässen kommen wird, zeichnete sich früh ab. Kaum war die Impfsaison eröffnet, klagten Apotheken bereits, keine Vakzine mehr zu bekommen. Es ist die erste Saison, in der Vierfachimpfstoffe reguläre Kassenleistung sind – dies und die Erinnerung an die heftige Grippesaison 2017/18 mögen viele Menschen zur Impfung in die Praxen gedrängt haben.

Nun melden GlaxoSmithKline, Sanofi-Pasteur und AstraZeneca ganz offiziell, dass Influsplit Tetra, Vaxigrip Tetra und Fluenz Tetra für die laufende Saison abverkauft sind. Das zeigt die Webseite zu den Influenzaimpfstoffen des Paul-Ehrlich-Instituts. Bei Sanofi gibt es noch eine Packungsgröße (10 x 1 Fertigspritzen mit feststehender Kanüle) und auch einige Großhändler mögen noch Ware haben. Doch die grundsätzliche Botschaft ist: Die Zeit der Produktion ist für diese Saison vorbei und die Vorräte neigen sich dem Ende zu.  

Das PEI hatte zum 26. Oktober insgesamt 15,3 Millionen Dosen freigegeben – das entspricht etwa der Menge, die es in der vergangenen Saison gab. Und dass noch weitere Chargen in der Warteschlange zur Freigabe stehen, ist nicht anzunehmen. Es ist auch hinreichend bekannt, dass Impfstoffe angesichts ihrer aufwendigen Produktion bei kurzfristigem Bedarf nicht einfach nachproduziert werden können. Deshalb hatte der Gesetzgeber im vergangenen Jahr auch die Rabattverträge gestrichen. Doch das allein reichte offenbar nicht: Die nächste Gesetzesänderung zu Impfstoffen ist bereits auf den Weg gebracht; sie soll Vertragsgestaltungen, die letztlich doch auf einen exklusiven Partner der Kassen hinauslaufen, den Anreiz nehmen.

Online-Meldeformular nutzen!

Am heutigen Donnerstag hat das PEI nun über die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) aufgerufen, Engpässe bei der Beschaffung von Grippeimpfstoffen zu melden. So will es beispielsweise die regionale Versorgungslage mit Influenzaimpfstoffen untersuchen. Seit Mitte Oktober bietet das Institut ein Online-Formular zur Meldung vermuteter Engpässe von Impfstoffen an. Die AMK unterstützt diese Maßnahme und bittet alle Apotheker, Engpässe bei der über dieses Online-Formular zu melden.

Ergänzend bittet die AMK eine Meldung unter www.arzneimittelkommission.de, wenn Arzneimittelrisiken im Zusammenhang mit Impfstoffen vorliegen sowie bei Risiken für Patienten, die sich aufgrund von Engpässen ergeben.

AOK Nordost: Keine Engpässe im Nordosten

Indessen wehrt sich die AOK Nordost gegen die von einigen Seiten geäußerte Vermutung, dass auch bei Mylan der Vierfachimpfstoff ausgegangen und die Versorgung in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern damit gefährdet sei. „In der Region Nordost ist nicht mit Lieferengpässen oder gar einem Ausverkauf der Grippeimpfstoffe zu rechnen“, erklärt Susanne Dolfen, Leiterin Arzneimittelversorgung bei der AOK Nordost. Das liege daran, dass man sich gemeinsam mit den drei Apothekerverbänden der Region frühzeitig um  Liefersicherheit bemüht habe. Dolfen: „Als erste Region in Deutschland haben wir bereits im Februar 2018 den Bedarf ermittelt, so dass der Grippeimpfstoff frühzeitig bestellt werden konnte. Auf dieses bewährte Versorgungsmodell greifen wir seit 2011 zurück. Lieferengpässe für Grippeimpfstoffe waren daher im Nordosten nie ein Thema.“ 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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