Ausverkauf bei Astra Zeneca

Nexium künftig bei Grünenthal

Stuttgart - 31.10.2018, 12:45 Uhr

Grünenthal hat die Rechte an Nexium® und Vimovo® von AstraZeneca übernommen. (m / Foto: dpa)

Grünenthal hat die Rechte an Nexium® und Vimovo® von AstraZeneca übernommen. (m / Foto: dpa)


Der Schmerzmittelspezialist Grünenthal hat die europäischen Rechte am Protonenpumperblocker Nexium® und die globalen Rechte (ohne USA und Japan) an der Protonenpumpenblocker-Schmerzmittelkombi Vimovo® von AstraZeneca übernommen. Das gab das Unternehmen am gestrigen Dienstag bekannt. Die Akquisition ist nach eigener Aussage die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. 

922 Millionen US-Dollar, also umgerechnet 811 Millionen Euro, lässt sich Grünenthal die Rechte an Nexium® (Esompeprazol) und Vimovo® (Naproxen plus Esomeprazol) kosten. Für Nexium® umfassen sie 33 Länder in Europa, für Vimovo® die ganze Welt mit Ausnahme der USA und Japan. Bislang lagen die Rechte der Arzneimiittel bei AstraZeneca. Das Unternehmen setzt damit den Ausverkauf seiner patentfreien Mittel fort, zumindest was Nexium® betrifft. Vimovo® ist in den meisten europäischen Märkten bis 2025 patentrechtlich geschützt ist. So hat AstraZeneca zum Beispiel im Frühjahr die Lizenzen für seine Altoriginale Beloc Zok® (Metoprolol-Succinat), Beloc® i.V. (Metoprolol-Tartrat) und Mobloc® (Felodipin + Metoprolol-Succinat) abgegeben. Sie werden seit dem 1. April 2018 von der Recordati Pharma GmbH vertrieben. 2017 trennte man sich von seinem Narkosemittelgeschäft. Im Mai dieses Jahres hieß es, dass die Firma über den Verkauf der US-Rechte an seinem HMG-CoA-Reduktasehemmer Rosuvastatin Crestor® nachdenkt. Wie die dpa damals mitteilte, ist die Triebfeder, die Überlegung AstraZenecas, sich auf „vielversprechende Wachstumsfelder“ zu konzentrieren, wie beispielsweise die Krebstherapie.

Mehr zum Thema

Nach Patentablauf von Rosuvastatin

Verkauft AstraZeneca Crestor?

Übernahme der Lizenzrechte

Beloc Zok und Mobloc nun bei Recordati

Lohnt sich Nexium® überhaupt noch?

Grünenthal habe mit der Übernahme die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte getätigt, heißt es in einer Mitteilung. „Diese Akquisition ist ein wichtiger Schritt hin zu unserer Vision einer schmerzfreien Welt für Patienten“, erklärte Grünenthals CEO Gabriel Baertschi. Nach Ansicht des Unternehmens gibt es einen hohen ungedeckten medizinischen Bedarf für Patienten, die über einen längeren Zeitraum und hochdosiert mit NSAR-Präparaten behandelt werden. Obwohl alle Richtlinien Magenschutz für diese Patienten empfehlen, belegten Daten, dass viele ungeschützt bleiben und jeder Vierte Magengeschwüre und die damit verbundenen schweren Komplikationen entwickeln kann, heißt es.

Zudem generiert Nexium® offenbar auch nach Ablauf des Patentschutzes weiterhin signifikante Umsätze. So betrug im Jahr 2017 der Gesamtumsatz für die vertraglich vereinbarten Märkte 248 Millionen US-Dollar (220 Millionen Euro). Mit Vimovo®, das in über 30 Ländern erhältlich ist, erzielte Astra Zeneca im vergangenen Jahr 2017 in den vertraglich vereinbarten Märkten einen Umsatz von 79 Millionen US-Dollar (70 Millionen Euro).

Fixkombinationen aus einem Analgetikum und einem Magenschutz gibt es nur wenige im Markt. Neben Vimovo® ist noch Arthotec® forte verfügbar, das Diclofenac und Misoprostol enthält. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.