Rote-Hand-Brief

Aortenaneurysmen unter Fluorchinolonen

Stuttgart - 26.10.2018, 12:45 Uhr

Laut einer Studie erhöht Ciprofloxacin bei Mäusen die Anfälligkeit für Aortendissektionen und -rupturen, man geht aber von einem Gruppeneffekt aus. (m / Foto: imago)

Laut einer Studie erhöht Ciprofloxacin bei Mäusen die Anfälligkeit für Aortendissektionen und -rupturen, man geht aber von einem Gruppeneffekt aus. (m / Foto: imago)


Insbesondere bei älteren Personen können systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone das Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen erhöhen. Das teilen die Zulassungsinhaber in Abstimmung mit den Behörden per Rote-Hand-Brief mit. Patienten sollten über dieses Risiko informiert und dazu aufgefordert werden, bei plötzlich auftretenden Bauch-, Brustkorb- oder Rückenschmerzen unverzüglich die Notaufnahme aufzusuchen, heißt es. 

Aortenaneurysmen und -dissektionen sind seltene Ereignisse. Sie treten etwa mit einer jährlichen Inzidenz von drei bis 30 Fällen pro 100.000 Personen auf. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, zum Beispiel eine Aneurysma-Erkrankung in der Familienanamnese, ein vorbestehendes Aortenaneurysma oder eine vorbestehende Aortendissektion, Marfan-Syndrom, vaskuläres Ehlers-Danlos-Syndrom, Takayasu-Arteriitis, Riesenzellen- Arteriitis, Morbus Behçet, Hypertonie und Atherosklerose.

Und auch die Behandlung mit Fluorchinolonen scheint das Risiko zu erhöhen. Darauf weisen die Zulassungsinhaber per Rote-Hand-Brief hin. Dort heißt es, dass epidemiologische Studien gezeigt hätten, dass sich bei Patienten unter systemischer Fluorchinolontherapie das Risiko für ein Aortenaneurysma oder eine -dissektion etwa verdoppelt im Vergleich zu Patienten, die gar keine oder andere Antibiotika einnehmen. Wobei die Risikoerhöhung nicht alle Patienten gleichermaßen zu treffen scheint, sondern besonders ältere.

Betroffene Wirkstoffe

  • Ciprofloxacin
  • Levofloxacin
  • Moxifloxacin
  • Norfloxacin
  • Ofloxacin

Auch im Mausmodell sei im Rahmen einer nicht-klinischen Studie gezeigt worden, dass Ciprofloxacin die Anfälligkeit für Aortendissektionen und -rupturen erhöht, heißt es in dem Rote-Hand-Brief weiter. Man geht allerdings davon aus, dass es sich um einen Klasseneffekt der Fluorchinolone handelt – ähnlich dem schädlichen Einfluss von Fluorchinolonen auf das Sehnengewebe.

Bei Prädisposition

Aufgrund dieser Erkenntnisse sollen Patienten, die bereits ein erhöhtes Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen haben, zum Beispiel wegen der oben genannten Faktoren, nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und wenn andere Therapieoptionen nicht infrage kommen mit Fluorchinolonen behandelt werden. Ärzte und Apotheker sollen Patienten auf das Risiko hinweisen. Bei plötzlich auftretenden Bauch-, Brustkorb- oder Rückenschmerzen sind Patienten angehalten, sich unverzüglich in der Notaufnahme ärztliche Hilfe zu suchen.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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