Martin Porwoll

Bottroper Apotheken-Whistleblower wechselt zu Krankenkasse

Karlsruhe - 19.10.2018, 09:00 Uhr

Nachdem er gegen seinen früheren Chef Anzeige erstattet hatte, bekam Martin Porwoll zwar einen Preis, hatte aber zunächst keinen Job. (m / Foto: hfd)

Nachdem er gegen seinen früheren Chef Anzeige erstattet hatte, bekam Martin Porwoll zwar einen Preis, hatte aber zunächst keinen Job. (m / Foto: hfd)


Ohne ihn würden Krebspatienten womöglich weiterhin unterdosierte Zytostatika erhalten: Der Kaufmann Martin Porwoll erstattete Anzeige gegen seinen früheren Chef Peter S. – und wurde nach der Verhaftung des Apothekers gekündigt. Rund zwei Jahre später hat er nun eine neue Arbeit gefunden.

Für sehr viele Menschen ist er ein Held: Der frühere kaufmännische Leiter der „Alten Apotheke“ in Bottrop hat anders als seine Kollegen nicht weggesehen, sondern Beweise gesammelt – und Anzeige gegen seinen Chef Peter S. gestellt. Dieser wurde im Juli in erster Instanz zu zwölf Jahren Haft verurteilt, wegen Unterdosierung in tausenden Fällen und wegen Betrugs an den Krankenkassen. Für Porwoll brachte die Anzeige nicht nur Panikattacken und Unsicherheit mit sich, sondern auch den Verlust seines Arbeitsplatzes: Direkt im Anschluss an die Razzia in der Apotheke sowie die Inhaftierung seines früheren Chefs wurde ihm gekündigt, auf die in einem Vergleich zugesicherte Abfindung wartet er bis heute.

Nachdem er zwei Jahre lang praktisch arbeitslos war, hat er nach Informationen von DAZ.online nun eine neue Stelle gefunden – bei einer Krankenkasse. „Wir freuen uns sehr, Herrn Porwoll seit dem 15. Oktober als Projektleiter Versorgungssteuerung an Bord zu haben“, bestätigt der Sprecher der BKK VBU, die seit 1993 auf dem Markt ist. Für die Kasse mit ihren gut 500.000 Versicherten werde es in Zukunft noch wichtiger werden, ihren Kunden ein „guter Lotse“ durch das Gesundheitssystem zu sein.

„Durch das Wirken von Herrn Porwoll versprechen wir uns eine weitere Verbesserung der Servicequalität für unsere Kundinnen und Kunden im Bereich der Versorgung und einen Fokus auf zukunftsträchtige Projekte“, erklärt der Sprecher. „Dessen ungeachtet hat uns auch das couragierte Verhalten von Herr Porwoll in der Vergangenheit beeindruckt.“ Mit Apotheken wird der Kaufmann weiterhin zu tun haben – so bei der Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. „Ich freue mich, bei der BKK VBU an Bord zu sein“, sagt Porwoll gegenüber DAZ.online. „Zumal dies eine spannende Herausforderung ist.“

Der Kaufmann hatte im vergangenen Jahr zusammen mit der PTA Marie Klein einen Whistleblower-Preis erhalten. Anlässlich der Preisverleihung hatte die Kasseler Bürgermeisterin Ilona Friedrich darauf verwiesen, dass Porwoll auch ein Jahr nach der Durchsuchung der Zyto-Apotheke noch arbeitssuchend war. „Das wirft kein gutes Licht auf die höchst sensible und auf Vertrauen bauende Apothekenbranche“, erklärte sie.

Schneller Glück hatte seine frühere Kollegin Klein: Sie fand eine neue Stelle im „Exil“, wie sie bei der Preisverleihung sagte. „Ich bin glücklich, eine neue Heimat in Duisburg gefunden zu haben“, sagte sie – in der dortigen BKK VBU-Niederlassung arbeitet nun auch Porwoll. Ursprünglich habe sie aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen ein halbes Jahr nach der Razzia ihre Arbeit als PTA aufgeben wollen, erklärte Klein, doch fand sie mit der Sonnenwall-Apotheke eine neue Arbeitsstätte, in der sie einen sehr guten Start hatte, wie sie sagt. 


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
hfeldwisch@daz.online


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