Montgomery über impfende apotheker

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“

Berlin - 18.10.2018, 12:00 Uhr

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält impfende Apotheker im Rahmen von AMTS nicht für klug (b / Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält impfende Apotheker im Rahmen von AMTS nicht für klug (b / Foto: Monika Skolimowska/dpa)


Ist es im Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit wirklich klug, dass Apotheker impfen? Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, erklärt beim aktuell in Berlin stattfindenden Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie: nein. Seiner Ansicht erhöht sich eine Impfquote durch Aufklärung und Vernunft - mitnichten aber durch Apotheker.

Derzeit dreht sich im Langenbeck-Virchow-Haus der Berliner Charité alles um ein Thema „Patientensicherheit und Arzneimittel“. „AMTS kommt noch nicht flächendeckend und in dem Maß an, wie wir uns das vorstellen“, eröffnete Professor Daniel Grandt den 5. Deutschen Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie. Denn noch immer könne man Patienten nicht sicher vor vermeidbaren Risiken einer Arzneimitteltherapie schützen – und das, obwohl man Probleme analysiert habe und auch Lösungsansätze kenne, erklärte der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Klinikum Saarbrücken. Grandt kennt sich mit Arzneimittel- und Patientensicherheit aus, er ist unter anderem Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) und Gründungs- sowie Vorstandsmitglied des Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS).

Montgomery: Die Impfquote erhöht sich durch Aufklärung, nicht durch Apotheker

Ein Grußwort kam auch von Frank Ulrich Montgomery. Der Präsident der Bundesärztekammer möchte bei der Patientensicherheit „ein bisschen über neue Themen sprechen, von denen wir uns vor fünf Jahren noch nicht einmal vorstellen konnten, dass es sie überhaupt gibt“. Ihm brennt als allererstes ein Thema besonders unter den Nägeln: impfende Apotheker. „Ich bin Radiologe, ich würde nie wagen, zu impfen“, so Montgomery. Und weiter: „Ist es im Rahmen von AMTS wirklich klug, wenn man anderen medizinischen Kreisen den Zugang zum Impfen gewährt“?

Nach Montgomerys Ansicht ist es das nicht. Impfen sei eine Grundaufgabe der ärztlichen Tätigkeit. Dadurch dass Apotheker impften, seien Ärzte noch lange nicht hinsichtlich ihres Arbeitspensums entlastet.  Auch das häufig angeführte Argument einer Verbesserung der Impfquote durch impfende Apotheker lässt Montgomery nicht gelten: „Die Impfquote wird nicht durch Apotheker gesteigert, sondern durch Vernunft und Aufklärung“, so der Ärztepräsident. Sein Fazit: „Schuster bleib bei deinen Leisten, und das Impfen bleibt in der Hand des Arztes“.

Vergangene Woche hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf dem Deutschen Apothekertag das Thema Impfen in der Apotheke ins Gespräch gebracht. Während Teile der Apothekerschaft für ein solches Angebot bereitstehen würden, sieht es die ABDA kritisch.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Interview mit der Schweizer Apothekerin Pharmama

Impfen in der Apotheke: Erfahrungen aus der Schweiz

Hausärzte-Chef will selbst Arzneimittel abgeben

Impfende Apotheker: Ärzte sind dagegen

BAH-Studie zeigt gesundheitlichen und wirtschaftlichen Nutzen des OTC-Switchs der Grippeimpfung

Warum Apotheker impfen sollten

Prof. Dr. Daniel Grandt zur Rolle des Apothekers bei der Erstellung des Medikationsplans

„Idealerweise ergänzt der Apotheker die Selbstmedikation!“

Interview mit dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt

„Ich rede doch gar nicht schlecht über die Apotheker!“

4 Kommentare

Impfen

von Ratatosk am 19.10.2018 um 14:38 Uhr

Der Mann hat recht, aber wieso fordern die Hausärzte dann das Dispensierrecht ? In Österreich sind die negativen Folgen ja klar zu sehen.
Die Impfrate würde natürlich schon steigen, insofern ist die Argumentation schon sehr durchsichtig, hat es schon mal bei der Blutzuckermessung etc. gegeben, sieht man genau wo dies schon gemacht wird, aber bei der deutschen Bürokratrie und Juristerei würde ich auch nicht impfen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

An der Lebensrealität vorbei

von Stefan Haydn am 18.10.2018 um 21:07 Uhr

Nun ja, wenn ich die heutige Arbeitswelt mit den Sprechzeiten der meisten Arztpraxen in Einklang bringen möchte, kann ich verstehen, weshalb die Impfrate in der Apotheke steigt (sofern die Möglichkeit gegeben ist)
Bei Apotheken die von 8 bis 19 oder gar 20 Uhr geöffnet haben und vor allem am Wochenede erreichbar sind, liegt der Vorteil die Impfung dort durchzuführen klar auf der Hand.

Man kann die Gedankenspiele mit Impfung in der Apotheke sofort ad acta legen, wenn Arztpraxen ähnlich angenehme Sprechzeiten für Berufstätige anbieten.
Aber bewegen sollen sich ja immer nur die Apotheker.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: An der Lebensrealität vorbei

von Dr. Stephan Hahn am 19.10.2018 um 9:43 Uhr

Möchten Sie die Verantwortung für Impfreaktionen übernehmen, oder auch im Notdienst Impfen, oder öffnen Sie Sonntags generell die Apotheke? Ich habe festgestellt, dass man mit Ärzten sehr wohl auch darüber reden kann, wie man Impfungen außerhalb der allgemeinen Sprechzeiten erhalten kann. Es ist alles eine Frage des Miteinandersprechens. Impfen in der Apotheke halte ich für keine gute Idee!

Impfen

von Conny am 18.10.2018 um 14:23 Uhr

Der Mann hat Recht !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.