Ärzte greifen an

Hausärzte-Chef Weigeldt fordert Dispensierrecht für Mediziner

Berlin - 18.10.2018, 21:25 Uhr

Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt fordert in der FAZ das Dispensierrecht für Ärzte. (Foto: Imago)

Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt fordert in der FAZ das Dispensierrecht für Ärzte. (Foto: Imago)


Dass die Apotheker nicht über Impfungen in der Apotheke sprechen wollen, hatte eigentlich nur einen Grund: Die Angst vor der Forderung der Ärzte nach einem ärztlichen Dispensierrecht. Nun zeigt sich: Die Sorgen der Apotheker waren berechtigt. Nur eine Woche nach der Äußerung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu impfenden Apothekern auf dem diesjährigen Apothekertag stellt Ulrich Weigeldt, Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, nun klar: Wir wollen Arzneimittel abgeben!

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in der vergangenen Woche eine seit Jahren immer mal wieder heiß diskutierte Debatte neu entflammt: die Diskussion um impfende Apotheker. Spahn zählte eine Reihe von Themen auf, über die er mit den Apothekern „reden“ möchte. Neben neuen Beratungshonoraren, Präventionsleistungen und einer höheren Vergütung für Nacht- und Notdienste könne er sich auch vorstellen, dass Apotheker impfen – wenn die Apotheker selbst das wollen.

Die Apotheker selbst wollten das bislang aber gar nicht. Das war erst vor wenigen Wochen auf der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH) klar geworden. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), sagte dort, dass man mit den Apothekern übers Impfen gesprochen habe, aber nur Absagen erhalten habe. Der Grund: Die Apotheker hätten Angst vor der Retourkutsche der Ärzte – der Forderung nach dem ärztlichen Dispensierrecht.

Ärzte wollen impfende Apotheker vermeiden

Schon in den vergangenen Tagen war der Zorn der Ärzte groß: Erst reagierte Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, dann Ulrich Weigeldt auf den Vorschlag Spahns, dass Apotheker impfen könnten. Ihre Meinung: Apotheker können und sollen auch nicht impfen, beispielsweise weil sie in allergisch-bedingten Notfallsituationen nicht eingreifen könnten. Nun aber kommt die volle Breitseite. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) fordert Ulrich Weigeldt, Chef des Deutschen Hausärzteverbandes (DHÄV) das ärztliche Dispensierrecht.

Weigeldt begründet seine Forderung nicht mit dem Gedanken an impfende Apotheker. Vielmehr „könnten die Ressourcen besser genutzt werden, gerade auf dem Land“, wenn Ärzte Arzneimittel abgeben dürften. Konkrete Pläne für die Ausmaße des Dispensierrechtes hat Weigeldt scheinbar noch nicht. Denn die Frage, welche Arzneimittel in Arztpraxen vorgehalten werden könnten, ließ Weigeldt offen und sprach sich für einen Dialog mit den Apothekern aus. Und weiter: Ein komplettes Sortiment bereitzuhalten, sei jedenfalls nicht das Ziel, sagte er in der FAZ. „Wir können und wollen die Apotheken nicht ersetzen.“ Das Verhältnis mit den Apothekern will er mit dieser Forderung nicht zerstören. Denn: „Unser Ziel ist auch in Zukunft ein vernünftiges Miteinander mit den Apothekern.“ Er sei dagegen, die Sache „emotional zu sehen“.

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Dass es aber zu dieser Eskalation kommt, ist unwahrscheinlich. Denn die ABDA hat bereits mehrfach klargestellt, dass man sich bestenfalls um Impfberatungen in der Apotheke bemühen wolle, die Impfungen selbst aber nicht „lobbyieren“ werde. Ob die Hausärzte ihre Forderung nach dem Dispensierrecht trotzdem aufrechterhalten, steht auf einem anderen Blatt.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Hausärzte-Chef Weigeldt gegen die Apotheker poltert. 2011 hatte er schon einmal das Dispensierrecht gefordert, in den vergangenen Jahren hatte er sich auch gegen eine Ausweitung der Kompetenzen der Apotheker im Medikationsmanagement ausgesprochen.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

Lasst sie doch machen

von Stefan Haydn am 19.10.2018 um 12:31 Uhr

die werden sich schon umschauen, die Ärzte. Dann muss deren Software Rabattverträge beachten, alle 14 Tage aktualisiert werden (was ich bei meiner Erfahrung sonst so mit Arztsoftware eher bezweifle). Sie müssen Umsatzsteuer abführen, die Lagerhaltung mit Temperaturkontrolle dokumentieren, Verfalldaten pflegen, etc..
Das könnte lustig werden. Ob sich das lohnt? Wer zieht von den Ärzten den Herstellerrabatt ein, oder erstattet diesen? Wie rechnet er die Versorgung mit der GKV ab?
Gibt es dann auch einen Ärzteabschlag?

Aus Gründen der Arzneimittelsicherheit kann man über den Vorschlag nur lachen (Kapseln teilen, nicht teilbare Tabletten, Einnahmehinweise, ....) Aber Deutschland hat ja auch einen Versandhandel mit Medikamenten zugelassen.

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Wer fordert, müsste liefern

von Jambalaja am 19.10.2018 um 8:27 Uhr

Wenn die Ärzte ein Dispensierrecht haben wollen, unterliegen sie der Überwachung nach § 64 AMG und nicht nur der Überwachung der Gesundheitsämter. Da sich Ärzte eh nicht wirklich um die Bedeutung von Arzneimitteln kümmern, würden sie auf einmal überrascht sein, einen Pharmazierat oder einen noch schärferen Inspektor in der Praxis stehen zu haben, der neben Lagerung, Dokumentation und Abgabe, auch Hygiene und das komplette QS-System auseinander nimmt. Dann wird nicht nur die Rekonstitution auseinandergenommen, sondern dann schlichtweg der ganze Betrieb (Praxis).

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Dispensierrecht

von Rainer Brosig am 19.10.2018 um 8:26 Uhr

Ich glaube nicht, daß diese Forderung von den meisten Ärzten geteilt wird, da sie:
1. dann mitsamt ihren Honoraren ! umsatzsteuerpflichtig ! werden, d.h. sich ihr Honorar entsprechend reduziert, antürlich ohne Kompensation seitens der Krankenkassen, und
2. die Krankenkassen sicher nicht auf die Vorteile der Vertragsarzneimittel verzichten würden, die Ärzte demnach ein entsprechendes Lager mit all seinen Risiken vorhalten müßten,
3. entsprechend Personal und Lagerräume vorrätig gehalten werden muß. Wieviele Praxen haben noch keine Klimaanlage? Ich erinnere mich noch gut an die Klagen vieler Patienten in diesem Sommer, die aus den Praxen kamen.

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Ärzte

von Comny am 18.10.2018 um 22:46 Uhr

Das war so klar, aber Ärzte nehmen gerne jeden Cent mit. Wir haben Arztpraxen die wollen Briefmarken zugesandt haben, damit Sie Ihren Quatsch den sie aufgeschrieben haben korrigieren können.

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