Analyse der Vorstände

Frauen an der Kammerspitze: Viel Luft nach oben bei den Apothekern

Stuttgart - 18.10.2018, 07:00 Uhr

Die Expopharm-Eröffnung zeigte, wie schlecht Frauen in den Spitzengremien des Gesundheitswesens vertreten sind. ( r / Foto: Schelbert)

Die Expopharm-Eröffnung zeigte, wie schlecht Frauen in den Spitzengremien des Gesundheitswesens vertreten sind. ( r / Foto: Schelbert)


Frauen sind in Führungspositionen der Krankenkassen und ihrer Verbände und Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen stark unterrepräsentiert – trotz einem allgemein hohen Frauenanteil im Gesundheitswesen. Die Grünen wollen das ändern und haben deswegen einen Gesetzentwurf eingebracht, der Frauenquoten fordert. Aus diesem Anlass haben wir uns die aktuelle Situation an der Spitze der Apothekerkammern einmal angesehen. 

Die Grünen wollen mehr Frauen in Führungspositionen im Gesundheitswesen. Deswegen sprechen sie sich für eine Quote aus und haben einen entsprechenden Gesetzesantrag vorgelegt. Darin fordern sie konkret, dass die Wahlen zu den Verwaltungsräten der Krankenkassen, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und den „Spitzenverbänden der Selbstverwaltungskörperschaften auf Bundesebene“ so reformiert werden, dass der Frauenanteil dem Anteil der Mitglieder entspricht, die Frauen sind. Zu den Krankenkassen legen die Grünen auch Zahlen vor, um zu zeigen, dass es Handlungsbedarf gibt: So seien 70 Prozent aller Beschäftigten in Krankenkassen Frauen, der Frauenanteil bei den Vorständen liege aber zwischen 0 (Innungskrankenkassen) und 21 Prozent (BKKen), heißt es.

Die ABDA wird zwar an keiner Stelle im Antrag genannt, sie ist auch keine Körperschaft. Allerdings ist sie ein Spitzenverband von Körperschaften, den Apothekerkammern. Und auch bei denen spiegelt die Anzahl der Frauen in den Spitzenpositionen nicht den Frauenanteil der Mitglieder wieder: Von den 17 Kammerpräsidenten der Apotheker sind lediglich drei weiblich: Ursula Funke in Hessen, Magdalene Linz in Niedersachsen und Gabriele Regina Overwiening in Westfalen-Lippe. Magdalene Linz hat angekündigt, im kommenden Jahr bei den Wahlen nicht mehr anzutreten. Die Quote könnte also noch schlechter werden. Die Kammergeschäftsstelllen werden übrigens in Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg von Frauen geleitet, hier gibt es Geschäftsführerinnen. In Hessen ist dies zwar auch der Fall, der Hauptgeschäftsführer ist jedoch männlich. 

Sechs Landesapothekerkammern haben Vizepräsidentinnen

Etwas besser als bei den Präsidenten sieht es bei den Vizepräsidenten aus: Dr. Sonja Mayer in Bayern, Silke Laubscher in Baden-Württemberg, Christine Schoppe im Saarland, Dr. Viola Schneider in Hessen, Petra Kolle und Dr. Dorothee Dartsch in Hamburg und Katrin Wolbring in Brandenburg. Hessen ist somit die einzige Kammer, die sowohl eine Präsidentin als auch eine Vizepräsidentin hat. 

Geht man noch eine Ebene weiter, also in die Vorstände der Kammern, sitzen dort immerhin in zehn Kammern mindestens 50 Prozent Frauen (Präsident und Vize mitgerechnet) Spitzenreiter ist Brandenburg mit 64 Prozent Frauenanteil im Vorstand, übrigens auch die einzige Ostkammer mit einer Vizepräsidentin. Die weiteren Kammern, in denen mindestens der halbe Vorstand weiblich ist, sind: 

  • Bayern (5 von 9 Vorständen Frauen; entspricht 55 Prozent)
  • Hessen (4 von 7; 57 Prozent)
  • Saarland (3 von 5; 60 Prozent)
  • Niedersachsen (4 von 7; 57 Prozent)
  • Hamburg (7 von 12; 58 Prozent)
  • Schleswig Holstein (4 von 8; 50 Prozent)
  • Mecklenburg-Vorpommern (4 von 7; 57 Prozent)
  • Sachsen-Anhalt (4 von 7; 57 Prozent)
  • Thüringen (4 von 7; 57 Prozent)


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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3 Kommentare

Frauenquote

von Julia Borsch /DAZ.online am 19.10.2018 um 9:42 Uhr

Quoten lösen sicherlich nicht alle Probleme. Aber sie führen dazu, dass man sich Gedanken darüber machen MUSS, warum Frauen diese Ämter oder Jobs oft nicht machen wollen, und dass die Rahmenbedingungen entsprechend geändert werden. Wovon übrigens auch Männer profitieren. Wenn natürlich die Männer anfangen würden zu sagen, dass sie das nur noch machen, wenn es zum Beispiel während der Vorstandssitzung eine Kinderbetreuung gibt, kann man sich die Quote sparen. das sehe ich aber aktuell nicht.

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Frauenquote

von Ratatosk am 19.10.2018 um 9:34 Uhr

Leider fehlt es hier an grundlegendem Verständnis von demokratisch gewählten Gremien !
Demokratie ist ein Mehrheitsverfahren aller Stimmberechtigten-innen-d ! Solche Quoten sind absolut abzulehnen, da sonst auch andere Gruppen das Recht haben müssen eine Quote zu bekommen, z.B nach Religion, Region, etc. etc
Wenn sich genug Frauen bewerben ist es gerade hier völlig unproblematisch, würde eher zu einer Männerquote führen. Wenn keine Dame sich diese Ämter antun will, ist es ihr gutes Recht, aber darüber zu jammern ist mehr als lächerlich.
Ich persönlich versuche den die besten Bewerber-in-d nach Kompetenz zu wählen, ist zwar altmodisch, aber alles andere führt zwangsläufig zum Verrotten von Institutionen

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Frauenquote

von Bernd Küsgens am 18.10.2018 um 11:34 Uhr

Bei dem Grünen Spitzenpersonal kann man sehen, was bei einer Frauenquote herauskommt

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