Rote-Hand-Brief

Erhöhtes Risiko für „weißen Hautkrebs“ durch Hydrochlorothiazid

Stuttgart - 17.10.2018, 11:00 Uhr

Ein Rote-Hand-Brief warnt vor weißem Hautkrebs unter dem Diuretikum Hydrochlorothiazid. (Foto:rangizzz/ stock.adobe.com)                                          )

Ein Rote-Hand-Brief warnt vor weißem Hautkrebs unter dem Diuretikum Hydrochlorothiazid. (Foto:rangizzz/ stock.adobe.com)                                          )


In einem aktuellen Rote-Hand-Brief informieren die Zulassungsinhaber von Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Hydrochlorothiazid über ein erhöhtes Risiko für bestimmte Hautkrebsarten bei Exposition mit steigenden kumulativen Dosen des Diuretikums. Das hätten pharmakoepidemiologische Studien gezeigt, heißt es. Patienten, die entsprechende Arzneimittel einnehmen, sollen über das Risiko informiert werden.

Basalzellkarzinom (Basaliom) und Plattenepithelkarzinom der Haut (Spinaliom) sind weltweit die häufigsten Hautkrebsarten. Sie werden als nichtmelanozytärer Hautkrebs (NMSC = non-melanoma skin cancer) oder umgangssprachlich auch als weißer Hautkrebs bezeichnet. Im Vergleich zum malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) metastasieren sie seltener bis nie. Das Basalzellkarzinom wird deswegen auch als „semi-maligne“ bezeichnet. Basalzellkarzinome entstehen meist im Kopf-Halsbereich, auch Plattenepithelkarzinome der Haut entstehen zumeist in chronisch sonnenexponierten Arealen, vor allem im Gesicht. UV-Strahlung spielt nachgewiesenermaßen eine erhebliche Rolle.

Pharmakoepidemiologischen Studien zufolge haben Patienten, die Hydrochlorothiazid-haltige Arzneimittel einnehmen, bei Exposition mit steigenden kumulativen Dosen HCT ein erhöhtes Risiko für diese nichtmelanozytären Hautkrebsarten. Das teilen die Zulassungsinhaber in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) per Rote-Hand-Brief mit.

Patienten sollen Sonnenexposition vermeiden

Patienten, die HCT-haltige Arzneimittel einnehmen, sollen über das Risiko von NMSC aufgeklärt werden, heißt es dort. Weiter sollen sie angehalten werden, ihre Haut regelmäßig auf neue Hautveränderungen sowie Veränderungen an bestehenden Läsionen zu untersuchen. Verdächtige Veränderungen sollten sie von einem Arzt untersuchen lassen und sie melden. Gegebenenfalls sollen Biopsien genommen und diese histologisch untersucht werden.

Weiter wird empfohlen, dass betroffene Patienten die Exposition gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlen einschränken. Wenn sie sich Sonnenlicht und UV-Strahlung aussetzen, ist ein entsprechender Schutz angeraten (Kleidung, hoher Lichtschutzfaktor). Bei Patienten, die in der Vergangenheit bereits ein Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom der Haut hatten, sollten Ärzte Nutzen und Risiken eines erneuten Einsatzes von HCT sorgfältig abwägen.

HCT: Hauptursache Medikamenten-bedingter gesteigerter Lichtreaktionen

HCT ist ein Diuretikum aus der Gruppe der Thiazide. Es wird eingesetzt bei arterieller Hypertonie, kardialen, hepatischen und renalen Ödemen sowie zur adjuvanten symptomatischen Therapie der chronischen Herzinsuffizienz zusätzlich zu ACE-Hemmern. Es wirkt über eine Blockade des Na+/Cl--Cotransporters im frühdistalen Tubulus. Dadurch werden verstärkt Wasser, Natrium- und Chlorid-Ionen ausgeschieden. Hydrochlorothiazid (HCT) hat bekanntermaßen eine mittlere Photosensibilisierungspotenz. Aufgrund der häufigen Verordnung stellt es aber die Hauptursache Medikamenten-bedingter gesteigerter Lichtreaktionen dar. Sie sind meist phototoxisch und nur selten photoallergisch bedingt.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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