Kontraste-Sendung

EMA-Dokument: Das internationale „Lunapharm-Netzwerk“

Berlin - 12.10.2018, 16:05 Uhr

Rote Linien in dem Diagramm bedeuten, dass die EMA illegale Lieferwege vermutet. Zu dem umstrittenen Brandenburger Händler Lunapharm laufen viele rote Pfeile hin – und weg. (Screenshot: Kontraste)

Rote Linien in dem Diagramm bedeuten, dass die EMA illegale Lieferwege vermutet. Zu dem umstrittenen Brandenburger Händler Lunapharm laufen viele rote Pfeile hin – und weg. (Screenshot: Kontraste)


Am gestrigen Donnerstagabend strahlte das ARD-Magazin Kontraste neue Enthüllungen zu Lunapharm aus. Im Zentrum der Sendung stand ein Dokument der europäischen Arzneimittelbehörde, das ein internationales kriminelles Netzwerk beschreibt – mit dem Brandenburger Händler als Zentrum.

Mitte Juli berichtete das ARD-Magazin Kontraste erstmals über den Lunapharm-Skandal. Seither kommen stückchenweise neue Erkenntnisse über den Brandenburger Händler ans Tageslicht: So hat die Staatsanwaltschaft Potsdam ihre Ermittlungen auf Geschäftspartner von Lunapharm in Hessen ausgeweitet. Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums stehen die Brandenburgischen Behörden zudem mit Behörden aus Großbritannien, Lettland, Polen, Italien, Zypern, Niederlande, Frankreich und Griechenland in Kontakt.

Scheinfirmen und Intransparenz

Am gestrigen Donnerstag berichtete Kontraste erneut über Lunapharm. In der Sendung ging es um ein Dokument der europäischen Arzneimittelbehörde, das auch DAZ.online vorliegt. Darin sind – ähnlich wie einer Landkarte – die komplexen Lieferwege eines mutmaßlich kriminellen europaweiten Händlernetzwerkes abgebildet. Im Zentrum ist der Brandenburger Händler Lunapharm eingezeichnet. Das Diagramm zeichnet sich durch verwirrende Lieferwege und mangelnde Transparenz aus.

Illegaler Arzneimittelhandel

Lunapharm-Affäre

So werden etwa die zypriotische Firma Gnomon und der bulgarische Händler Lemimed als Handelspartner von Lunapharm genannt. Recherchen des Senders zufolge handelte es sich dabei um Scheinunternehmen, die unter der jeweils angegeben Postadresse physikalisch nicht aufzufinden gewesen sein sollten.

Werden Arzneimittel im Kreis gefahren?

Außerdem soll laut dem Dokument Lunapharm unter anderem den slowakischen Händler Propharma beliefert haben. Der eingezeichnete Handelsweg verläuft dabei im Kreis: So soll der Händler Propharma an das in Bonn ansässige Unternehmen NMG-Pharma geliefert haben und NMG wiederum zurück an Lunapharm.

Die Anfragen von Kontraste bei Propharma und NMG liefen laut der Sendung ins Leere. Das bisher relativ unbekannte Unternehmen NMG-Pharma tauchte seit Bekanntwerden des Skandals immer mal wieder in Medienberichten auf. So musste der Bonner Händler mehrfach Arzneimittel „wegen Unstimmigkeiten in der Lieferkette“ zurück rufen. Außerdem haben nach Bekanntwerden des Skandals acht von elf Krankenkassen, die Rabattverträge mit NMG abgeschlossen hatten, ihre Verträge gekündigt. Eine, die weiterhin zu NMG steht, ist die Barmer. Gegenüber DAZ.online hatte ein Sprecher Ende September erklärt, die Barmer werde sogar einen weiteren Rabattvertrag über den Wirkstoff Goserelin mit NMG abschließen. Man sehe „keine rechtlichen Gründe“, die NMG Pharma von den Open-House-Verfahren auszuschließen, so der Barmer-Sprecher. Die Bezirksregierung Köln, die für die Überwachung von NMG zuständig ist, sprach vor einigen Tagen gegenüber DAZ.online von „laufenden und möglicherweise anstehenden staatsanwaltlichen Verfahren“ gegen das Bonner Unternehmen.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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8 Kommentare

@Gunter Kowalski

von Matthias H. Arlt am 17.10.2018 um 22:33 Uhr

Wer Bangkok zuerst sagt hat gewonnen?! Ist das vielleicht die Intention, unter Zuhilfenahme einer potenziell Suchmaschinen-algorithmengestützten, Droh- oder Notdialektik, den Namen von unliebigen Kommentatoren mit aberwitzigen, unerfindlichen und geschmacklosen Vergleichen zu reihen - natürlich im Konjunktiv?
Ich bitte Sie!!
Nochmals ganz klar und deutlich:
Was formal- und fiskaljuristisch vielleicht zulässig ist, ist unter Einschaltung des gesunden Menschenverstandes nicht schwer zu erfassen. Arzneimittel sind keine x-beliebige Ware. Diese durch halb Europa oder darüber hinaus zu bewegen, transport- respektive temperaturbedigten Stress auf die Wirkstoffe auszuüben ist ein No Go.
Alleine der begründete Verdacht einer nicht sachgemäßen Lagerung führt - und das ist auch gut so - im Regelfall aus Sicherheitsgründen unweigerlich und unabhängig vom Wert zur Vernichtung.
Weiterhin fehlen die Präparate zunehmend in den Ländern, wo diiese nicht ohne Grund - bedingt durch reduzierte Kaufkraft- preiswerter seien müssen.
Leider oder Gott sei es gedankt, da bin ich mir noch nicht ganz schlüssig, gibt es die Sanktionen nicht, wo der Verursacher die Medizin konsumieren muss, die er anderen verkaufen möchte.


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Wer weiß denn sowas`?

von Dr. Andreas van de Valk am 15.10.2018 um 21:02 Uhr

@Arlt

Könnten Sie sich vorstellen, dass ich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit Apotheken betreue oder auch betreut habe, die im zweistelligen Millionenbereich Umsätze tätigen. Dieser Umsatz verlangt was ... Importquote?! ... Wer dann beraten will muss was wohl können - EU-Arzneimittelrecht in Verbindung mit der Mehrwertsteuersystemrichtlinie und natürlich jeweils die dazu ergangene EuGH-Rechtsprechung.

Zum Beispiel gibt es eine interessante neuere Rechtsprechung des EuGH zu EINEM italienischen Apotheker, der mit Arzneimitteln gehandelt hat ohne über eine Handelserlaubnis zu verfügen (die vermeintlich wohl zwingend sein muss). Viele andere italienische Apotheker, die ebenfalls mit Arzneimittel handelten wurden von vornherein nicht angeklagt .... Für Sie bestimmt unbeachtlich da nicht fachlich. Nun ja. Für unternehmerische Apotheker ist dies aber ein nicht zu verachtender Hinweis.

Als ausgewiesener Fachmann auf em Gebiet fällt Ihnen die Antwort bestimmt leicht:
Sind Sie eigentlich mal der Frage nachgegangen, ob Ebbe und Flut oder die Mondstellung einen signifikanten Einfluss bei der Arzneimitteleinnahme haben?

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AW: Wer weiß denn sowas

von Matthias H. Arlt am 16.10.2018 um 13:29 Uhr

@ A. v.d.Valk
q.e.d!

Lunapharm fast ein Fetisch?!

von Matthias H. Arlt am 13.10.2018 um 16:55 Uhr

Ich finde es schon hochinteressant, dass der Bericht über die Lunapharm stetig das Interesse eines vermeintlichen Rechtsanwalts und eines Steuerberaters auf den Plan ruft. Sehr geehrte Herren überlassen Sie das pharmazeutische Geschäft besser denen die davon Ahnung haben, die sich mit Arzneimittelsicherhet, der Überwachung guter Herstellungs- und guter Distributionspraxis auskennen und greifen sie besser keine um Objektivität bemühte Redakteurinnen und Redakteure an. Es bleibt dabei: direkt vom Hersteller bezogene Arzneimittel ohne Umwege sind der beste Beitrag für die Arzneimittelsicherheit!

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AW: Lunapharm fast ein Fetisch

von Dr. Andreas van de Valk am 14.10.2018 um 11:11 Uhr

Schmarn.

Der freie Warenverkehr in der EU ist in seinen Ausprägungen weit mehr als die banale Lieferkette im europäischen Pharmahandel.

Im Arzneimittelrecht ist nach EU-Zulassung der Hersteller für das Arzneimittel verantwortlich - er haftet auch. Der Hersteller hat jederzeit, gesetzlich verpflichtet, Auskunft darüber zu erteilen in welches Mitgliedsland, in welcher Menge geliefert wurde und wieviel bislang von diesem Arzneimittel verschrieben wurde. Einfach, praktisch und sinnvoll. Beginnend bei der EMA wird parallel die Überwachung nach unten an die obersten Behörden in den Mitgliedsstaaten delegiert. Einfach, praktisch, sinnvoll. Vollzugsbehörden wie das LASVG in Brandenburg bedarf es nicht.
==>> Anfrage beim Hersteller eines fraglichen Arzneimittels - alles gut.
==>> Probleme bei der Wirksamkeit? Rückruf durch Hersteller.

Nehmen wir die obige Übersicht, die der EMA zugeschireben wird. Schauen wir uns das EMA-Arbeitsweisevideo an - erneut Schmarn.

Im EU-Steuerrecht gibt es das sogenannte Reihengeschäft. Dabei liefert der erste Unternehmer direkt an den letzten Unternehmer. Sofern 5 Unternehmer in 5 Mitgliedsstaaten betroffen sind, stellt sich nui die Frage des Lieferweges und dem Ort der Verschaffung der Verfügungsmacht über den Gegenstand der Lieferung. Die EuGH-Rechtsprechung hat dies einfach, praktisch und sinnvoll nach Jahren der Unklarheit gemacht.
==>> Finanzverwaltung einschalten und gut ist.

Nun gibt es noch die sogenannten INTRASTAT-Meldungen. Laut Wikipedia: "Intrastat-Meldungen dienen zur Erfassung des tatsächlichen Warenverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft. Unternehmen müssen Versendungen und Eingänge zentral melden, in Deutschland an das Statistische Bundesamt. Die Abgabe dieser Meldungen ist in allen EU-Mitgliedstaaten verbindlich." ..."Wer meldepflichtig ist, erfährt das Bundesamt (Anm.: in Deutschland) über das zuständige Finanzamt durch die Umsatzsteuervoranmeldungen des Unternehmens. Anhand der Zahlen lassen sich beide Meldungen miteinander abstimmen."
==>> Undurchsichtig ist anders

*** Polizeimitteilung am 10.5.2018 an die Presse in Athen***

Am 2. Juni 2017 wandte sich die Nationale Arzneimittelagentur (EOF) an die Finanzpolizeidirektion, um in einer "alten" Apotheke in der Shakra-Straße in Kallithea nach einer weiteren Überprüfung durch den Deutschen Pharmahändler eine Überprüfung vorzunehmen."
==>> Nicht die Arzneimittelaufsicht wurde aktiv sondern die Finanzpolizei - wo kamen die Informationen her? Deutschland. Von wem? LASVG Brandenburg.

Lieber Herr Arlt!
Sie sind wohl Mitglied im VAAÖ. Demnach können sie als Angestellter nicht um unternehmerische Sachverhalte wissen. Ich entschuildige Ihnen das. Da Sie nunmehr erstinformiert sind - künftig bitte anders und vor allem dort wo ich kommentiert habe.Danke.

AW: Lunapharm fast ein Fetisch

von Matthias H. Arlt am 14.10.2018 um 17:20 Uhr

Wenn schon der anwaltliche Erstkommentator viel mehr als nur ein unbetroffener Artikelkommentator ist, Zitat von Apotheke Adhoc: " Für die Großhandelsfirma Rheingold organisierte Krautz-Zeitel nämlich in Blankenfelde-Mahlow ­– dem Firmensitz von Lunapharm – bei der Gründung die Geschäftsräume und war auch beim Erwerb der Großhandelserlaubnis behilflich. In diesem Zusammenhang spielt auch der heutige Anwalt von Hussein, Gunter Kowalski, ein Rolle. Kowalski hat nach Angaben der Auskunftei Northdata nach dem Umzug der Firma nach Wiesbaden zeitweise die Geschäfte von Rheingold geführt. Alle Akteure sind seit Jahren miteinander bekannt und geschäftlich verbunden."
outen Sie sich bitte doch einmal konkret als selbstständiger Steuerberater in welchem direkten oder indirekten Teil der Lieferkette Sie evtl. stehen, respektive beteiligt sind. Ihnen den altruistischen Kämpfer für den freien Warenverkehr in den multiplen Kommentaren abzunehmen, fällt vermutlich nicht nur mir zwztl. in Anbetracbt der schreibenden Wehemenz und Angriffsdiktion - in einem wohlgemerkt pharmazeutischen Fachportal - äußerst schwer. Man hat ja fast das Gefühl hier gäbe es was reinzuwaschen Aus Sicht des Pharmazeutischen Qualitätsmanagements wie auch Apotheker-Sicht bleibt folgendes m.E. unumstößlich: Besonders hochaktive, transport- und lagerungssensible Arzneimittel gehören ohne Umwege und Manipulationsmöglichkeit schell, sicher und direkt in die Nähe der "Gebrauchsfertigmachenden Spezialisten und Spezialistinnen". Diese potenzielle oder gewollte Unwissenheit verzeihe ich Ihnen als angestellter Arzneimittelfachman immer wieder sehr gerne.

AW: Lunapharm fast ein Fetisch

von Gunter Kowalski am 17.10.2018 um 11:28 Uhr

Sehr geehrter Herr Arlt, ich will Ihnen die Situation kurz an einem Beispiel erläutern: Angenommen bei ihrem nächsten Thailand-Urlaub werden Sie in einem anonymen Brief als Kinderschänder bezeichnet. Daraufhin werden Sie festgenommen. die Sache klärt sich auf und Sie reisen wieder nach Deutschland. Hier hat man inzwischen ihren Namen veröffentlicht und mitgeteilt, dass man sie wegen Kinderschändung festgenommen hat. Sie seien auch schon in Deutschland aufgefallen, dass Sie verdächtig oft Ihre Kinder in den Kindergarten gebracht hätten und sie dort etwas zu lange verweilten. Sie seien auch in einem Kaufhaus gewesen und hätten dort lange telefoniert. Sicher nicht um etwas zu kaufen? Generell solle man Reisen von Männern nach Bangkok verbieten, da wie ihr Fall zeige, häufig verbotene sexuelle Motive im Spiel seien, die sich auch auf Kinder bezögen, wie wissenschaftliche Arbeiten belegten. In Deutschland werden Sie sicher jedem erzählen, sie seien ja wieder frei gekommen. Die Medien werden aber schreiben, die Wahrheit werden wir nie erfahren. Als vermeintlicher Anwalt muss ich also auch für Sie eintreten und ihre nächste Bangkokreise.

Lunapharm

von Gunter Kowalski am 13.10.2018 um 10:57 Uhr

Die Lügerei geht weiter. Nachdem sich herausgestellt hat, dass nichts verdorben war und für die griechische Räuberpistole keine Beweise vorliegen, wird wenigstens arzneimittelrechtlich nicht zugelassener Grosshandel einer Apotheke vermutet, um das Attribut kriminell wenigstens zu vermuten. jetzt taucht eine email auf, nach der schon 2013 auf betreiben der schwerkriminellen Lunapharm über die Zulässigkeit diskutiert wurde. Dass der Apotheke bis Mitte 2018 kein Verbot erteilt wurde, spricht wohl gegen die Illegalität. Aber wahrscheinlich hören wir jetzt die gleiche Ausrede, wie zur jahrelang und bis heute fehlenden RAS-Warnung: Man habe die Diebe nicht warnen wollen und deshalb lieber tausende von Patienten gefährdet. Schön ist das auf der griechischen Lügerei beruhende Organigram. Bei der Rheingold endet die Lieferung im Nichts.Die Italiener haben nichts illegales getan und die Litauer auch nicht. Holländer sind frei erfunden und Gnomon wird sogar von Kontraste als richtiger zugelassener Grosshändler mit richtigem und sehr modernen Geschäftsitz gezeigt.Die bulgarische Geschichte ist wieder frei erfunden. usw.usw.Auch Frau Dr.Jung muss irgendwann zur Wahrheit zurückkommen.

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