Einstimmig fürs Rx-Versandverbot

Apotheker wollen keine „Kommission für Alternativen“

München - 11.10.2018, 12:30 Uhr

Mag Jens Spahn auch zögern: Die Hauptversammlung der Apotheker stimmte erneut einstimmig für das Rx-Versandverbot. (s / Foto: Schelbert)

Mag Jens Spahn auch zögern: Die Hauptversammlung der Apotheker stimmte erneut einstimmig für das Rx-Versandverbot. (s / Foto: Schelbert)


Was Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am gestrigen Mittwoch zum Versandhandelskonflikt sagte, war bestenfalls vage: Natürlich stehe das Rx-Versandverbot im Koalitionsvertrag, es gebe aber rechtliche „Themen“. Ansonsten sagte der Minister lediglich, dass man über neue Beratungshonorare, den Nacht- und Notdienstfonds sowie das Impfen „reden“ müsse. Die Hauptversammlung der Apotheker hatte heute die Qual der Wahl: Bleiben wir beim Rx-Versandverbot? Oder richten wir uns auf die Alternativen ein? Nach einer emotionalen Debatte stand ein einstimmiges Votum – gegen eine Diskussion über Alternativen.

Kurz zur Erinnerung, was Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am gestrigen Mittwoch zum Versandhandelskonflikt gesagt hat: Die Situation nach dem EuGH-Urteil empfinde er als „nicht fair“. Und: „Der Koalitionsvertrag sieht ein Rx-Versandverbot vor, das werden wir uns auch anschauen. Da gibt es rechtlich ein paar Themen, wir müssen daher insgesamt alles in den Blick nehmen.“ Er appellierte an die Apotheker, auch über Alternativen zu reden: „Ich würde Sie bitten, den Blick ein bisschen zu weiten.“ Schon zuvor hatte Spahn in seiner Einleitung gesagt, dass er gerne kontrovers diskutiere. Und weil er dies gerne tue, habe er kein fertiges Konzept mitgebracht. „Ich möchte mit Ihnen darüber diskutieren.“

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Spahn enttäuscht die Apotheker

Was heißt das nun konkret für die politische Ausrichtung der Apotheker? Wie sollen sich die Pharmazeuten jetzt ausrichten? Wenn Spahn das Verbot selbst noch erwähnt, sollte man nicht dabei bleiben? Oder sollte man sich aufgrund der vielen Hindernisse so langsam auf Alternativen vorbereiten? Genau diese Fragen bestimmten am heutigen Donnerstag die politische Diskussion auf dem Deutschen Apothekertag (DAT). Wie schwierig dem Apothekerlager diese Diskussion fällt, zeigte die Besprechung zweier Anträge beim DAT. Der erste kam von der ABDA selbst und beinhaltete nichts anderes als das Rx-Versandverbot. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt warb heftig für diesen Antrag: „Die Rede des Ministers war als Alternativoption zu verstehen. Er zielt wohl darauf ab, ein komplexeres Paket als Ersatz für das Verbot zu schnüren. Wir sollten aber trotzdem dabei bleiben, dass das Verbot das geeignete Mittel ist, um die Ungleichbehandlung zu beenden. Ich bitte daher um Zustimmung.“

Kai-Peter Siemsen hatte eine Kommission angeregt, die  Alternativen zum Rx-Versandverbot erarbeiten soll. Das fand ABDA-Präsident Friedemann Schmidt kontraproduktiv.

Hamburg mit Adhoc-Antrag

Die Hamburger Apotheker wollen sich trotzdem auf mögliche Alternativen vorbereiten. Gemeinsam reichten die Kammer und der Verein aus der Hansestadt einen Antrag ein, der die Bildung einer Kommission vorsah. Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen sagte dazu: „Wir sollten den Minister bei der Ausarbeitung seiner Alternativen nicht alleine lassen. Und ich glaube nicht mehr an ein Rx-Versandverbot mit Jens Spahn. Es ist daher unsere Pflicht, selbst und schnell ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten, das zum Ziel hat, die Apotheke vor Ort gegenüber den ausländischen zu schützen.“ Die Kommission solle klein sein und auch mit externen „Fachleuten“ besetzt werden.

ABDA-Präsident Schmidt bezeichnete den Adhoc-Antrag als „kontraproduktiv“. Er widerspreche ganz genau dem Antrag der ABDA, in dem das Rx-Versandverbot gefordert wird. Es wäre für die Verhandlungsposition der ABDA „extrem schlecht“, nun eine Kommission zu installieren, die nach Alternativen sucht. Dann wurde abgestimmt. Der Antrag der ABDA, der das Rx-Versandverbot enthält, wurde einstimmig und ohne Enthaltung angenommen. Die Einrichtung einer Alternativ-Kommission wurde abgelehnt – mit großer Mehrheit.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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10 Kommentare

Lasst uns reden

von pille 62 am 11.10.2018 um 17:28 Uhr

natürlich solte man sollte man nicht sprachlos sein,
aber Vorschläge wie Staffelvergütungen u.s.w sind doch doch
nicht wegweisend.
Wir brauchen doch weniger Vorschriften und nicht noch weitere. Versuchen Sie doch mal einem halbwegs gebildeten Patienten unser Sytem der Abrechnung zu erklären.
Das versteht kein Mensch was wir da machen, mit Festbeträgen, Mehrkosten,Importregeln, Aut-idem Verbot.
Aber eines wissen alle, den Apothekern gehts viel zu gut, sie leisten zu wenig für Ihre Mörderkohle!!!
Wenn der Daimler 10% mehr Gewinn macht, jubelt Deutschland. Wenn wir 10% mehr machten, gibts ein Gutachten das sich gegen uns richtet, weil wir das Volk bestohlen haben.

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RX-Versandverbot

von pille62 am 11.10.2018 um 16:10 Uhr

....und wenn ich nicht mehr weiter weiß bilde ich einen Arbeitskreis.
Was ist seit dem EU-GH Urteil und dem Gutachten zum Honorar geschehen?
Zumindest nichts was bei mir als kleinen Landapotheker sichtbar oder gar in Erinnerung geblieben wäre.
Der Spahn lacht sich doch über uns kaputt.
Wir werden niemals ein Versandverbot erleben, wenn wir uns weiter der Politik als Weicheier präsentieren.
Und kommen Sie mir nicht mit:" Es könnte schlimmer kommen!"
Gestern wäre der Tag gewesen, das die Apothekerschaft ihm bei seinem ersten Auftritt als Bundesminister das Eu-GH Urteil und das Gutachten der falschen Annahmen mit guten Argumenten und Alternativen um die Ohren zu schlagen.

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Welchen Teil von .....

von gabriela aures am 11.10.2018 um 15:22 Uhr

...Spahns Satz : "Macht mit oder ich mach'es alleine !" haben die Delegiertenversammlung und die ABDA jetzt nicht verstanden ?

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AW: Nur ein Missverständnis oder Selbstmord aus Angst vor dem Tod?

von Wolfgang Müller am 11.10.2018 um 17:20 Uhr

Diese DAT-Hurra-Entscheidung kann/darf nur auf einem unglaublichen Missverständnis beruhen.

Dieses Missverständnis, auf das ich hoffe, und das sich dann ja ausräumen ließe (allerdings: warum hat es KPS nicht gleich getan? Wurde er vorbeugend entfernt oder geknebelt?) ginge so:

Hamburg, bekanntlich "Das Hoch im Norden", hat schlau und beweglich manövrierend den Faden von Jens Spahn aufgenommen. Und wollte sich nun an der Suche nach komplizierteren, aber "wirkungsgleichen" oder mindestens "-ähnlichen" Alternativen zum Rx-VV dynamisch beteiligen. Als Apotheker, halt, die´s ja irgendwie existentiell betrifft.

WEITER für die RX-GLEICHPREISIGKEIT als zunächst einziges und oberstes Ziel. Und wenn's am Ende in einem halben Jahr WIRKLICH mal einvernehmlich - auch mit Jens Spahn - klar ist, das "Gleichpreisigkeit" nur mit "RX-VV" zu erreichen ist, auch dann wäre so eine Hamburger AG wohlgetan gewesen. Denn diese sinnvolle Halbjahres-Frist hat der Minister SICH UND UNS ja nun mal gesetzt.

Das DAT-Auditorium hat aber vielleicht verstanden, dass sich KPS um Alternativen eben gerade ZUR Gleichpreisigkeit kümmern möchte, welche dann nicht mehr so wichtig wäre! Also so´n Mist wie "Honorierung weg von der Packung". Und dass wir eben bald echtes Geld mit "Honorierten Dienstleistungen in GKV-Selektivverträgen" verdienen können, und das herkömmliche Honorar sowieso nur was für heilberufliche Luschen und Geronten ist. Und genau DAS wollten die Delegierten dann eben nicht. Was dann wieder eine sehr sehr kluge Entscheidung gewesen wäre.

Kann mir jemand helfen? Aus der Berichterstattung erschließt sich mir nicht so genau, ob das jetzt wirklich eine katastrophale, Untergangs-trunkene "Sowieso-Alles-Scheißegal"-Entscheidung war. Oder eben wirklich nur ein Missverständnis, und eigentlich eine zumindest gut GEMEINTE Entscheidung Delegierten.

Es krankt am System!

von Christian Giese am 11.10.2018 um 14:31 Uhr

Absoluter Tiefpunkt meines beruflichen Lebens:
"Keine Komission für Alternativen!"
Wie politisch begabt sind denn diese Delegierten?
Man kann nur zum wiederholten Schluss kommen, es krankt am System.
Föderalistische Systeme erfordern eine bewegliche motivierende Spitze und keine sich einmauernde rechthabende Schmollerversammlung.
Und so Zukunft bestehen?

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AW: Es krankt am System

von gabriela aures am 11.10.2018 um 15:18 Uhr

Lieber Herr Giese,

ich kann mir sogar vorstellen, daß die Ablehnung bei einigen die späte Rache bzw. Retourkutsche für die Kandidatur von Kai-Peter Siemsen war....schlimm, wenn man den eigenen Leuten sowas zutraut, oder ?

Delegierte

von Conny am 11.10.2018 um 13:55 Uhr

Die Delegierten waren gestern wieder schlimm. Viel tu viel Beifallfür Spahn . Wir haben es einfach nicht verdient! Stoffels !

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AW: Delegierte

von florian becker am 11.10.2018 um 15:19 Uhr

Engagieren Sie Dich doch einfach selber und lassen sich als Delegierte aufstellen.
Dann können Sie den Gesundheitsminister persönlich ausbuhen und dann wird alles besser.
Da hätten die Stoffels aber gestaunt..

Lasst uns reden!

von Tilman La Roche am 11.10.2018 um 13:50 Uhr

Ich verstehe prinzipiell schon, dass man die Alternativ-Kommission ablehnt, da alle Alternativen nicht annähernd das Ziel der Gleichpreisigkeit erreichen.
Warum nutzt man nicht die Chance und redet mit Herrn Spahn intensiv über alle Möglichkeiten, auch die Vorschläge von 2hm. Die Vor- und Nachteile dieser Alternativen zu präsentieren und erörtern, sollte in umserem Interesse sein.
Die Gleichpreisigkeit ist nicht das Allheilmittel für alle unsere Probleme. Welche neuen Vergütungssysteme könnten versorgungsrelevante Apotheken stützen und jungen Apothekern eine verlässliche Selbständigkeit ermöglichen. Gibt es zB die Möglichkeit kleinere Apotheken durch eine gestaffelte Packungsvergütung zu stärken? Was auch immer...aber sich zu verweigern entspricht der bisher gescheiterten Strategie.

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RX VV

von Rolf Lachenmaier am 11.10.2018 um 12:49 Uhr

Wieviele Delegierte sitzen da? Hätte jeder von denen mit dem gleichen Engagement die Petition des Hrn. Redmann unterzeichnet (plus Empfehlung an die Angestellten und v.a. Kunden, plus Weiterempfehlung im Bezirk und Kreis), dann wären mehrere hundertausend Unterstützer in kurzer Zeit zusammen gekommen. Chance gehabt, Chance ignoriert - die Quittung wird kommen.

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