Deutscher Apothekertag

Nun also doch: Apotheker gründen Arbeitsgruppe zum Versandhandelskonflikt

München - 11.10.2018, 17:20 Uhr

Eigentlich wollte die ABDA-Spitze um BAK-Präsident Andreas Kiefer und Chefjurist Lutz Tisch (li.) keine Extra-Gruppe, die Alternativen zum Rx-Versandverbot erarbeitet. Erst sah es auch so aus, dass das klappt. Dann wurde aber ein entsprechender Antrag beschlossen. (Foto: Schelbert)

Eigentlich wollte die ABDA-Spitze um BAK-Präsident Andreas Kiefer und Chefjurist Lutz Tisch (li.) keine Extra-Gruppe, die Alternativen zum Rx-Versandverbot erarbeitet. Erst sah es auch so aus, dass das klappt. Dann wurde aber ein entsprechender Antrag beschlossen. (Foto: Schelbert)


Am Vormittag des heutigen Donnerstags hatte die Hauptversammlung sich noch dagegen ausgesprochen eine Kommission einzuberufen, die Alternativen zum Rx-Versandverbot erarbeiten soll. Nach der Mittagspause lag dann aber auf einmal ein fast wortgleicher Antrag vor, in dem es um eine „Arbeitsgruppe“ geht, die „zusätzliche Maßnahmen“ entwerfen soll. Und siehe da: Er bekam eine knappe Mehrheit.

Was eine Mittagspause so alles bewirken kann… Am heutigen Donnerstagvormittag hatte die Hauptversammlung der Apotheker lange und emotional darüber debattiert, wie man nach der Rede von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun weiter verfahren werde. Zur Debatte stand ein Antrag der ABDA, der das Rx-Versandverbot beinhaltet. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt erklärte dazu, dass man mit dem Minister ja über Alternativen zum Rx-Versandverbot sprechen könne und gleichzeitig die Meinung vertreten könne, dass das Verbot das am besten geeignete Mittel sei, um die Gleichpreisigkeit wieder herzustellen. Der Antrag wurde einstimmig (!) angekommen.

Es folgte ein Adhoc-Antrag aus Hamburg. Kammer und Verein schlugen gemeinsam vor, dass man sich auf die kommenden Monate gut vorbereiten soll. Zur Erklärung: Spahn hatte angekündigt, in den kommenden sechs Monaten ein Gesetz zu Apotheken und Arzneimitteln auf den Weg zu bringen. Hamburgs Kammerpräsident Siemsen warnte davor, dass der Minister dieses Vorhaben alleine, also „ohne unsere Mithilfe“ entwirft. Also schlugen die Hamburger vor:


Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker spricht sich dafür aus, eine auch mit externen Fachleuten besetzte Kommission einzusetzen, die zusammen mit dem Geschäftsführenden ABDA-Vorstand bis zur ABDA-Mitgliederversammlung am 5. Dezember 2018 ein Paket von Maßnahmen erarbeitet, die geeignet sind, langfristig die hiesigen Inhaber-geführten Apotheken gegenüber ausländischen Versendern zu stärken.“

Adhoc-Antrag Kammer+Verein Hamburg


ABDA-Präsident Schmidt warnte vor einer Zustimmung. Schließlich sei der Antrag kontraproduktiv gegenüber dem beschlossenen ABDA-Antrag, in dem man sich für das Rx-Versandverbot ausspricht. Die Apotheker hörten auf ihren Präsidenten und lehnten den Hamburger Antrag klar ab.

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Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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7 Kommentare

Spahn und DAT

von Jürgen Hauck am 15.10.2018 um 10:44 Uhr

Hoffentlich fallen unsere obersten Standesvertreter nicht auf die Einlulltaktik mit Sondervergütungen und Impferlaubnis herein. Impfen ist ja nicht lukrativ; deshalb sollen das wir übernehmen und auf den Impfstoffen sitzenbleiben!! Dafür bliebe dann der RX Versand erlaubt und das mit riesengroßer prozentualer Steigerung. Also lasst euch nicht wieder hinters Licht führen!
Übrigens hat HERR Spahn mit seiner Performance klar und deutlich gezeigt, was er von uns hält.

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Arbeitsgruppe

von Annette Dunin von Przychowski am 12.10.2018 um 16:31 Uhr

Um es nochmal klarzustellen, was die Unterschiede zum ersten Antrag sind:
1. Es geht um ein "und" nicht um ein "oder", zusätzlich zur Forderung zum Rx-Versandverbot!!!
2. Es geht um eine Unterstützung der Arbeit des geschäftsführenden ABDA Vorstandes.
3. Die Fachexpertern muss selbstverständlich die ABDA aussuchen und benennen, damit in dieser extrem kurzen Zeit gut zusammen gearbeitet wird.
Herr Spahn wird innerhalb kürzester Zeit Aenderungen in den uns betreffenden Gesetzen vornehmen, wir müssen schnellstmöglich Vorschläge erarbeiten, egal ob mit oder ohne Rx-Versandverbot.

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Arbeitsverweigerung

von Karl Friedrich Müller am 12.10.2018 um 10:26 Uhr

Was wollt Ihr nun noch? ABDA hat jahrelang die Arbeit verweigert, bockig und stur nichts zur Kenntnis genommen, keine Stellungnahme, keine Auseinandersetzung, nichts nichts nichts
Und nun soll ein Arbeitskreis die Heilung bringen?
Mir ist schlecht. Demotiviert, schwach.
Wütend über so viel - keine Ahnung, wie ich das nennen soll - Inkompetenz? Arroganz? Alles zu schwach
Mann, verpflichtet endlich mal EXPERTEN

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AW: Arbeitsverweigerung

von Heiko Barz am 12.10.2018 um 11:00 Uhr

Ich schließe mich Ihrem „Wutausbruch“ in ganzer Breite an.
Vor über 2Jahren wurde dieses berufsvernichtende EUGH Urteil über uns - ausgegossen - und jetzt schon bildet man einen Arbeitskreis. Das hat nun eine Tempodimension angenommen, die ja an Startrecks Warp erinnert. Dieser Geschwindigkeit folgend wird dann das h2...“Gutachten“ wohl in 2-3 Jahren von einer Kommission behandelt werden.
Beschämend!!!
Mir wurde aber beim Podiumsgespräch (Schmidt und Spahn) durch die Körpersprache von F.Schmidt sehr deutlich, welche Dynamik der Unterwürfigkeit unseres „Vorsitzenden“ sich dabei zeigte. Diese Art der Zustimmungswilligkeit und Konfrontationsabneigung ist mir in dieser Weise noch nicht untergekommen. Ich denke aber, dass diese Art der Gesprächsgestaltung zum Wohle des „Kanzlerkandidaten“ im Vorfeld eingepreist wurde. Wo sind eigentlich unsere „Montgommerys“?

Arbeitskreis

von Karl Friedrich Müller am 12.10.2018 um 8:33 Uhr

wenn der Pharmazeut nicht weiter weiß,
gründet er einen Arbeitskreis.

(macht Politik auch so. Vermutlich ist das Ergebnis das selbe: Viel Geschwätz und Spesen, keine Lösung)

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Arbeitskreis

von Conny am 11.10.2018 um 22:40 Uhr

Und welche Blinden werden diesen wieder bilden ?

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Annette Dunin von Przychowsksi

von Christian Giese am 11.10.2018 um 17:36 Uhr

Danke Annette! Gut gemacht!

Schreibt Werner Bartens heute in der SZ:
"...Das Selbstbewusstsein der Pharmazeuten ist angekratzt, der Ruf nach dem Staat, der endlich diese lästigen Online-Versandhändler verbieten soll, die das Geschäft kaputtmachen, ist geradezu rührend hilflos."

Danke Annette, raus aus der Hilflosigkeit, miteinander reden!

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