Expopharm-Eröffnung

Importquote für Rx sofort streichen!

München - 10.10.2018, 12:05 Uhr

Fritz Becker: „Was muss noch alles
passieren, bis die Krankenkassen erkennen, dass es gute und sichere
Arzneimittel eben nicht zu Dumpingpreisen gibt?“ (Foto: Schelbert)

Fritz Becker: „Was muss noch alles passieren, bis die Krankenkassen erkennen, dass es gute und sichere Arzneimittel eben nicht zu Dumpingpreisen gibt?“ (Foto: Schelbert)


Die Eröffnung der Expopharm in München nahm der DAV-Vorsitzende Fritz Becker zum Anlass, der Forderung nach einer sofortigen Streichung der verpflichtenden Importquote für verschreibungspflichtige Arzneimittel Nachdruck zu verleihen. Die Skandale der letzten Monate hätten das Vertrauen in eine sichere Arzneimittelversorgung stark erschüttert. Das wolle man so nicht länger hinnehmen.

So fragten sich rund 900 000 mit Valsartan behandelte Patienten, ob sie seit Jahren potenziell krebserregende Arzneimittel eingenommen hätten. Und in Berlin und Brandenburg könnten mindestens 280 Krebspatienten nicht sicher sein, ob sie mangels Kühlung unwirksame Medikamenten erhalten hätten. Verschärft würde die Situation, so Becker, durch immer häufiger werdende Rückrufe von Arzneimitteln und Lieferengpässe, von der auch lebenswichtige Arzneistoffe wie Antibiotika und Impfstoffe betroffen seien. Dieser Entwicklung will Becker nicht länger zusehen:  „Arzneimittel dürfen nicht zur reinen Handelsware degradiert werden!“ Doch genau das sei das Geschäftsmodell der Importeure: Sie kauften Arzneimittel in Ländern mit günstigen Preisen, um sie dann in anderen Ländern teuer zu verkaufen. Die Handelswege seien verschlungen, kaum nachvollziehbar und machten es kriminellen Kräften denkbar einfach, gefälschte Ware einzuschleusen. Die Abschaffung der Importquote ist daher in den Augen von Becker zwingend geboten. Sie sei ein überholtes Kosteninstrument, das im Zeitalter der Rabattverträge kaum noch Einsparungen generiere, dafür aber die Patientensicherheit massiv gefährde. Becker forderte die Politik auf, den Weg für die Streichung frei zu machen. Dazu müsse sie § 129 SGB V zunächst anpassen, dann könnten DAV und GKV-Spitzenverband die Importquote im Rahmenvertrag streichen.

Preisdruck gefährdet Sicherheit und Versorgung

Nach wie vor erschüttert zeigte sich Becker, dass 17 Generikahersteller in Deutschland ihre Valsartan-haltigen Produkte zurückrufen mussten und keiner die mindestens seit 2012 vorhandenen Verunreinigungen bemerkt hat. Die Qualitätskontrollen hätten auf allen Ebenen versagt, die deutschen und auch die europäischen Aufsichts- und Kontroll-Behörden seien ihrer Überwachungspflicht der Arzneimittelproduktion nicht nachgekommen. Nur wenn es gelinge die Qualitätskontrollen den veränderten globalen Produktionsbedingungen anzupassen, so Becker, nur wenn massiv in die Qualitätssicherung von Arzneimitteln investiert werde, könne das verlorene gegangene Vertrauen der Patienten zurückgewonnen werden. Allerdings äußerte Becker auch Verständnis für die Hersteller, die ihre Wirkstoffe nicht mehr selbst produzieren, sondern auf Billiglohnländer ausweichen. Denn die gesetzlichen Krankenkassen würden über die Rabattverträge die Preisschraube immer weiter drehen, bis die maximalen Therapiekosten bei nur noch wenigen Cent liegen würden. Solche Preise ließen sich nur mit Wirkstoffbezug aus Ländern wie Indien und China realisieren, Ländern, in denen die Produktion schon aufgrund ihrer Entfernung nur schwer zu kontrollieren ist. Wenn aber die Qualität von lebenswichtigen Arzneimitteln nicht mehr gewährleistet sei und die Sicherheit der Patienten auf dem Spiel stehe, sei die Grenze erreicht. Becker: „Was muss noch alles passieren, bis die Krankenkassen erkennen, dass es gute und sichere Arzneimittel eben nicht zu Dumpingpreisen gibt?“

Für Becker zeigt das Beispiel Valsartan aber auch, was auf dem Spiel steht, wenn das System der flächendeckenden Versorgung ausgehöhlt wird. Denn nur das enge Netzwerk der Vor-Ort-Apotheken in Zusammenspiel mit der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker und dem Zentrallabor der Deutschen Apotheker hätten dafür gesorgt, dass immer die aktuellsten Informationen zur Verfügung standen und der Rückruf reibungslos funktioniert habe. 


Dr. Doris Uhl (du), Apothekerin
Chefredaktion DAZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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1 Kommentar

Import

von Karl Friedrich Müller am 10.10.2018 um 17:15 Uhr

Die Importquote ist schnurz. Wenn, dann müssen sogenannte Reimporte komplett weg vom deutschen Markt. Was nützt der Wegfall der Importquote, wenn Ärzte permanent Importe verordnen, das „Billigste“?
Importe machen die Belieferung von Rezepten unnötig kompliziert bis unmöglich!
Diese Forderung scheint mir außerdem nur ein Nebenkriegsschauplatz, zur Ablenkung, weil unsere liebe ABDA mal wieder nicht den Mut aufbringt, uns anständig zu vertreten und das Rx Versandverbot nicht mal erwähnt.
Weg mit der ABDA!

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